Kapitel 4: Orte des Schreckens
Vom Abrissunternehmer zum Inneneinrichter
(Rezension, Teil Nr. 4, Jürgen Schulze-Seeger: Schwarzer Gürtel für Trainer)
Eins meiner Lieblingsthemen und für Suggestopäden das kleine Einmaleins: Die Gestaltung und Atmosphäre des Raums, in dem Trainings stattfinden.
Den dringenden Appell, frühzeitig anzureisen, kann ich nur unterstützen. Das heißt für mich am Vorabend oder sogar Nachmittag, wenn Hausmeister und Techniker noch erreichbar sind.
Da ich nie mit Beamer arbeite, habe ich noch nicht die Erfahrung mit dem immer verschwindenden Kabel und durchgeknallten Birnen gemacht. Wenn ich mit dem Auto kommen, habe ich immer meinen CD- Player dabei. Und hier widerspreche ich einmal dem Autor: ich meine nicht, dass es unbedingt ein 100 Watt Anlage sein muss. Für meine Zwecke reicht der CD- Player vollkommen.
Abrissunternehmer war ich auch schon oft.
Egal wie groß und fettgedruckt ich vorher schreibe oder am Telefon sage „Keine Leinwand, kein OHP“ (weil das alles nur Platz wegnimmt und für mich persönlich beliebte Stolperfallen darstellen), es steht und hängt jede Menge Krempel im Raum, den ich nicht brauche und der nur stört.
Röhrende Hirsche oder verblichene Plakate von der Wand, Strohblumen und Porzellanschmuckteller, Tischdecken und Rüschenvolant um den Trainertisch (den ich sowieso nicht brauche- warum sollte ich gleich so eine nette Barriere zwischen Teilnehmern und mir aufbauen?) – alles ab und weg! Aus dem Raum oder in einen Schrank.
Pinwände, die ständig zusammensinken, Flipcharts, die man mit 3 Händen festhalten muss. Nein, ich schreibe hier nicht wieder über die unsäglichen Varianten von Fehlkonstruktionen, die es einem Trainer unmöglich machen, schnell mal ein vorbereitetes Flipchart auf – oder abzuhängen. Schrauben, Metallklemmen, Haken, Ösen- für ungeduldige Kinästheten die schlimmste Herausforderung und Gefahrensquelle.
Weitere Abschnitte gibt es zu Give-aways, Bestuhlung, Herz-lich willkommen- Plakate (oh ertappt, ich habe auch oft Herzen gemalt und erfahre nun, dass sie Mega-Out sind!!), Pausenlandschaften und andere Anregungen.
Interessant, dass hier einige suggestopädische Rituale kritisch abempfohlen werden, wie der Blumenstrauß in der Mitte. Eine Anregung, über eingeschleifte Rituale einmal nachzudenken.
Düfte. Das ist in der Tat ein mächtiger Faktor. Nichts ist so sensibel (und auch mit Erinnerung verknüpft) wie unser (ältester) Geruchs-Sinn.
Ich persönlich mag Räucherstäbchen und weiß, dass andere sie hassen oder ihnen schlecht davon wird oder sie Atemnot bekommen. Aromaduftlampen – es gibt billige synthetische Düfte und solche Öle, denen heilende Wirkungen nachgesagt werden, entspannend oder anregend oder... Aber bin ich die Zauberhexe, die die Teilnehmer auf diese Weise manipuliert: nun seid mal alle entspannt? Eher nicht.
Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass ich gerade bei dem Kapitel wieder Tränen gelacht habe. Zu schön die Beschreibungen der Gruselbeispiele und aus tiefstem Herzen nachempfunden.
(Rezension, Teil Nr. 4, Jürgen Schulze-Seeger: Schwarzer Gürtel für Trainer)
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