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Die Wonnen der Freiberufenen

Es gibt immer wieder mal Zeiten, wo ich Festangestellte beneide. Sie müssen sich nicht ständig um ihre Aufträge bemühen, sie haben Sicherheit.

Sie können – theoretisch- um 17 Uhr das Büro verlassen und haben dann richtige Freizeit. Sie bekommen Rente.

Manchmal beneide ich sie sogar um den festen Rhythmus und das immer Gleiche. In gewissem Maße liebe ich nämlich auch Rituale und Gewohnheiten. Denn auch sie vermitteln Sicherheit und wohligen Gleichklang.

Gleichzeitig weiß ich aber genau, dass ich nicht der Typ dafür bin. 2 Jahre ABM bei der Stadt Köln haben mir vor vielen Jahren gezeigt, dass ich auf Dauer wahnsinnig würde bei all den Einschränkungen und Vorschriften und unsinnigen Regeln.

Ich hätte sicher auch nicht so viel Power, Ehrgeiz und Elan für meine Arbeit, wenn ich nicht „für mich“ arbeiten würde. Wozu immer neue Ideen entwickeln, wenn sie niemand haben will?

Ich liebe meine Unabhängigkeit. Weitgehend kann ich meinen Tagesablauf selbst gestalten. Ich kann so oft und so lange in Urlaub fahren wie ich will. Jederzeit mal einen Tag frei nehmen. Zumindest theoretisch.

Machen tun wir Freiberufler das viel zu selten, arbeiten stattdessen oft an Stunden mehr als Angestellte.

Doch hier habe ich in den letzten Jahren viel dazu gelernt, nicht zuletzt durch einige Burn-out Beispiele in meinem Bekanntenkreis.

Das Wichtigste ist mir aber, dass ich inhaltlich genau das mache, was ich gerne mache und was ich gut kann. Das hat zwar auch einige Jahre Arbeit gekostet, das herauszufinden und mich zu trauen- aber es hat funktioniert.

Doch aktuell wurden mir nun noch ganz andere Aspekte deutlich, die mir eindringlich vor Augen führten, was ich an meiner Freiberuflichkeit habe.

Kein täglicher Ärger mit Kollegen

Ich traf eine frühere Kollegin, die seit 25 Jahren angestellt ist. Sie erzählte mir von den täglichen kleinen und großen Kämpfen, kleinlichen Machtspielchen und Mobbing. Das erinnerte mich schlagartig an ähnliche Erlebnisse, die ich vor über 25 Jahren selbst kurz mitbekommen hatte.

Mir wurde bewusst, dass diese Art von Stress für mich viel unerträglicher wäre als den, den ich jetzt manchmal beklage. Viel Arbeit ist für mich ohnehin nicht per se Stress. Oft blühe ich dabei auf und habe Spaß und Erfolgserlebnisse.

Hin und wieder begegne ich natürlich auch doofen Menschen. Nach dem Seminar sind sie wieder aus meinem Leben verschwunden.

Ich muss mich nicht tage-, wochen- und jahrelang mit meckernden und intrigierenden Kollegen rumschlagen. Denn die kann ich mir aussuchen. Ob für Kooperationen, Zusammenarbeit oder Mitarbeit. Ich kann all das frei wählen.

 Keine täglichen Staus auf der Autobahn

Ein zweiter Erinnerungsflash:
ich hatte gerade zwei Tage Seminar in Köln beim Verlag DuMont Schauberg. Die reine Fahrtzeit von Lohmar nach Köln wären 30-40 Minuten. Nun fahre ich zwei Stunden früher los, denn die morgendlichen Staus Richtung Köln sind nicht einkalkulierbar.

Als ich noch angestellt war, habe ich das fast täglich erlebt. Jeden Tag 1 Stunde im Stau stehen, Blut und Wasser schwitzen, ob ich pünktlich komme und einen Parkplatz finde. Was das an Nerven und Zeit kostet!

Diese zwei Erlebnisse haben nun dazu beigetragen, mich wieder einmal bewusster über meine Freiheit und Selbstbestimmheit

2 Antworten “Die Wonnen der Freiberufenen”

  1. Marcus Koch schrieb:

    Liebe Zamyat,

    wie Recht Du hast. Ich stimme Dir unumwunden in den allermeisten Punkten zu.

    Einen guten Kompromiss habe ich gefunden: Über Jahre arbeite ich als Trainer in einer Bank ... so dass es sich so gefügt hat, dass ich mittlerweile dort mein eigenes kleines Büro habe (40. Stock über FFM), kann dort meine Materialien deponieren und habe am Morgen keine Schlepperei. Da ich dort Menschen zu Einzelsitzungen treffe, läßt sich das so alles gut organisieren.

    Allerdings finde ich schon, dass es den ein oder kleinen Nachteil im Freiberufenen-Dasein gibt. Mir zu aller erst: Wertvoller gedanklicher und auch materieller Austausch mit Kollegen. Im Wesentlichen sind wir doch alle Einzelkämpfer, mehr oder weniger konkurrent veranlagt, nicht immer willens, Karten offen darzulegen.
    Umso wichtiger sind mir Menschen, mit denen ich immer mal wieder telefonieren, mich austauschen, mich anregen lassen kann oder einfach nur zum "Asche Aushusten" (für Insider). Dieser Austausch ist anregend und für mich wichtig.
    Teilweise bietet mir das auch ein Verband wie die DGSL, in der ich Menschen treffen kann, die methodisch-didaktisch ähnlich ticken wie ich selbst.

    In diesem Sinne: Frohes Schaffen.
    Gruß,
    Marcus Koch

  2. Zamyat M. Klein schrieb:

    Hallo Marcus,

    prinzipiell hast du Recht (kollegialer Austausch), aber wenn ich dann die Mobbing- Beispiele höre, verzichte ich gerne darauf :-). Und in den letzten Jahren habe ich genau das über die Social Media wunderbar aufbauen können und über die Netzwerke wie DGSL etc.

    Von daher sehe ich da gar nicht mehr so einen Nachteil, sondern im Gegenteil: ich kann mir die Kollegen aussuchen, mit denen ich mich austausche und da nehme ich doch vorzugsweise solche, die mich unterstützen :-).

    Das Konkurrenzverhalten erlebe ich auch nicht so stark unter Trainern, vielleicht bin ich da blind oder naiv? Aber ich erlebe da sehr viel Austausch- gebe ja selber viel preis und raus, und bekomme aber auch jede Menge zurück.

    Erst heute hat mich eine Kollegin wieder weiterempfohlen, ich hoffe es wird was draus, dann kann ich das hier auch veröffentlichen.
    Oder mein Beispiel aus dem nächsten Post (Abgebrannt)- ich erlebe mehr die gegenseitig Unterstützung.

    Nur die sichere Rente oder die Altersteilzeit- die beneide ich bei manchen schon :-)

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