Heute hier- morgen dort: Abenteuer mit der Bahn
Wenn ich eines an meinem Job hasse, dann ist es das Fahren zu den Trainings und Seminaren. Früher hatte ich eine totale Autophobie, die ist zum Glück nun besser. Aber im Winter, abends im Dunkeln und womöglich noch bei Regen, da sind mir weite Autofahrten immer noch zu stressig. Da sehe ich nichts, fahre blind wie ein Fisch, bete laut und wundere mich jedes Mal, wenn ich heile zu Hause ankomme.
Da ich noch länger leben will, fahre ich also bei weiten Strecken mit dem Zug.
Das zehrt aber mindestens so sehr an meinen Nerven, vor allem wenn ich umsteigen muss.
Seminare finden aber offensichtlich grundsätzlich an möglichst abgelegenen Orten statt, so dass ich fast immer umsteigen muss! Und da geht es los.
Von zehn Fahrten klappen vielleicht 4 reibungslos, die Züge kommen pünktlich und ich bekomme alle Anschlüsse. Doch bei dem Rest: zittern und zagen, ob ich noch den nächsten Zug bekomme, mit dem schweren Gepäck im Eilschritt zum nächsten Gleis hetzen, um dann die Rücklichter zu sehen....
Das krasseste Erlebnis ist schon einige Jahre her.
Ich war irgendwo in Norddeutschland und saß in einer kleinen Bimmelbahn in einem leeren Abteil. Der Zug hielt irgendwo auf der Strecke, was mir erst nicht so auffiel, da ich konzentriert in einem Buch las.
Gottlob kam ein anderer Fahrgast ins Abteil und informierte mich: „Wir müssen hier aussteigen, der Zug fährt nicht weiter.“
„Wie bitte? Wo sind wir denn?“
Ich kletterte aus dem Zug und marschierte die Gleise entlang mit Rucksack, Koffer und Flipchartmappe- alles bleischwer. Da tauchte auch ein Bahnmensch auf. Die Oberleitung war vom Blitz getroffen, hier konnten keine Züge weiter fahren. Ein Bus würde uns einige Stationen weiter fahren, dort käme dann wieder ein Zug.
Wir versammelten uns alle an der Bushaltestelle, der letzte Bahnbeamte verschwand. Und dann standen wir und standen wir.
Die ersten fingen an, ihr Handy rauszuholen und riefen ihre Lieben an. So nach und nach wurden immer mehr mit dem Auto abgeholt. Von einem Bus weit und breit nichts zu sehen. Eine Info von der Bahn? Nichts.
Schließlich waren wir auf ein kleines Häufchen zusammengeschrumpft. So entschloss ich mich, mit irgendwelchen Leuten irgendwohin zu fahren, nur weg hier.
An der neuen Bahnstation schaute ich auf die Tafel, von wo der Zug denn nun weiter fährt. Gleis 2. Dazu musste ich eine laaange Stahltreppe hinaufklettern, über eine Brücke und auf der anderen Seite eine ebenso lange Treppe (logisch) wieder herunter. Inzwischen regnete es auch in Strömen. Eine nette Dame half mir das Gepäck die Treppe hinauf zu schleppen.
Währenddessen kam ein Zug von meinem Zielbahnhof auf Gleis 1 eingefahren. Und siedendheiß wurde mir klar: Das ist mein Zug! Der kann ja nur bis hierhin fahren und fährt von hier auch wieder zurück. Ich muss die ganze Treppe wieder zurück. Ich hätte schreien können.
Die gute Frau schickte ich dann vor, den Zug festzuhalten, bis ich wieder runter gestolpert war. Schließlich sank ich erschöpft auf einen Sitz.
Das ganze entwickelte sich noch zu einer Kabarett-Nummer. Es gab während der Fahrt noch etliche Aufenthalte, Verspätungen und Pannen. Das schweißte die Fahrgäste zusammen, wir lachten, unterhielten uns und rissen Witze.
Der Gipfel waren dann die ständigen Durchsagen der Bahn. Es gab damals eine Regelung, dass die Fahrgäste bei einer halben Stunde Verspätung einen Gutschein von 10 EURO (oder so) bekommen. Na prima!
Kurz darauf die Durchsage: Es seien doch nur 27 Minuten, den Gutschein gibt es doch nicht. Ist es möglich??
Wir brachen schon in hysterisches Gelächter aus.
Die Krönung aber war dann endgültig: Ja, wir könnten in Köln den Gutschein bekommen, dazu musste man aber dort aussteigen und zu einem Infoschalter gehen. Was bedeutet hätte, noch einen Zug später nach Hause fahren zu können, nach all den Verspätungen. Sind die irre?
Mittwoch, 20-01-10 09:48
Hallo Zamyat,
Du sprichst der Trainerseele aus dem Herzen:
Du hast abends nach einem Seminar im strömenden Regen und bei einbrechender Dunkelheit nur die Möglichkeit, das geringste Übel zu wählen.
Bekannt für seine "originellen" Einfälle ist auch der Flughafen Köln/Bonn, der einen bei Ankunft gerne spät abends eine halbe Stunde im Flugzeug sitzen lässt, da nirgends eine Gangway aufzutreiben ist.
Wir sind ja schließlich auch ganz überraschend dort gelandet :-).
Aber für Anekdoten ist es immer gut.
Viele Grüße,
Lars
Mittwoch, 20-01-10 10:18
Hallo Zamyat,
Du hast mein Mitgefühl! Ich persönlich bin ja fast nur mit dem Auto unterwegs. Das war zwar vor einer reichlichen Woche angesichts glatter Fahrbahnen auch etwas stressig, allerdings bin ich trotzdem recht gut angekommen. Anscheinend fährt man mit der Bahn auch nicht unbedingt besser.
Übrigens bietet die Bahn bezeichnenderweise auch Outdoor-Trainings und eine ebensolche Trainerausbildung an:
http://www.psycho-blog.net/a01497.htm
Finde ich irgendwie bezeichnend *fg*
Liebe Grüße
Falk