Wüstenblume - der Film
Im Moment gehe ich jedes Wochenende ins Kino. Denn im September habe ich ständig Seminare hintereinander, was doch etwas anstrengend ist - und da ist Kino eine schöne Entspannung und Belohnung.
Außerdem laufen gerade in diesem Monat viele Filme an, die mich zumindest nach Thematik und Vorschau interessierten.
Gestern waren wir nun in "Wüstenblume", der Film nach dem gleichnamigen Buch von Waris Dieri.
Wie einige von Ihnen wissen, liebe ich die Wüste und war 10 mal in der Sahara.
Der Film beginnt mit der Kindheit von Waris in Somalia, zuerst scheinbar idyllische Szenen, die bei mir Erinnerungen wecken: Wind, Tee, Kamele.
Waris flieht mit 13 Jahren nach Mogadischu, als sie mit einem alten Mann verheiratet werden soll, arbeitet dann als Dienstmädchen in London, wo sie nie vor die Tür kommt und läuft danach orientierungslos durch die Stadt.
Diese unglaubliche Stärke, dieser Überlebenswille und Mut sind bewundernswert. Als Mädchen alleine durch die Wüste laufen, als junge Frau durch London irren...Sie bekommt Hilfe von einer jungen Frau, bei der sie erst einmal wohnen kann und die ihr einen Putzjob besorgt. Ihre steile Karriere als Modell scheint der Durchbruch zu sein.
Doch es geht in dem Buch und dem Film um mehr, als um eine märchenhafte Story. Es geht um die Geschichte der Beschneidung von Mädchen, die immer noch unter unmenschlichen, oft tödlichen Bedinungen verlaufen und die Frauen psychisch und physisch zerstört. 6000 täglich, wie am Ende des Filmes zu lesen ist. Eine unglaubliche, unvorstellbare Zahl.
Waris Dieris hat ihren Ruhm genutzt, um die Weltöffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. Der Tag, der ihr Leben veränderte, war nicht ihre Entdeckung durch einen berühmten Fotografen, sondern die Beschneidung, als sie drei Jahre war. Nun hat sie als UN-Botschafterin sich diesem Thema gewidmet.
Der Film ist beides: aufklärend und aufrüttelnd, gleichzeitig aber ein sehr schöner, unterhaltsamer Film, mit wunderschönen Bildern und einer wunderschönen Schauspielerin. Sehen Sie ihn sich selbst an...
Montag, 28-09-09 20:21
Auch ich fand die Bilder in dem Film wunderschön, allerdings denke ich, dass sich der Film allzusehr darauf ausgeruht hat und das bis zur Erschöpfung ausgenutzt hat. Für ein Drama gabs mir hier leider zur viel Albernheit und zu wenig Tiefe. "Wüstenblume" ist zwar in jedem Fall empfehlenswert, hätte aber das Hauptaugenmerk meiner Meinung nach doch auf FGM als auf die Modelkarriere richten sollen.
Dienstag, 29-09-09 07:39
@ Anj
Danke für die Anmerkung.
Ich denke, es ist die Frage, was das Ziel des Films ist: es sollte sicher kein Dokumentarfilm über FGM sein, sondern ein Film, der auch Unterhaltungswert hat. Das finde ich persönlich legitim.
An "Albernheiten" kann ich mich nicht erinnern (vielleicht bin ich dafür auch selbst zu albern, dass es mir nicht auffiel? :-).
Ich persönlich denke, dass ein Unterhaltungsfilm einfach viel mehr Menschen erreicht, als ein (kritischer) Dokumentarfilm (es gibt wenige Ausnahmen von Dokumentarfilmen wie "Rhythm is it" und "Das weinende Kamel", die es in die Kinos geschafft haben und sehr lange liefen).
Und wenn über diesen Weg Menschen von dem Thema erfahren und aufgerüttelt werden, die sich normalerweise nie damit befasst hätten, dann finde ich das eine sehr gute Sache.
Wenn ich ins Kino gehe nach einer intensiven Arbeitswoche, dann will ich in der Tat Unterhaltung und freue mich über schöne Bilder.
Ich fand den Film eben nicht so oberflächlich, wie ich befürchtet hatte, sondern wie ich schon schrieb, sehr bewegend.
Er war nicht plakativ, sondern hat das Thema unmerklich aufgebaut - und endet schließlich genau damit. Von der Lerntheorie wissen wir, dass die Dinge vom Anfang und Ende am besten im Gedächtnis bleiben.
Daher wünsche ich dem Film viele Zuschauer.