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Bunte Wände

Zimmerwände

Montags-Serie: Das Leben bunter machen


Meine Wände habe ich schon vor zwei Jahren sonnenblumen-gelb gestrichen (nein, streichen lassen), zum Teil mit  dunkelroten Absätzen.

Eine meiner Assoziationen dazu sind tibetische Tempel (die im Innern ja ungeheuer farbenfroh sind) und die  Kleidung tibetischer Mönche. Da ist es allerdings anders herum, da blitzt nur das Gelb unter den dunkelroten  Roben hervor.

Wenn die Sonne in mein Wohnzimmer scheint, dann leuchtet das dermaßen, dass es mir einen totalen Energieschub bringt. Ich kann dann regelrecht in Licht und Leuchten baden.

Der Sprung von Weiß zu Bunt

Vorher hatte ich mein Leben lang weiße Wände, weiße Rauhfasertapeten. Denn so kannte ich es aus meiner Familie.

Anders als die meisten meiner Freundinnen bin ich  als Kind nicht zwischen Gelsenkirchener Barock aufgewachsen, sondern in hellen modern eingerichteten Räumen. Meine Eltern haben schon in den frühen 60er Jahren Knoll-Sessel gekauft, an den Wänden hingen zuerst farbige Kunstdrucke, später dann Originale von einem befreundeten Künstler und von mir :-).
Viele Möbel und Regale hat mein Vater selbst gebaut (sogar die ersten Röhrenverstärker- er war Elektriker- aber das führt jetzt zu weit, obwohl das zauberhafte Geräte waren, die im Dunkeln leuchteten und auf die man manchmal feste hauen musste, wenn sie anfingen zu krachen).

Die Wände und viele Möbel waren weiß und ich dachte immer, dass dann so farbige Bilder am besten zur Geltung kommen.

Daher zögerte ich lange, das zu ändern.
Bis ich einmal in einer anderen Wohnung war, die bunte Wände hatte und ich merkte: Mensch, das gefällt mir total gut. Das hebt die Stimmung ungemein.

Passend dazu sah ich dann noch in einem Fernsehfilm eine Wohnung, in der jeder Raum eine andere Wandfarbe hatte und welchen tollen Effekt das hatte.

So fasste ich mir ein Herz und ging an die Planung. So toll wie ich auch bei anderen blaue oder rote oder sonstwas für Wände fand, für mich kam dann doch nur gelb in Frage.

Vor 30 Jahren hatte ich in einer Wohnung eine gelb gestrichene Küche übernommen. Maisgelb. Das hatte mir gut gefallen und lange hatte ich das beibehalten.
Daran erinnerte ich mich jetzt und machte mich auf die Suche nach dem passenden Gelb.

Lediglich für das Schlafzimmer nahm ich eine gedämpftere hellere Variante, weil ich meinte, das müsste so sein.
Im Wohnzimmer ließ ich den unteren Absatz dunkelrot streichen, immer noch die tibetischen Tempel in Erinnerung. Auch im Flur experimentierte ich mit den zwei Farben. Die Wände an der ersten Treppe rot und am Ende dann die Wand gelb, als würde man durch einen Tunnel zum Licht gehen.

Der Maler leicht irritiert, machte brav, was ich plante- und war selbst verblüfft über das Ergebnis.

Ich habe diese Verwandlung bis heute nicht bereut. Ich freue mich jeden Tag an den freundlichen Wänden, auch gerade an dunklen grauen Tagen, die wir in der Kölner Region ja leider oft haben.

Bilder an bunten Wänden

Was ich dann ganz verblüffend fand. Nicht nur, dass die Bilder auch an den gelben Wänden noch gut zur Geltung kamen. Manche wirkten sogar noch besser.
Nach der Hausauflösung meiner Eltern erbte ich einige der bunten Bilder- und das eine schien geradezu Ton in Ton zu sein. Bisher hatte ich mich nicht übermäßig für sie erwärmt, fand sie einfach dekorativ, und habe sie eher aus Sentimentalität aufgehängt. Weil sie meinem Vater ja so viel bedeuteten. Und er in seinem Zimmer im Pflegeheim nur noch einige der Bilder aufhängen kann.
Aber nun stellte ich fest, dass es mir total gut gefiel.

Die Farbe noch weiter getragen

Das ist noch eine Anekdote, die hier hinpasst.

Meine Eltern hatten ein sehr großes Bild im Wohnzimmer, das in keiner unserer Wohnungen passte. Wohin damit?
Da kam ich bei einem Besuch im Pflegeheim auf die Idee, die Heimleiterin zu fragen. Denn sie hatten in den Fluren bunte Kunstdrucke hängen. Warum nicht auch Originale?

Und tatsächlich, sie war aufgeschlossen für "moderne Kunst". Vor allem kam sie auf die grandiose Idee, dieses riesige Bild in den Flur zu hängen, auf dem das Zimmer meines Vaters ist. Sozusagen auf die Rückseite, wo auf der anderen Seite sein Bett steht.

So sieht er es jedes Mal, wenn er mal sein Zimmer verlässt und mit meiner Schwester oder mir einen kleinen Spaziergang unternimmt oder mit seinem Rollator über den Flur schiebt. Vor allem das Bewusstsein, dass es nicht auf dem Müll ist, sondern ganz in seiner Nähe- das war wohl das Beste daran.

Welche Erfahrungen haben Sie mit bunten Wänden? Sie können entweder im Kommentar dazu schreiben oder mir einen Beitrag mit Fotos schicken, den ich dann hier einstelle.

 

Die bisherigen Beiträge der Serie: Das Leben bunter machen

1. Das Leben bunter machen

2. Nächtliche Begegnung auf der Parkbank

3. Vom Ursprung der Häkelmonster

4.Ansteckender Farb- und Malvirus

 

2 Antworten “Bunte Wände”

  1. Katja schrieb:

    Wir haben vor gut zwei Jahren die Giebelwand im Büro, auf die ich von meinem Schreibtisch aus blicke, in einem kräftigen Grasgrün gestrichen. Das gibt mir ein bisschen das Gefühl, in der Natur zu sitzen, gleichzeitig beruhigend und belebend. Und obwohl das so ein kräftiger Ton ist, habe ich mich noch immer nicht daran sattgesehen.

  2. Zamyat M. Klein schrieb:

    Ja, das klingt auch sehr schön! Es gibt ja wirklich schöne saftige Grüns, im Aquarellkasten heißt es glaube ich "Maigrün", das ich auch total gerne mag. Und eben Natur-Gefühle aufkommen lässt und gleichzeitig sonnig ist.

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