Blogbild
Foto Zamyat

Dankbarkeit dem Leben gegenüber

Manchmal haben wir ja so Momente von Klarheit oder Mini- Erleuchtung.

So ging es mir heute auf dem Weg nach Thüringen, als ich zwischendurch eine Pause machte und auf der Terrasse einer Raststätte in der Sonne saß. Plötzlich machte es mal wieder "Klick" und mir wurde bewusst:
Mein Gott, geht es mir gut! Wie bin ich privilegiert!

Morgens war ich noch im "Stress" gewesen: eine Stunde später losgefahren als geplant (heute ist Sonntag!!), dabei hing und hängt nichts davon ab, wann ich ankomme. Lediglich meine Planung müsste ich ändern.

Ich komme gerne mittags an, weil ich mich - so mein Glaubenssatz- erst entspannen kann, wenn ich die lange Fahrt hinter mir habe.Autofahren war lange ein Horror für mich, das ist aber deutlich besser geworden. Sonntagsmorgens ist es ausgesprochen angenehm und wie so oft auf dem Weg hierhin, scheint auch heute wieder die Sonne.Dazu höre ich dann Musik und ab und zu "schlaue CDs" mit Vorträgen.

Jetzt sitzte ich hier, schlürfe einen Capucchino, werde fürstlich Mittagessen im Hotel, ein Mittagsschläfchen halten. Dann zum Tagungshaus fahren, wo ich in Ruhe auspacke und alles aufbaue.

Morgen beginnt das Seminar, 5 Tage Trainer- Ausbildung, was erfahrungsgemäß viel Freude macht. Die Teilnehmer kommen freiwillig und voller Interesse, der Rahmen ist angenehm, die Mitarbeiter teilweise Freunde.

Danach zwei Tage zu Hause und dann: 3 Wochen Urlaub in der Türkei.

Aber auch ohne den Urlaub als besonders High Light vor der Nase stimmt der Satz mit dem Privilegien. Ab und zu geistern mal solche E-Mails mit entsprechenden Zahlen und Sprüchen durch den Äther: "Wenn du ein Dach über dem Kopf hast, geht es dir besser als..... Millionen Menschen" (die Zahlen habe ich vergessen).

Das stimmt. Ich fahre mit einem fast neuen Auto, mache einen Job, den ich sinnvoll finde und der mir Freude macht. Natürlich gibt es auch manchmal Situationen, die stressen und nerven. Aber was ist das im Vergleich zu lebensbedrohlichen Situationen, Hunger, Krieg... Ich weiß, ich weiß, davon hören wir täglich in den Nachrichten (ich nicht, ich höre und lese kaum welche) und sind entsprechend abgestumpft.

Da ich aber viel in andere Länder reise, wird mir der große Unterschied dennoch oft bewusst.
Auch über das rein materielle hinaus- ich lebe in einem sozialen Umfeld, das mich trägt, habe liebe Freunde, bin nie durch irgendetwas bedroht. Vieles kann ich selbst entscheiden und habe vieles selbst in der Hand. Auch damit unterscheide ich mich von Millionen anderer Frauen.
Ich verdiene an einem Seminartag so viel wie manche in einem Monat- selbst in unserem Land. Gut- ich habe nicht jeden Tag ein Seminar, aber dennoch.

Aber was mich da in der Sonne mehr erwischte, war weniger die materielle Situation, sondern so ein Grundgefühl: ich muss vor nichts Angst haben, ich brauche mir keine wirklichen Sorgen machen. Die, die ich mir dennoch mache, sind selbstgestrickte:
Ich muss auch nicht tagelang auf ein berufliches Ereignis hinbibbern oder mich nerven, wie in früheren Jobs, als ich noch angestellt war. Es gibt zwar schon mal Termine, die aufregender sind als andere, wo ich Lampenfieber habe, aber ich muss nicht jeden Tag mit Magenschmerzen zu einem schrecklichen Job fahren.

Usw. usw. Da könnte jeder wahrscheinlich vieles aufzählen.

Statt dessen kann ich weitestgehend selbst entscheiden, was ich wann mache, womit ich meine Zeit fülle, wie ich meinen Job mache, wie ich meinen Alltag gestalte.
Viele der vermeintlichen Zwänge sind keine- sondern von mir alleine geboren.

Es tut gut, sich das ab und zu klar zu machen.

Dieser Tag ist ein wunderbarer Tag- so wie viele andere. DANKE!

3 Antworten “Dankbarkeit dem Leben gegenüber”

  1. Textzicke schrieb:

    Liebe Zamyat,
    vielen Dank für diesen Eintrag. Wir sollten alle mehrmals täglich darüber nachdenken, wie privilegiert wir eigentlich sind und wie selbstgestrickt unsere so genannten "Probleme". Recht hast Du!
    Bleib so positiv. Mecker- und Motzdeutschland braucht Leute wie Dich!

  2. optimumtext schrieb:

    Liebe Zamyat,

    vielen Dank, dass ich durch Dich die Woche so positiv beginnen konnte. Noch leicht ernüchtert vom Wahlergebnis las ich Deinen Eintrag und muss sagen: Du hast ja so recht! Mir geht es super, ich habe eine tolle Familie, nette Freunde, eine interessante Arbeit und viele schöne Kontakte durch mein ehrenamtliche Engagement. Wir wohnen schön auf dem Land, können in Urlaub fahren und etwas von der Welt sehen, über Essen und Kleidung müssen wir uns nicht groß Gedanken machen. Eigentlich sind wir so reich! Leider machen wir uns das viel zu selten bewusst. Ich bin dankbar für das Leben, dass ich habe, und Du hast mich heute mal wieder daran erinnert.

    Ich hoffe, Du hast eine schöne Zeit in unserem schönen Thüringen (wo viele Leute dazu neigen, noch schneller zu jammern als anderswo - mein Eindruck).

  3. Zamyat M. Klein schrieb:

    Hallo ihr zwei lieben Twitterinen,

    Danke für euer positives Echo- das freut mich, dass das auch jemand liest und auch so sieht. Der Beitrag war völlig ungeplant und spontan geschrieben, hin und wieder muss ich meine Sicht auch wieder gerade rücken.
    Nicht zuletzt hat da sicher auch der Kinobesuch und der Film "Wüstenblume" dazu beigetragen. Ich war ja 10 mal mit Beduinen in der Sahara und habe gerade anfangs den Kontrast zwischen dem Leben in einer Oase und in der Wüste und meiner Wohnung als sehr krass erlebt. Wozu brauche ich 30 Teller etc., fragte ich mich nach meiner ersten Reise, wo wir drei Wochen mit einem Teller, einem Becher und einem großen Löffel klar kamen.

    Verrückte schöne Welt!

Nach oben

Hinterlasse eine Nachricht

Meine Informationen merken

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Nach oben

Letzte Einträge

Letzte Kommentare

September 2009
M D M D F S S
« Aug   Okt »
 012030456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Archiv

Als RSS-Feed abonnieren:

Als RSS Feed abonnieren