Schweigende Seminarsequenzen
Gibt es in Ihren Seminaren und Trainings auch schon mal Phasen, in denen Sie und die Teilnehmer schweigen?
Durch eine Diskussion in der XING- Gruppe "Suggestopädie" habe ich mir klar gemacht, wann und wo es in meinem Trainings auch "Schweige-Sequenzen" gibt. Auf den ersten Blick erscheint das vielleicht befremdlich. Seminare und Trainings leben ja von der Kommunikation miteinander, wenn man nicht gerade ein Meditationssemiar leitet.
Doch auch in "normalen" Trainings und Seminaren wird natürlich nicht ununterbrochen gesprochen. Aber werden bewusst Schweigephasen eingebaut? Wie sieht das bei Ihnen aus? Wie empfinden die Teilnehmer das?
Ich erinnere mich an meine allererste Schweigeerfahrung im Rahmen einer Therapie-Woche, wo wir zwei Tage im Stile des Zazen verbrachten- für mich damals eine ganz neue Erfahrung. Beim ersten Mal hatte ich vorher richtig Schiss davor. Erinnerungen aus früher Kindheit tauchten auf: "Meine Eltern sind böse mit mir und sprechen nicht mit mir!"
Doch diese Einstellung hat sich sehr gewandelt. Inzwischen erlebe ich Schweigen als etwas sehr Kostbares und Wunderbares, nicht zuletzt habe ich zahlreiche Schweigeretreats in der Natur gemacht (in den Bergen und in der Sahara).
Ich habe hier einmal Seminar-Situation gesammelt, in denen bewusst geschwiegen wird.
In suggestopädisch gestalteten Seminaren gibt es zumindest öfter Einheiten, die der Entspannung dienen. Sie sind nicht immer mit völligem Schweigen verbunden, sondern manchmal mit leiser Entspannungsmusik im Hintergrund. Diese zähle ich jetzt mal dazu.
0. In einem Zeitmanagement- Seminar - im Rahmen einer Lernlandschaft, die ich zu Beginn aufbaue, stelle ich unter anderem eine Sanduhr auf. Und bitte die Teilnehmer so lange zu schweigen und nichts zu tun, wie der Sand durchläuft.
Anschließend frage ich dann, wie sie diese Zeit erlebt haben und wie es ihnen dabei ging. So drei Minuten können ganz schön lang sein!
1. Centering - eine kleine Entspannungsübung zum Ankommen im Seminar (mit oder ohne Musik)
2. Yoga- Ich beginne den zweiten Seminartag immer mit leichten Yogaübungen im Stehen und auf Stühlen sitzend. Außer meinen kurzen Anleitungen ertönen weder Worte noch Musik.
3. Gruppen - Mind Map -Eine Kreativitätsübung, bei der Gruppen an Tischen sitzen und zu einem gemeinsamen Thema arbeiten. Jeder schreibt an einem Mind Map, das jeweils nach 5 Minuten an den nächsten weiter gereicht wird. Dabei wird nicht gesprochen.
4. Brainstorming for one - eine Kreativitätstechnik, bei der die TN ca. 1 Stunde Zeit haben und jeder sehr intensiv an seinem Thema arbeitet und oft in einen Flow-Zustand gerät. Alle bleiben im Raum, sitzen teilweise auf dem Boden, es wird nicht gesprochen.
Manchmal lasse ich leise Musik im Hintergrund laufen, wenn die TN das wünschen.
5. Walt Disney Strategie - ebenfalls eine Kreativitätstechnik, die man gemeinsam im Team oder alleine machen kann. Bei offenen Seminaren, wo jeder an seinem eigenen Thema arbeitet, läuft diese Übung auch schweigend, evtl. mit leiser Musik im Hintergrund (im Träumer- Bereich).
6. Entspannungsübungen und Phantasiereisen - hier spricht nur der Trainer, die Teilnehmer liegen entspannt auf dem Rücken.
7. Diverse Abschlussübungen
In der eingangs erwähnten XING-Gruppe zu Suggestopädie ging es um Abschlussübungen.
Die Kollegin dort hatte eine Übung vorgestellt, bei der sich jeder TN von jedem TN schweigend in einem bestimmten Ritual verabschiedet, eine sehr intensive Übung, die einiges von den TN fordert.
Daraufhin ergänzten wir noch weitere Abschlussübungen, die zumindest teilweise schweigend ablaufen.
Schöner Rücken - Jeder TN hat ein leeres Flipchart auf dem Rücken und die anderen schreiben etwas Nettes drauf oder bedanken sich für etwas.
Thron- Diese Übung, wo jeder zu jedem drei positive Eigenschaften aufschreibt und in einem feierlichen Ritual überreicht, habe ich hier schon beschrieben.
Sicher fallen Ihnen noch weitere Übungen ein. Vielleicht möchten Sie diese mit uns austauschen, hier im Kommentar oder in der XING - Gruppe?
Donnerstag, 24-06-10 15:31
mir fallen spontan ein:
- schweigend spazieren gehen mit der gesamten gruppen, anschließend austausch der erfahrungen, eindrücke
- schweigediskussion: im raum verteilt liegen mehrere große papiere (pinwandpapierbögen) mit themen / fragestellungen; teilnehmerInnen gehen schweigend rum und schreiben zum jeweiligen thema ihre gedanken/meinungen dazu; dabei kann bezug genommen auf vorherige statements usw.
- bewegungsübungen: ich nutze gerne auch schweigen bei solchen methoden wie "gruppenjonglage" oder "namensball", nach dem mehrere runden mit rufen und reden gelaufen sind, lasse ich den letzten durchlauf schweigend durchführen
- kooperationsübungen: auch hier können zahlreiche übungen/spiele/methoden schweigend durchgeführt werden; ich denke da z.b. an aufstellungs- und sortierübungen nach alter, betriebszugehörigkeit, anfangsbuchstabe name usw.; sei es im Raum, auf Stühlen oder auf einem Baumstamm
- überhaupt bieten sich viele wahrnemungsübungen auch schweigend an, wie z.b. "fotografieren": übung zu zweit, eine person ist die fotokamera und wird von partnerIn (fotografIn, die das motiv aussucht) schweigend und mit geschlossenen augen achtsam geführt; bleibt bei einem motiv stehen, fotografIn richtet die "kamera" auf das fotomotiv aus und tippt dann auf fotoauslöser (z.b. antippen am rücken); person öffnet daraufhin für einen moment die augen, nimmt motiv wahr und schließt dann die augen wieder; nach mehreren gemachten fotos wechseln die rollen
also, wenn man einmal anfängt so drüber nachzudenken...dann hören die ideen gar nicht mehr auf! :))
Freitag, 25-06-10 09:09
Liebe Frau Kwaschik,
herzlichen Dank für Ihre weiteren Ideen- das ist ja schön, was da alles zusammen kommmt.