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Interview: Zeitmanagement-Tipps

Interview

Burkhard Heidenberger fragt Zamyat M. Klein:

    1.   Was bedeutet für Sie persönlich Stress?

 

Ich setze Stress mit negativem Distress gleich: ein Zustand, in dem ich angespannt bin, nicht in Balance, in dem ich das Gefühl habe, nicht all das, was ich machen muss oder machen möchte, in der vorhandenen Zeit zu schaffen oder so zu schaffen, wie ich es gerne hätte.

Konkret: wenn zu viele Dinge gleichzeitig anstehen und dann noch drei unvorhergesehene Dinge dazwischen hauen.

(Beispiele: Auto und PC gehen gleichzeitig kaputt, ich werde krank oder Eltern sind pflegebedürftig).

    2.     Wie organisieren Sie Ihren Arbeitstag?

 

      (Zum Beispiel: Machen Sie einen Tagesplan? Wie reagieren Sie auf Unvorhergesehenes? Arbeiten Sie in Blöcken? etc.)

 

Ich unterscheide da zwischen Home-Office Tagen und Seminartagen.

 

 

Ich habe für mich mal einen „idealen Arbeitstag“ auf ein Mind Map geschrieben und gemalt, das hängt über meinem Schreibtisch:

6:00 Uhr aufstehen, Yoga und Meditation

7:00 Frühstück

7:30 Büro

7:30- 10:30 Uhr

eine A- oder B- Aufgabe (nach dem Modell von Covey), beispielsweise an einem Buch schreiben, ein Seminar konzipieren und planen, also „inhaltliche“ Arbeit.

Danach erst Mails, Telefonate etc.

12:30 – 15:00 Pause (kochen, essen, Tee trinken, lesen, Siesta :-)

15:00- 18:00 Büro

Arbeiten wie Artikel schreiben, Blog und Twitter, Verwaltungskram, aber auch an einer A- oder B- Aufgabe weiter arbeiten.

 

Das ist der idealtypische Tag. Nicht immer schaffe ich es wirklich, erst um 10:30 die E-Mails zu checken, weil ich zu neugierig bin. Aber die haben meist gleich Folgearbeiten im Anhang, daher diszipliniere ich mich hier immer wieder aufs Neue.

 

Oft bleibe ich auch bis 20:00 am PC „hängen“, will schnell noch dies und das fertig machen...

 

Ich habe allen Freunden und Familienmitgliedern „beigebracht“, dass sie mich vormittags in meiner „heiligen Arbeitszeit“ nicht anrufen, wenn nicht was wirklich Wichtiges ist, sondern erst gegen Mittag.

 

Bei Seminartagen ist der Tag weitgehend fest. Hier mache ich morgens im Hotel vor dem Frühstück Yoga, sorge –wenn es irgend geht- für eine längere Mittagspause, wo ich mich zumindest 15 Minuten hinlegen kann.

Abends nach dem Seminar gehe ich gerne noch eine Runde spazieren oder lese was zur Entspannung. Ob ich mich dann noch mit den Teilnehmern zusammen setze, hängt davon ab, ob ich das Gefühl habe, Zeit für mich zu brauchen oder gerne einen netten Abend mit anderen verbringe. Aber es gehört für mich nicht zu meinem „Pflichtprogramm“ als Trainerin.

 

3.     Welches ist Ihr wichtigstes Zeitmanagement-Tool und warum?

(z.B. Zeitplanbuch, Smartphone, Organisationssoftware wie Outlook etc. Gerne können Sie auch mehrere nennen).

 

Nichts geht über Mind Map :-). In Kombination mit dem Classei- System.

Ich habe für jeden Monat eine Classei-Mappe, da lege ich schon längerfristig ein Mind Map an und schreibe kunterbunt alles drauf, was mir „unterwegs“ einfällt, was in dem jeweiligen Monat ansteht.

 

Dann mache ich oft ein Wochen- Mind Map, auf jeden Fall aber ein Tages Mind Map, auf dem ich alles notiere, was ansteht. Dazu habe ich kleine Symbole entwickelt, wie einen Telefonhörer, wo ich dann alles dran hänge.

 

Das Aufschreiben entlastet mich einfach. Ich brauche nicht mehr dran zu denken, sondern kann zwischendurch einen Blick drauf werfen.

Außerdem ist es sehr befriedigend, das Erledigte leuchtend grün zu markieren.

 

 

4.  Nach welchen Kriterien legen Sie (Aufgaben)Prioritäten fest?

 

Ich habe so eine innere Einteilung in „inhaltliche Arbeiten“ und „Verwaltung- und Orga“. Inhaltliche sind eben Seminare planen und vorbereiten, Bücher und Artikel schreiben. Das markiere ich in meinem Mind Map rot – und das sind A und B Prioritäten.

Der Rest ist dann – von der inneren Bewertung her- eher lästig oder ablenkend. Daran will ich noch arbeiten (an der Einstellung :-), weil es eben auch zu meinem Job gehört.

 

Und der ganze Bereich „Marketing“, wie Blogs, Twitter etc. fällt da irgendwie raus. Das ist eigentlich noch eine Zwischen-Priorität, weil es absolut zu meiner Arbeit gehört, wichtig ist und mir auch großen Spaß macht.

 

     5. Wie können Sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag am besten entspannen?

 

Das ist verschieden. Mal ist mir mehr nach Action, Freunde treffen, ins Kino gehen- mal bin ich froh, wenn ich mich auf mein Sofa verziehen kann und lesen- oder auch, ich gestehe es: einen Film in der Glotze anschaue.

Ich besuche aber auch abends manchmal einen Yoga-Kurs (obwohl ich jeden Morgen YOGA mache) oder gönne mir eine Massage. Das ist gerade abends einfach himmlisch.

 

    6.      Haben Sie einen Zeitspartipp für die Leser auf Lager?

Eher im Gegenteil: sich Zeit nehmen statt zu sparen.

Sich Zeit nehmen für die Dinge,

die wichtig sind für das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit.

 

So habe ich nun als allerneuestes noch einen Weg gefunden, neben dem täglichen YOGA auch jeden Tag zu walken. Ich wusste lange nicht, wie ich es in den Tag einbauen soll. Wenn ich etwas regelmäßig machen möchte, bleibt eigentlich nur der Vormittag. Aber da ich ein totaler Morgenmensch bin, will ich am liebsten um 6 Uhr an den Schreibtisch springen. Es war schwierig genug, mir vorher das tägliche Yoga-Programm anzugewöhnen.

 

Nun habe ich aber doch eine kreative Lösung gefunden. Ich starte etwas früher meine Mittagspause (Idealerweise um 12:00 Uhr, manchmal

wird es aber auch etwas später) und walke dann eine Runde (ca. 30-60 Minuten) durch Wiesen und Wälder.

Ich habe schon nach einer Woche gemerkt, wie gut mir das tut und wie viel Energie mir das gibt- gerade jetzt in dem grauen November.

 

Dann habe ich mal ein verrücktes Experiment gemacht, angeregt durch eine Bemerkung von Monika Birkner: einen freien Tag in der Woche!

Ein Teil in mir schrie, das geht doch nicht- bei einem anderen Teil hat es sofort Klick gemacht. Und in der Tat: meine Erfahrung war nur positiv.

Dadurch, dass ich wusste „Mittwoch ist mein freier Tag“ habe ich an den beiden Tagen davor und danach viel fokussierter und konzentrierter gearbeitet. Unterm Strich habe ich in diesen Wochen mehr geschafft als in anderen, die ich durchgearbeitet habe.

 

Typische Zeitfresser können natürlich E-Mails, Blogs und Twitter sein.

Simpler Trick (der natürlich nicht einfach zu realisieren ist :-): sich feste und beschränkte Zeiten dafür einteilen. Fertig! Dafür Zeiten nehmen, in denen man nicht die vollste Konzentration hat, wo man auch nicht so lange Zeit hat, vielleicht auf einen Rückruf wartet etc.

 

 

Interview: Der Krise kreativ begegnen

Wie können Sie der aktuellen Krisenstimmung konstruktiv begegnen? "Seien Sie kreativ!", empfiehlt die Kreativitäts-Expertin Zamyat M. Klein. Kreativitätstechniken helfen Ihnen, auch in der Krise handlungsfähig zu bleiben und sogar neue Kunden und Geschäftsfelder zu finden.

Lesen Sie hier das Interview vom März 2009 mit der Haufe- Akademie, das für wirtschaft & weiterbildung-online geführt wurde.

Ist Kreativität eine besondere Gabe?

Auf der Webseite von Trainertreffen Deutschland im Online-Magazin erschien wöchentlich ein Beitrag von Zamyat M. Klein über Kreativität.

1. Sind Sie ein kreativer Mensch? 27.05.2009
2. Ist Kreativität eine besondere Gabe? 03.06.2009
3. Grundlagen und Prinzipien kreativer Ideenfindung 10.06.2009
4. Auf den Kopf gestellt 17.06.2009
5. Aus gewohnten Bahnen ausbrechen 24.06.2009
6. Systemisches vernetztes Denken 01.07.2009
7. Mach mal Pause 15.07.2009

Das Planen von Seminaren

Auf der Webseite von Trainertreffen Deutschland im Online- Magazin erschienen folgende Beiträge:

1. Das Planen von Seminaren, Teil 1, 02.10.2009
2. Das Planen von Seminaren, Teil 2, 09.10.2009
3. Das Planen von Seminaren, Teil 3, 16.10.2009

Profil zeigen, dass zur Persönlichkeit passt (TR), business-wissen.de

Zwei gelungene Beispiele aus dem Trainingsbereich

Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft entstehen dann, wenn das Trainerprofil und der Unternehmensauftritt zur Persönlichkeit passen. So empfiehlt Alexander Christiani in mehreren seiner Bücher: „Machen Sie das, was Ihnen am meisten Spaß macht!“

Birgit Lutzer, Lutzertrain, stellt in ihrem Artikel in business-wissen.de zwei Trainer als gelungene Beispiele vor: Ralf Kruckemeyer und Zamyat M. Klein.

Mit Methode zur Idee, seminar:magazin März 2007

Einen Beitrag über Kreativität und ein Interview mit verschiedenen Kreativitätsexperten, u.a. Zamyat M. Klein, können Sie in der Ausgabe seminar:magazin, März 2007  auf S. 8-10 lesen.

Empfehlung: Marketing für Trainer

Monika Birkner schreibt in ihrem Weblog über einen Artikel, den Zamyat M. Klein über "Marketing für Trainer" veröffentlicht hat.

Lesen Sie den Beitrag hier.

Lieblingszitat: Zeit und Work-Life-Balance

“Niemand bedauert auf dem Sterbebett, dass er nicht mehr Zeit
im Büro verbracht hat.”

(Stephen R. Covey)

Hatten Sie auch gedacht, dass Zeitmanagement vor allem dazu da ist, effizienter und damit effektiver im Beruf zu sein? Der Arbeitslast Herr und noch ein kleines bisschen erfolgreicher zu werden?

Guter Punkt - aber nur die halbe Wahrheit.

Wofür wollen wir Zeit gewinnen - wenn nicht, um zu leben? Um unseren Wünschen und Träumen nachzugehen, unsere Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen?

Unsere Kursleiterin Zamyat M. Klein drückt es folgendermaßen aus:

“Ich finde es schade, dass viele Menschen erst über Work-Life-Balance nachdenken, wenn die ersten heftigen somatischen Beschwerden auftreten.

Es hat auch etwas mit Selbstwert zu tun, ob man sich auch schon vor einem Schicksalsschlag genügend Zeit und Raum gibt, ein ausgewogenes und erfülltes Leben zu führen.

Wenn man immer das Gefühl hat, nicht genug Zeit zu haben, die anstehende Arbeit nicht zu schaffen - wie soll da ein zufriedenes oder gar glückliches Gefühl aufkommen?

Bei vielen Zeitmanagement- Systemen steht im Vordergrund, wie man seine Arbeit effektiver und sinnvoller organisiert und managed.

Aber wofür will man Zeit gewinnen? Und was ist denn das Wesentliche, das Wertvollste des eigenen Lebens?

Für die wenigsten Menschen ist dies die Arbeit, und selbst wenn diese erfüllend und der Beruf die Berufung ist - es gibt noch andere Bereiche des Lebens, die wert-geschätzt werden sollten und vor allem gelebt werden wollen.

So geht es also nicht nur um anderes Zeitmanagement, sondern um eine neue Bewertung dessen, womit ich meine Zeit verbringe und verbringen möchte.”

05.11.2006 Heike Thormann  

 

Interview: Online- Workshops kreativ gestalten

InterviewsExperten-Interviews

Experteninterview Zamyat M. Klein - Online-Workshops kreativ gestalten

eLearning ist auf dem Vormarsch. Die Vorteile von Online-Kursen sprechen für sich. eLearning ist aber auch für viele noch eine unbekannte Größe. Sowohl für Teilnehmer als auch für Trainer. Zamyat M. Klein ist Expertin für kreative Seminarmethoden - und hat den Sprung gewagt. Sie unterstützt nicht nur Präsenztrainer, sondern jetzt auch Online-Kursleiter dabei, ihre Kurse lebendiger und kreativer zu gestalten.

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Frau Klein, Ihr Vorname Zamyat klingt orientalisch. Er ruft Bilder von Farben, Märchen und Wundern hervor – jedenfalls bei mir. Ich bin neugierig: Woher stammt der Name?

Zamyat ist ein altpersischer Name – und ich trage ihn „erst“ seit 24 Jahren. Ich habe ihn von meinem Meditationslehrer bekommen – und da er mir sofort sehr gut gefallen hat, habe ich ihn auch in mein Berufsleben übernommen.

Schon in meiner Kindheit habe ich eine Sehnsucht nach dem Orient und der Wüste verspürt – wahrscheinlich durch verschiedene Bücher angeregt. Dieser Sehnsucht bin ich dann auch später gefolgt: So habe ich zum Beispiel siebenmal eine Meditationsgruppe in der Sahara geleitet.

Ansonsten bin ich gebürtige Kölnerin – und Köln war immer schon ein interkulturelles Pflaster.

Und natürlich ist es für eine freiberufliche Trainerin und Autorin auch sehr praktisch, einen „exotischen“ Namen zu haben. Er fällt auf und bleibt im Gedächtnis.

Sie sind Expertin für kreative Seminarmethoden und geben Ihr Wissen jetzt erstmals auch im Internet und an die Bedürfnisse von Online-Trainern angepasst weiter. Wo liegen für Sie die Unterschiede zwischen Präsenz- und Online-Seminaren, wo die Vor- und Nachteile?

Als Trainerin, die mit ganzheitlichen Methoden wie der Suggestopädie arbeitet, war das eine große Herausforderung. Ich hätte auch nie von mir gedacht, dass mich das überhaupt interessiert. Denn meine Seminare leben gerade von teilnehmeraktivierenden Übungen und sogenannten Energieaufbauübungen für zwischendurch. Das sind Spiele, Tänze und Bewegungsübungen, damit die Teilnehmer wach und konzentriert arbeiten können.

Aber wie soll das online, also im Internet gehen? Außerdem fehlt online der persönliche Kontakt, die Ausstrahlung.

Bis ich dann als Teilnehmerin an einem Online-Workshop der workshopwelt teilgenommen habe und total begeistert war. Es fand ein sehr reger Austausch zwischen den Teilnehmern statt, die die Beiträge der Trainerin ideal ergänzten. So kam ich auf die Idee, hier ebenfalls Seminare anzubieten.

Gleichzeitig empfand ich es als Herausforderung, meine ganzheitlichen Seminarelemente auch online umzusetzen. Ich habe gerade meinen zweiten Online-Workshop hinter mir und stelle fest, dass einfach ganz andere Dinge erforderlich (und möglich) sind als in Präsenzseminaren.

Dabei haben Online-Kurse einige ganz entscheidende Vorteile:

·                                 So ist es gerade bei meinem Thema „Kreative Seminarmethoden“ sehr hilfreich, dass in einem Online-Workshop jeder Teilnehmer an seinem eigenen Seminarthema oder -konzept arbeiten kann. Ich kann als Trainerin hier viel individueller auf jeden Teilnehmer eingehen als in einem Präsenzseminar. Dort erarbeiten wir zwar die verschiedenen Methoden gemeinsam, die Übertragung auf ihr eigenes Thema müssen die Teilnehmer aber größtenteils allein oder in Arbeitsgruppen bewältigen.

·                                 In einem Online-Kurs bekommen die Teilnehmer den Stoff nicht kompakt in wenigen Tagen wie bei einem Präsenzseminar vermittelt, sondern können teilweise über Wochen hin an Lernstoff und Methoden arbeiten. Sie haben also zum Beispiel die Möglichkeit, Lerninhalte in der Praxis gleich auszuprobieren – und dann noch einmal mein Feedback dazu einzuholen.

·                                 Und es ist auch von Vorteil, dass jeder in seinem Rhythmus und zu beliebiger Tageszeit arbeiten kann. Die einen arbeiten lieber nachts, andere wie ich frühmorgens. Man kann von zu Hause aus arbeiten, die Kurse in seinen Alltag integrieren und dadurch auch Zeit und Kosten für Anfahrt oder Übernachtung sparen.

Aber es gibt auch den einen oder anderen Nachteil:

·                                 Viele Teilnehmer unterschätzen offensichtlich die Arbeit, die ein Kurs macht. Es steht zwar in jeder Ausschreibung, wird aber nicht wahr- oder ernst genommen. Es gehört Disziplin und Motivation dazu, sich täglich die erforderliche Zeit dafür frei zu halten. Hier kann ein Trainer nur bedingt unterstützend eingreifen.

·                                 Und ich kann in einem Online-Workshop natürlich auch nicht mit meinen Teilnehmern tanzen oder Bewegungsspiele machen. Ich baue zwar auch hier spielerische Elemente ein, kann diese aber nur über die Sprache ausdrücken. Das ist etwas, was sich ein Online-Trainer überlegen muss: Wie er trotz der Einschränkung auf das Medium Sprache die verschiedenen Lerntypen bedienen, mit welchen Mitteln er sie erreichen kann.

Welche Möglichkeiten habe ich als Online-Trainer denn, die verschiedenen Lerntypen anzusprechen?

Das ist nur eingeschränkt möglich.

Die visuellen Lerntypen kann ich am besten bedienen: mit schön gestalteten, ästhetischen ansprechenden Lernunterlagen und vor allem mit Bildern.

Die auditiven Lerntypen lernen vor allem durch selbst sprechen und sich mit anderen austauschen. Das geht online nur über Schrift. Zudem ist es schwierig, das zur selben Zeit zu tun. Der Chat wäre hier eine Möglichkeit.

Die kinästhetischen Lerntypen brauchen vor allem Bewegung, um Informationen aufnehmen und verarbeiten zu können. Da sind schon Klimmzüge notwendig, um das in einen Online-Workshop einzubauen. Ich habe beispielsweise tägliche „Yoga-Übungen am PC“ mit Fotos oder Zeichnungen eingestellt und den Indianer-Tanz auf meinen Anrufbeantworter gesungen, damit die Teilnehmer neben Text, Noten und Tanzbeschreibung auch die Melodie lernen können.

Für Kinästheten ist aber auch Spaß sehr wichtig, positive Gefühle zum Geschehen und eine gute Beziehung zum Trainer. Das lässt sich alles problemlos auch in Online-Workshops machen. Ich nehme da gern tägliche Zitate, die mal nachdenklich stimmen, mal witzig sind. Dazu sogenannte Denk- und Fühlgeschichten und viele Spiele, die die Teilnehmer teilweise auch gemeinsam durchführen.

Hier ist die Kreativität des Online-Trainers gefragt. Kreativität ist ja kein Luxusthema oder etwas für die Bastelecke. Bei der Kreativität geht es darum, neue Wege zu finden und zu beschreiten, Probleme auf ganz andere Art zu lösen. Eben auch die Frage, wie ich meine Teilnehmer besser anspreche und erreiche.

Das Wunderbare an den Kreativitätstechniken ist nicht nur, dass sie wirklich in jedem Kreativität hervorlocken können und zu einer Fülle von neuen Ideen führen, sondern dass sie zudem den Teilnehmern großen Spaß machen – und den Transfer in die Praxis erleichtern.

Und wie könnte ein Online-Seminar diesen berühmt-berüchtigten Praxistransfer unterstützen?

Der Transfer eines Seminars in die Praxis ist natürlich das Wichtigste. Wenn die Teilnehmer das Gelernte später nicht anwenden können, hatten sie vielleicht eine schöne Zeit, aber ansonsten waren der Workshop oder das Seminar umsonst.

Den Transfer bereite ich immer am Ende eines Seminares vor. Auch bei Präsenzseminaren lasse ich das schriftlich machen, denn sonst bleibt es bei vagen Vorsätzen.

Dazu gibt es verschiedene Methoden: beispielsweise ein Arbeitsblatt, in dem jeder seine ersten Schritte zur Umsetzung notiert. Das sollte ganz konkret festgehalten werden: wann mache ich was mit wem usw.

Für eine zusätzliche Unterstützung ist es auch hilfreich, sich einen Partner zu suchen. Mit diesem tausche ich Vorhaben und Telefonnummer oder E-Mail Adresse aus und vereinbare, uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten.

Noch wichtiger ist der Schritt vorher: mir zu überlegen, was mich daran hindern könnte, mein Vorhaben umzusetzen.

Dafür gibt es beispielsweise die wunderbare Übung „Stolpersteine zu Steigbügeln umwandeln“: Jeder notiert sich die Hindernisse oder Schwierigkeiten, die er bei der Umsetzung befürchtet. Die können in einem selbst liegen (ich trau mich nicht, habe keine Zeit usw.) oder auch in äußeren Umständen (die Kollegen machen nicht mit, die Räume sind ungeeignet).

In einem Online-Workshop nehme ich dazu die P.E.P. – Pyramide und lasse die Teilnehmer die ersten Schritte und Vorhaben in die Pyramide eintragen. Links davon kommen dann die zu befürchtenden Hindernisse, rechts davon die Lösungsstrategien.

Allein durch die Tatsache, dass man diese Dinge überhaupt aufschreibt, fallen einem schon Lösungen ein. Ich habe es oft erlebt, dass ich mir nach ein oder zwei Wochen die Pyramide angesehen und festgestellt habe: ach, das habe ich alles gemacht!

Haben Sie zum Schluss noch ein, zwei Tipps für uns, wie man Online-Kurse generell lebendiger und nachhaltiger gestalten kann?

Das A und O scheint mir zu sein, dass sich die Teilnehmer rege beteiligen, dass sie nicht nur ihre eigenen Aufgaben einstellen, sondern auch untereinander kommunizieren. Sei es bei einem Small - Talk in der „Cafeteria“ oder auch mit Kommentaren zu den Beiträgen der anderen. Denn auch wenn sie nicht vom Fach sind, haben sie oft gute Ideen und einen anderen Blickwinkel.

Wie man die Teilnehmer dazu ermutigen kann, ist von Kurs zu Kurs verschieden.

Auf jeden Fall sollten Möglichkeiten zum Austausch und zum kreativen Spielen neben den eigentlichen Lektionen geboten werden. Auch Teilnehmer, die kaum Zeit für ihren Lernstoff haben, beteiligen sich hier immer gern. So etwas lässt sich schnell mal zwischendurch machen – und heitert den Arbeitsalltag etwas auf.

+++

Zamyat M. Klein ist Trainerin für kreative Seminarmethoden wie auch für kreatives Zeit- und Selbstmanagement und hat diverse Bücher dazu veröffentlicht. Sie führt seit Jahren erfolgreich Präsenzseminare zu diesen Themen durch und bietet jetzt auch bei uns entsprechende Online-Workshops an.

Interviewer: Heike Thormann

28.09.2006

 

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Juli 2010 erschienen