Transfer-Übungen am Ende eines Seminars
Das ist wohl die Variante, die die meisten Trainer (hoffentlich) schon einsetzen. Der letzte Tag ist angebrochen und am Ende des Seminars gibt es dann noch eine Übung zum Transfer.
Diese wird auch oft damit verbunden, dass sich die Teilnehmer noch einmal bewusst machen, was sie alles im Seminar gelernt, erkannt und erarbeitet haben.
Und sich dann beispielsweise ein oder zwei Vorhaben auswählen, mit deren Umsetzung sie beginnen möchten.
Dazu gibt es auch einige grundsätzliche Regeln und Tipps, damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt.
- Nur ein (bis drei) Vorhaben auswählen.
Wer sich zu viel vornimmt, programmiert das Scheitern schon vor.
Denn auch wenn Teilnehmer am Ende begeistert, hoch motiviert und voller Elan nach Hause fahren, reicht das nicht immer aus. Der Alltag hat sie schnell wieder.
Daher ist es Erfolgsversprechender mit einer konkreten überschaubaren Sache anzufangen.
Wenn das dann umgesetzt wurde, kann man sich das nächste Vorhaben vornehmen, schon beflügelt durch den ersten Erfolg.
Wer sich hingegen zu viel vorgenommen hat, gibt schneller auf, weil er denkt, dass er das angesichts der Alltagsrealität doch nicht schafft.
- Mit dem einfachsten Schritt beginnen
Auch das ist ein Trick aus der Motivationsforschung. Wenn ich mit dem ersten Schritt Erfolg habe, gibt mir das die Power für den nächsten Schritt.
Es fällt mir eben auch leicht- und nimmt nicht gleich den Schwung.
Danach kann ich mich gestärkt an den nächsten Schritt machen.
Es gibt natürlich auch Vorhaben, die eine zeitliche und logische Reihenfolge haben, dann muss ich diese berücksichtigen.
- Das Vorhaben schriftlich festhalten
Durch das Aufschreiben bekommt mein Vorhaben eine andere Verbindlichkeit. Ich kann es mir über den Schreibtisch hängen.
Mir persönlich kommen auch beim Schreiben oft noch Ideen- oder ich merke, wo vielleicht noch etwas unklar ist oder etwas fehlt.
Schreiben klärt also zusätzlich noch.
- Das Vorhaben terminieren
Dieser Punkt hängt auch mit Punkt 2 zusammen.
Viele Motivationstrainer schreiben, dass man innerhalb von 72 Stunden mit der Umsetzung eines Vorhabens beginnen soll, sonst verliert es sich im Strom des Vergessens.
Wenn ich mit dem leichtesten anfange, ist die Chance größer, dass ich es schnell anpacke.
Damit kein Missverständis entsteht:
Damit ist nicht gemeint, dass ich das Ziel innerhalb von 72 Stunden fix und fertig umsetzen muss. Sondern dass ich erste Schritte dafür tue. Und damit meinem Unbewussten signalisiere: Es ist mir ernst, ich will es wirklich tun!
- Das Vorhaben öffentlich verkündigen (sich verpflichten)
Das ist nun ein wunderbarer Trick, der bei mir schon früh gut funktioniert hat, als ich ihn noch ganz unbewusst einsetzte.
Dazu ein Schwank aus meinem Leben.
Zu meiner Zeit war man erst mit 21 Jahren volljährig. Ich lebte als drittes und jüngstes Kind noch bei meinen Eltern, als ich mein Studium begann. Und wollte um alles in der Welt in eine eigene Wohnung ziehen.
Meine Eltern befürchteten das Schlimmste, Ende der 60er Jahre, Kommunen und ähnliche schreckliche Dinge. Daher wollten sie mich freiwillig nicht ziehen lassen.
So musste ich also warten, bis ich 21. wurde. Und ich wusste, auch dann würde es ein riesiges Drama zu Hause geben. Gebrüll von meinem Vater, eine heulende Mutter und sicher auch von mir, mit graute einfach nur davor.
Und so habe ich damals den Trick angewandt und allen möglichen Freunden und Kommilitonen schon erzählt, dass ich zu Hause ausziehe. Das gab mir die nötige Rückenstärkung, dann auch vor meine Eltern zu treten und zu sagen: Ich ziehe nach meinem Geburtstag aus!
Was dann auch geschah- mit all den befürchteten Dramen. Aber ich konnte standhaft bleiben, weil ich mich ja nicht vor all den Menschen blamieren wollte, denen ich das schon großartig verkündet hatte.
Dieses Öffentlich machen muss aber nicht nur als „Druck“ verstanden werden.
Ich erlebe es eher als Unterstützung und Hilfe.
So gibt es im Seminar die Möglichkeit, sich einen Unterstützungs- Transfer- Partner zu wählen, mit dem man sein Vorhaben austauscht und einen Termin ausmacht, wann man miteinander telefoniert und von seinem ersten Erfolg berichtet.
Das kann auch bedeuten, sich Unterstützung zu holen, wenn es bei der Umsetzung irgendwo klemmt.
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Hierzu noch ein weiteres Beispiel aus meinem Leben.
Sie können sich ja auch Unterstützungspartner außerhalb von Seminaren organisieren.
Und hier stimme ich wieder mein regelmäßiges Loblied auf Twitter an J, das eine wunderbare Möglichkeit dazu bietet. Dort hatte ich eine Partnerin (die ich in meinem Leben noch nie gesehen habe), die mir half, regelmäßig meine Mittagspausen einzuhalten. Oder walken zu gehen.
Indem ich eben entweder selbst dort „protokollierte“: „Ich habs getan“. Oder sie mir einen aufmunternden Tweet schickte: „Nun aber raus in die Natur!“
Das half mir enorm, es war einfach ein bisschen verbindlicher, als wenn ich mir das nur so still vornehme. Und es machte mir immer gute Laune. Da sitzt ein Mensch, der sich um meine Gesundheit kümmert! Das fand und finde ich bis heute ganz reizend. Und sollte ich jemals nach Leipzig kommen, werde ich meine Unterstützerin ganz sicher in ihrem Antiquariat aufsuchen! (@handelundwandel)
Freitag, 20-01-12 11:44
Hallo Zamyat,
#was ich selbst schon mal (als Teilnehmerin) in einem Seminar erlebt habe, war: Wir mussten unsere Vorhaben (3 Stücke) auf einen Zettel schreiben, diese in einem Umschlag tun und hier unsere eigene private Adresse draufschreiben. Dann wurde der Umschlag bei der Trainerin abgegeben. Sie hat ihn uns dann nach einer gewissen Zeit per Post zugeschickt, sodass man noch mal "von sich selbst" erinnert wurde.
Finde ich eigentlich eine nette Idee ;-)
Leider ist es ja wirklich so, dass sich viel Elan im Alltag schnell wieder verliert.
Viele Grüße,
Leonie
Freitag, 20-01-12 11:47
Hallo Leonie,
ja, das ist auch eine schöne Methode.
Ich werde in den nächsten Beiträgen dazu auch noch weitere konkrete Methoden vorstellen.
Freitag, 20-01-12 12:38
Eine Idee aus meinem Sprachunterricht:
Am Ende des Kurses wird die Frage gestellt, was jeder nach dem Kurs privat / zu Hause zu kann, um seine Englischkenntnisse weiter zu trainieren. Wir sammeln Ideen (engl. DVDs gucken, Bücher lesen, Brieffreund suchen, engl. Radio hören u.v.m. - da gibt es jede Menge Ideen!). Jeder Teilneher sucht sich dann sechs Ideen davon aus und schreibt sie auf ein von mir vorbereitetes Blatt, so nach dem Motto "Meine 6 guten Vorsätze zum Englischlernen".
Dann reiche ich auf einem Tablett schön dekoriert Würfel herum, von denen sich jeder einen nehmen kann. Schöne, große Schaumstoffwürfel mit den Worten "one, two, three, four, five, six" rundherum (statt der Würfelaugen). Das ist immer ein toller Aha-Effekt!
Die Teilnehmer werden dann gebeten, mindestens 1-mal wöchentlich den Würfel zu werfen und das zu tun, was hinter ihrer gewürfelten Zahl steht.
z.B. "two" gewürfelt und hinter der 2 steht "mein engl. Lieblingslied hören, Text googlen, mitsingen und übersetzen".
Freitag, 20-01-12 12:50
Hallo Silke,
das finde ich auch eine tolle Idee, ist auch mal für mich neu :-).
Im ersten Moment dachte ich: oh, 6 Vorsätze sind aber viel!
Aber beim Weiterlesen hat sich das wieder relativiert, da sie ja immer nur eine Idee würfeln.
Klasse! Danke für dein Mit-Teilen!