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Sprachliche Schönheit oder politische Korrektheit?

Neulich bekam ich eine Auseinandersetzung mit, bei der es um die korrekte Schreibweise ging. Bezogen auf die weiblichen und männlichen Leserinnen und Leser.

„So ein alter Hut!“, mögen manche von Ihnen denken. Zuerst habe ich auch nur milde gelächelt. Als ich dann aber mitbekam, dass der „Streit“ da immer weiter ging, habe ich mir auch noch mal meine Gedanken dazu gemacht.

Wie handhabe ich das denn eigentlich?

Denn auch ich habe in meiner Entwicklung die klassischen Phasen durchlaufen:

Auf meine linke politische Zeit folgte chronologisch eine sehr feministische Ära (und wie immer war ich da auch aktiv), nahtlos übergehend in die Psycho- und schließlich Eso-Szene. (Weniger salopp: Therapie und spiritueller Weg).

Meinem Verständnis nach war das eine logische Entwicklung, bei der es mir im Grunde immer um das Gleiche ging: etwas verändern und verbessern in dieser Welt, viel Idealismus und die Bereitschaft, daran mitzuwirken. Nur die Wege und die Ansatzpunkte haben sich etwas verändert. Erst hinaus in die Welt (andere agitieren), dann eigene Betroffenheit erkennen (als Frau), dann die komplette Nabelschau (die bösen Eltern!) und schließlich das Herz und die Seele öffnen für das Große Ganze. (Wobei meines Erachtes so mancher, der sich auf einem „spirituellen Weg“ wähnt, in der Ego-Phase der Therapie hängen geblieben ist und nach wie vor um sich kreist, nur mit „heiligen“ Worten verbrämt- aber das ist ein anderes Thema).

Ein Newsletter, ein Blogbeitrag, ein Buch oder was auch immer hat für mich die Funktion, seine Leserinnen und Leser

1. zu informieren und gleichzeitig

2. zu unterhalten!

Dabei spielt die Sprache eine große Rolle.

Für mich als leidenschaftliche Schreiberin von Büchern (in Bälde kommt das vierzehnte Buch heraus), Blogs und Twitter entwickle ich eine immer bewusstere Haltung zur Sprache und Schrift. Ich empfehle noch einmal von Ulla Hahn: “Das verborgene Wort“. Ein wunderbares Buch, das meine Liebe und Ehrfurcht auch vor der deutschen Sprache gesteigert hat.

Ein Newsletter soll mitreißen! Spaß machen! Bei Menschen Interesse wecken, weiter zu lesen, auf einen Link zu klicken, sich zu einem Seminar anzumelden, die Begeisterung für die Suggestopädie entzünden.

Das ist für mich das Entscheidende und Wichtige und die Funktion beispielsweise eines Newsletters.

So dröge Informationen und Auflistungen von Ereignissen und Fakten verschaffen keine Leser, da wir alle von einer Informationsflut überrollt werden. Da muss es schon herausstechen. Durch Sprache und durch Inhalt und durch Service.

So, nun zu den ...innen...

Ich weiß, dass Sprache mächtig ist, das sie bestehende politische Verhältnisse ausdrückt, dass man/ frau bewusst mit ihr umgehen sollte und muss.

Ich schreie selber innerlich und äußerlich auf, wenn sich eine Teilnehmerin im Seminar vorstellt und sagt: „Ich bin Trainer!“ oder „Ich bin Lehrer!“ (Das fiel mir vor allem in den Neuen Bundesländern auf, da scheint das sprachlicher Usus gewesen zu sein- meine Vermutung).

Ich bin Trainerin. Und Autorin. So steht es auch in meiner Vita.

Wenn ich dann aber ein Buch schreibe, einen Brief oder einen Newsletter, dann beginne ich vielleicht mit „Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer“, aber dann lass ich es auch gut sein.

Auch die oft in Vorworten eingeschobene Bemerkung: „Liebe Leserin, auch wenn wir um der Lesefreundlichkeit willen des weiteren die männliche Form benutzen, so sind Sie doch auch immer mit gemeint“ - erspare ich mir inzwischen, weil das auch ein wenig erbärmlich wirkt.

In meiner ersten Veröffentlichung habe ich TeilnehmerInnen oder Teilnehmer/innen geschrieben. Das ist ein Wort, bei dem das sprachlich zumindest noch korrekt ist.

Bei MitgliederInnen hört es da aber auch schon auf. Zumal bei diesem Wort speziell ja der alte feministische Witz mit hinein kommt der Mit-Glieder :-).

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an eine Mitgliederversammlung auf einem DGSL-Kongress, wo der Vorstand seinen Bericht in Form eines Sketchs darbot. Ich habe mich selten so amüsiert- DAS war für mich mal suggestopädische Arbeit in Reinkultur. Simone schnitt unverdrossen Kreise aus (Rundbrief :-) und Barbara warf auf ihre unnachahmliche trockene humorvolle Art an allen möglichen und vor allen unmöglichen Stellen immer wieder „..Innen“ ein. DAS fand ich klasse, so eine Selbstironie und so ein Humor!

Ein Versuch war, abwechselnd die männliche und die weibliche Form zu nutzen, also mal von Trainern, mal von Trainerinnen zu schreiben. Das sorgte für höchste Verwirrung.

Als ich einen Bericht über ein Seminar schrieb, an dem nur Frauen teilnahmen (Berufseinstieg), habe ich selbstverständlich nur von Teilnehmerinnen geschrieben.

Zurück zu den TeilnehmerInnen und Teilnehmer/innen. Selbst bei Worten, wo es Deutsch-Sprachlich korrekt ist, erlebe ich das beim Lesen immer wie Schluckauf. Wie eine Bremse, ein Stolpern.

Es macht flüssiges Lesen unmöglich.

Genussvolles Lesen erst Recht.

Da ich der Meinung bin, dass auch Fachbücher unterhaltsam sein dürfen und sollen, dass auch sie mit anregender Sprache brillieren können, verzichte ich seit langem auf diese Stolpersteine. Ich möchte meinen Leserinnen und Lesern Informationen und Genuss bieten- und sie nicht politisch agitieren.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Ich wünsche mir heftige Diskussion! :-)

4 Antworten “Sprachliche Schönheit oder politische Korrektheit?”

  1. Leonie Walter schrieb:

    Hallo Zamyat,
    ich stimme Dir in allen Punkte zu.
    Mich nerven Formulierungen mit dem gequälten "/Innen" sogar extrem! Als Frau legen ich überhaupt keinen Wert auf eine separate Ansprache, ich finde sie eigentlich auch nur "unschön", und letztlich wird doch dadurch nichts gewonnen, schon gar nicht für den Text, aber auch nicht für die "Gleichberechtigung" - da ziehe ich eine einheitliche Anrede auf jeden Fall vor.
    Vielen Dank für diesen Blogpost!

    Leonie

  2. Leonie Walter schrieb:

    Hupps, lauter Tippfehler oben - na, das kann ich normalerweise besser :-)

  3. Gitte Härter schrieb:

    Hallo Zamyat,

    ein Thema, das mir immer dann das Blut in Wallung bringt, wenn ich (alle paar Jahre in schöner Regelmäßigkeit) plötzlich von jemandem deswegen eine Rüge bekomme.

    Selbst geht es mir wie Leonie: Ich lege keinen Wert auf separate Ansprache. Und wenn ich bei Dir im Training wäre, würde ich mich auch als "Trainer" vorstellen. ;-)

    Dennoch habe ich mich vor einigen Jahren teilweise gebeugt: In Anreden schreibe ich öfter "Leserinnen und Leser", "Unternehmerinnen und Unternehmer", in Blogbeiträgen hänge ich oftmals ein In an ... aber ehrlich gesagt immer nur, weil ich weiß, dass es manchen Lesern einfach wichtig ist und da erspare ich mir dann lieber die eine oder andere Diskussion.

    Wo ich wirklich Zustände bekomme ist, wenn "man" durch "frau" ersetzt wird und ähnliche Kapriolen.

    Besonders unangenehm finde ich es übrigens, wenn ich in Diskussionen reingezogen werde oder regelrecht gerügt werde wie ein Schuljunge (

  4. Gitte Härter schrieb:

    ... huch, jetzt hat mir das Programm den Kommentar abgeschnitten, war wohl der Pfeil im "haha", also nochmal den Rest rekonstruieren:

    ... wenn ich gerügt werde wie ein Schuljunge (haha), weil ich mal wieder nicht die weibliche Form genutzt habe.

    Viele GrüßInnen
    Gitte

    PS: Vor zwanzig Jahren habe ich bei der Polizei in der Verwaltung gearbeitet. Dort gibt es als Pendant zum Amtmann übrigens die Amtmännin. Kein Scherz!

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