3-D- Flipchart

So wie manchmal große Erfindungen aus einem Irrtum oder Fehler heraus entstanden sind, so habe ich das Drei-D-Flipchart aus der Not heraus kreiert.
Zu Beginn eines Seminars hänge ich immer ein Willkommens- Flipchart auf. Darauf steht Herzlich Willkommen zum Seminar ... (Thema) ... und dazu klebe ich ein großes Bild in die Mitte, meist eine Landschaft.
Nun stellte ich fest, dass ich das Bild vergessen hatte - und nur so ein kahles Flipchart mit Text gefiel mir nicht.
So griff ich in meinen Methoden- und Materialienkoffer und klebte irgendwelche Gegenstände auf das Flipchart: eine dicke rote Kordel, einen kleinen Bilderrahmen mit einem Aquarell, eine goldene Paillettenkette, einen bunten Topfkratzer.
(Sie merken an der Aufzählung, dass es völlig beliebig ist, was Sie darauf kleben!)
Befestigt habe ich die Gegenstände mit den immer wieder praktischen Tesakrepp-Röllchen, mit denen ich auch Poster an der Wand befestige.
Inzwischen macht es mir großen Spaß, gezielt passende Gegenstände auszusuchen, die ich zum Seminarthema assoziiere - was nicht bedeutet, dass die Teilnehmer diese Assoziationen nachvollziehen können.
Aber es hat einen Verblüffungseffekt und sorgt für Aufmerksamkeit und Neugierde.
Seminarpläne
Zu Beginn eines Seminars stelle ich auch immer eine Übersicht über die Seminarplanung vor, eventuell im Vergleich zu den Teilnehmererwartungen, wenn diese vorher abgefragt wurden.
Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Formen der Seminarpläne entwickelt und eingesetzt. Es gibt immer eine aktuelle Lieblingsform, die dann irgendwann wieder von einer anderen abgelöst wird.
Mind Map Tagesplan

Zurzeit ist meine favorisierte Form ein Mind Map für jeden Seminartag.
In der Mitte steht der Wochentag, die Hauptpunkte sind die Oberthemen, davon ab verzweigen sich die konkreten Methoden und Übungen.
Die Ober- und Unteräste können in verschiedenen Formen dargestellt werden: als Wolken, Ovale, Rechtecke. Die Schwerpunkte können mit unterschiedlich farbigen Filzstiften kenntlich gemacht werden oder mit Stockmar - Wachsmalblöcken markiert werden.
Dazu können Bildchen gemalt oder geklebt werden.
Karawane, Weg oder Fluss

- Das Seminar als Forschungskarawane
Man kann das Seminar auch als einen Weg oder Fluss darstellen und auf Wegweisern oder Fischen die einzelnen Stationen beschreiben. Ich habe eine Wüstenlandschaft gemalt und Kamele darauf geklebt, die beschriftete Post-it als Lasten tragen. Darauf stehen die Seminarthemen und -methoden.
Wandzeitung

Einzelne Seminarschwerpunkte stehen als Stichwort auf einem Zeichenblock - Bogen, dazu klebe ich ein passendes Bild (Foto oder aus Illustrierten) oder male eins.
Die einzelnen Bögen werden mit Tesafilm aneinander geklebt, so dass sie leicht wieder in eine andere Reihenfolge zu bringen sind.
Dieser Plan ist nicht so detailliert und genau, er zeigt nur grob die Schwerpunkte des Tages an. Bei einem Wochenseminar kann er aber als Überblick hängen und ist ein schöner Blickfang, wenn er entsprechend gestaltet ist.
Pinwand
Sie können auch einen Wochenplan auf Packpapier schreiben in entsprechenden Spalten (wie ein Stundenplan).
Lernlandschaft

Zur Methode
Lernlandschaften gehören zurzeit zu meinen Favoriten – Methoden, die ich durch die Suggestopädie kennen gelernt habe.
Ich setze sie ein bei Vorträgen und in Seminaren, zur Einführung in ein Thema, manchmal auch zur Wiederholung (bei zweiteiligen Seminaren).
Mit der Methode können auf eine kreative sinnliche und anschauliche Weise Informationen vermittelt werden.
Material
Bunte Moderationskarten mit Stichworten und dazu passende (auffällige, witzige, merk-würdige) Gegenstände.
Tipp
Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie eine Sammlung von Gegenständen haben, wenn Sie erst einmal damit anfangen und diesen speziellen "Lernlandschaften -Suchblick" haben. Sie brauchen nur durch Ihre Wohnung zu gehen, in den Keller oder auf den Dachboden. Unliebsame Geschenke, veraltetes Spielzeug - alles findet so noch einmal einen sinnvollen Nutzen. Ramschläden wie Urban, Nanu Nana und ähnliche sind eine Fundgrube für solche Methoden.
Verlauf
Die Teilnehmer sitzen in einem Stuhlhalbkreis und während Ihres Vortrags bauen Sie nach und nach eine Lernlandschaft auf. Entweder in der Mitte auf dem Boden oder vorne wie auf einer Art Bühne - wie es gerade sinnvoll ist. Sie können auch eine Kordel spannen und daran Schilder und Bilder hängen.
Zu den wichtigsten Schwerpunkten und Inhalten legen Sie jeweils etwas auf den Boden: Stichworte auf bunten Karton geschrieben und Gegenstände, die diesen Begriff illustrieren. Diese können ungewöhnlich oder witzig sein, damit Sie Neugier und Interesse auslösen. Außergewöhnliches bleibt auch besser im Gedächtnis haften.
Um die Teilnehmer mit einzubeziehen, können Sie zum Beispiel vorher Karten an die Teilnehmer verteilen. Auf der Vorderseite steht ein Stichwort. Wenn das in Ihrem Vortrag erwähnt wird, ist es Aufgabe des entsprechenden Teilnehmers die Rückseite vorzulesen.
Sie können auch Gegenstände an die Teilnehmer verteilen mit der Aufgabe, sie richtig zuzuordnen.
Natürlich können Sie die Teilnehmer auch sonst auffordern, etwas zu dem Vortrag beizutragen.
Variante
Wenn es aus Platzgründen nicht möglich ist, eine Lernlandschaft auf dem Boden aufzubauen, weil Sie zum Beispiel an einem unverrückbaren Konferenztisch sitzen müssen, können Sie auch eine kleinere Variante auf einem Tisch aufbauen.
Zur Wiederholung
Bei einem zweiteiligen Seminar habe ich die Lernlandschaft als Wiederholung und Anknüpfung an den ersten Teil eingesetzt.
Dazu habe ich nur nach und nach die Gegenstände hingelegt und die Teilnehmer mussten sich erinnern oder raten, welche Methode oder welcher Inhalt damit gemeint ist.
Eventuell werden dann noch mal einige erklärende Worte dazu gesagt, damit sich alle erinnern können.
7 Tipps zur Visualisierung
1. Geben Sie Ihren Teilnehmern Arbeitsblätter oder Seminarunterlagen in die Hand, bevor Sie das entsprechende Thema am Flipchart oder mit per Power Point erläutern.
Begründung:
- Visuelle Lerner brauchen das Blatt in der Hand, um Ihnen folgen zu können. Sie können dann gleich ergänzende Notizen in ihr Skript schreiben.
- Kinästhetische Lerner lernen auch nicht gut auf Entfernung, sie haben gerne Papier in der Hand.
2. Visualisieren Sie so viel und so oft wie möglich (jedenfalls öfter als Sie denken, dass es nötig wäre!).
Beispiele:
- Überblick über den Seminartag
- Überblick über ein komplexes Thema
- Einstieg in eine Thema
- usw.
Und auch: Arbeitsaufträge und Anweisungen für Arbeitsgruppen.
Die Teilnehmer werden Sie sonst noch fünf mal fragen, was sie genau machen sollen – oder, was schlimmer ist – sie missverstehen den Auftrag oder vergessen einen Teil. Wenn sich das erst nach Beendigung der Arbeitsgruppen herausstellt, ist der Frust groß.
Eine Beobachtung ist: Sie haben ein Thema vorgestellt, einen bestimmten Input gegeben und nun sollen die Teilnehmer in Arbeitsgruppen gehen. Sie entspannen sich, fangen an, mit ihren Nachbarn zu sprechen und bekommen in der Regel nicht genau mit, was sie nun tun sollen. Sie denken, ach jemand anders aus der Gruppe wird es schon mitbekommen haben...
Oder: in der Tat haben andere aus der Gruppe etwas mitbekommen, aber nicht unbedingt das Gleiche. Es entzündet sich erst einmal eine langwierige Diskussion, was nun eigentlich gemacht werden soll. Diese Zeit kann sinnvoller genutzt werden durch klare Aufgabenstellung, sprich: Visualisierung.
3. Wenn Sie etwas auf Flipcharts, Tafeln oder Pinwände schreiben, sollte es
- Groß genug sein
- Leserlich sein (Moderationsschrift)
Dieser Punkt sollte eigentlich selbstverständlich sein, schließlich visualisieren Sie ja, um etwas zu veranschaulichen, und nicht, weil Sie es als Geheimnis bewahren wollen (= Geheimschrift). Dafür ist aber eine Grundvoraussetzung, dass die Teilnehmer es auch lesen können.
Doch in vielen Seminaren (mit ansonsten guten Trainern) habe ich leider oft erlebt, dass sie ein völlig liebloses Geschmiere aufs Flipchart bringen.
- ästhetisch und „schön“ sein
Begründung:
- wenn Sie schön schreiben, drücken Sie damit auch eine Wertschätzung Ihren Teilnehmer gegenüber aus
- es regt die rechte Gehirnhälfte an
- die Teilnehmer schauen gerne hin
- es erhöht die Aufmerksamkeit und Konzentration
- es prägt sich besser ein
4. Bringen Sie unterschiedliche Farben und Formen ins (visuelle) Spiel
Auch wenn Sie bevorzugt auf einem Medium schreiben, zum Beispiel auf Flipchart oder an der Tafel, können Sie verschiedene Farben und Formen einsetzen. Das erhöht noch einmal die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit.
Beispiel:
- linear untereinander
- als Mind Map mit
- Ästen
- Ovalen
- Wolken
- Tabellen und Schemata
- Bilder, Grafiken
- ergänzen Sie selber...
Tipp
Der absolute Geheimtipp sind Stockmar Wachsmalblöcke, mit denen Sie Ihre (möglichst schwarze) Schrift auf dem Flipchart wie mit einem Textmarker farblich hervorheben können.
Sie können damit auch die Flächen schnell einfärben, einen Rahmen gestalten und vieles mehr.
Lesen Sie dazu das Buch von Axel Rachow: "Sichtbar", managerSeminare 2006. Dort finden Sie eine Fülle von Anregungen zur kreativen Visualisierung.
5. Wenn Sie etwas ans Flipchart schreiben und erläutern wollen
- erst schreiben
- dann sprechen
Vor allem visuelle Lerner müssen Ihren Mund beim Sprechen sehen, sonst können sie
Ihnen nicht folgen. Aber es ist auch grundsätzlich nicht schön, mit dem Rücken zu den Teilnehmer zu sprechen und zu agieren.
Wie wir von der Moderationstechnik lernen: seitlich stellen mit der Brust zum Publikum und mit einer Hand auf das weisen, worüber Sie gerade sprechen.
6. Befestigung von Postern und Plakaten
Wenn Sie (suggestopädische) Lernposter oder Randstimuli in einem Seminarraum aufhängen, gibt es verschiedene Möglichkeiten und mitunter auch Schwierigkeiten.
Ideal:
Sie haben ausreichend Pinwände zur Verfügung und können dort Ihre Plakate mit Pinnadeln befestigen. Das macht zwar Löcher in die Ecken, sieht aber kein Mensch von zwei Meter Entfernung (und wenn auch…).
Schwieriger, aber möglich:
Sie haben nicht genügend Pinwände, aber Holzwände oder glatte Wände. Dann können Sie die Poster mit Tesakrepp- Röllchen ankleben. Dazu noch zwei Details:
- damit die Poster beim Entfernen nicht kaputt gehen, kleben Sie auf die Rückseiten in die vier Ecken einen Streifen Tesafilm. Darauf kleben Sie dann die Tesakrepp- Röllchen.
- Dazu reißen Sie ein Stück Tesakrepp ab und rollen es und kleben es auf das Poster und damit an die Wand.
Ziemlich schwierig, aber: es gibt immer eine Lösung:
Sie treffen auf angeraute gekalkte Wände, Ziegelsteine oder finden sich in einem Weinkeller mit dicken hubbeligen Steinquadern wieder (so erlebt auf einem Kongress in Erfurt). Dann heißt es erstens die Nerven behalten und zweitens einen Griff in den vielbestückten Trainer-Koffer tun und eine Wäscheleine und Wäscheklammern hervorzaubern. (Statt Wäscheklammern hilft auch hier das unersetzliche Tesakrepp).
Wenn es dann noch schlimmer kommt (so erlebt in besagtem Weinkeller), dass es nichts gibt, woran Sie die Wäscheleine befestigen können und Sie auch gerade keinen Schlagbohrer, Dübel und Haken dabei haben, schieben Sie mit Hilfe Ihrer Teilnehmer die riesigen Eichentische zur Seite (das ist schon die erste Aktivierung), hieven die kirchenstuhlähnlichen Stühle auf die Tische und befestigen daran die Leine. Und daran dann die Plakate.
7. Befestigen von Flipcharts
Da Flipcharts nicht so schwer sind, wie die Plakatkartons, lassen sie sich leicht mit Tesakrepp- Röllchen an der Wand oder an einer Tür befestigen. Da sie aber beim Loslösen schnell kaputt gehen, kleben Sie vorher auf die Rückseite Tesafilmstreifen, auf die Sie die Röllchen kleben.


