Anerkennung und Wertschätzung- auch für Einzelkämpfer?
In der letzten Ausgabe der Zeitschrift managerSeminare Heft 138, Sept. 2009 las ich einen Artikel „Vom Wert der Wertschätzung“. Darin wird beschrieben, wie Anerkennung die Motivation der Mitarbeiter erhöht und dadurch auch gleichzeitig den Unternehmensgewinn steigert.
In vielen Unternehmen wird dieser Punkt aber offensichtlich noch vernachlässigt, viele Führungskräfte bevorzugen „Sachorientierung“ und versäumen vor allem durch den allgegenwärtigen Zeitdruck die zwischenmenschlichen Aspekte bei der Mitarbeiterführung.
Fehlende Anerkennung senkt nicht nur die Motivation der Mitarbeiter, sondern führt langfristig auch zu einem erhöhten Krankheitsrisiko.
Auch aktuelle neurobiologische Forschungen bestätigen, dass „der Kern aller menschlichen Motivation zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung und Zuwendung zu finden und zu geben“ ist.
Wie sieht das nun aber bei freiberuflichen Trainern und anderen Selbständigen aus?
Auch wir brauchen Anerkennung.
Aus meinen Motivationsseminaren kenne ich „Anerkennung“ auch als einen grundlegenden Motivator, der bei den verschiedenen Menschen allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt ist.
Ist Anerkennung für Sie wichtig?
Es gibt Menschen, denen ist äußere Anerkennung von anderen nicht so wichtig. Sie sind sich ihrer Arbeit und ihrer Leistung selbst bewusst und das genügt ihnen.
Doch bei vielen ist das nicht so. Da gibt es zumindest einen Rest Unsicherheit: bin ich vielleicht betriebsblind? Schwimme ich zu lange im eigenen Saft?
Daher ist ein Feedback von außen für die meisten sehr hilfreich.
Wir Trainer bekommen natürlich direktes Feedback von den Teilnehmern in unseren Seminaren. Schon während des Seminars spürt man, ob es den Teilnehmern gefällt und etwas bringt, spätestens bei der Seminarauswertung kann man auch ausführlichere Informationen bekommen, wenn man sie entsprechend durchführt.
Doch sind solche Feedbacks natürlich sehr subjektiv und auch oft aus einer momentanen Stimmung heraus. Wichtig wäre hier auch eine längerfristige Resonanz, ein Feedback nach einem halben Jahr: was hat das Seminar gebracht?
Vor allem aber besteht die Arbeit ja nicht nur aus Seminaren. Wir sitzen oft tagelang im Büro und entwickeln Konzepte, bereiten Seminare vor, viel Zeit verbringen wir mit Marketingaktivitäten und Verwaltung.
Wo bleibt da die Anerkennung?
Das sind ja zum Teil auch Tätigkeiten, wo nicht einmal ein Sachfeedback erfolgt. Wir sehen abends keine fertig gestrichene Wand. Wir haben den ganzen Tag etwas gemacht, doch das Ergebnis ist nicht sichtbar.
Methoden für Singles
Wenn Sie keinen Chef oder Mitarbeiter haben, die Sie am Abend oder einmal in der Woche loben, dann müssen Sie sich eigene Methoden entwickeln.
Eine gute Methode ist es, das was Sie tun und erreicht haben, zu visualisieren. Das macht es dann etwas greifbarer.
Tägliches Journal
So können Sie ein tägliches Journal- Raster ausfüllen, in dem Sie stichwortartig Ihre Tätigkeiten und Projekte festhalten. Ich habe dort noch weitere Spalten, in denen ich auch die (oft zeitlich verschobene) Resonanz eintrage.
Also links steht eine Marketingaktion, rechts ein Auftrag, der hereinkommt. Aber auch nette Telefonate, begeisterte E-Mails, überraschende Geschenke und andere Formen von Wertschätzung von Kollegen, Kunden, Freunden, dem Universum.
Da kommt eine ganze Menge zusammen, wenn man durch das tägliche notieren die Aufmerksamkeit darauf schärft.
Erfolgsbaum
Meine Kollegin hat für sich im Büro einen Baum auf das Flipchart gemalt und hängt dort abends die Erfolgs-Blätter auf. Sie können diese auf Post-it’s schreiben und ankleben oder einfach dran malen.
Sich selbst ein Trinkgeld geben
Gitte Härter machte einmal einen Vorschlag in Ihrem Blog, sich selbst ein Trinkgeld zu geben, wenn man etwas Besonderes geleistet hat oder zufrieden mit seiner Arbeit ist.
Abgeschlossene Projekte würdigen und feiern
Wie ich auch früher schon einmal schrieb, gewöhne ich mir nun auch an, abgeschlossene Projekte bewusst zu würdigen- und nicht übergangslos das nächste zu beginnen. Sei es ein fertig gestelltes Buch oder ein besonders gelungenes Seminar, in das ich viel Zeit und Kraft investiert habe.
Das „Feiern“ kann bedeuten, dass ich mit meinem Lektor essen gehe oder mir nach einem Seminar am Morgen einen Spaziergang gönne, mitten in meiner „heiligen Arbeitszeit“. Also etwas tun, das aus dem Rahmen fällt und mir klar macht: Ich gönne mir etwas Besonderes.
Lob einfordern
Ich gehöre zu den Menschen, die auch Anerkennung von außen brauchen. Das kann ich gut mit früh- und spätkindlichen Prägungen begründen! In der Schule gab’s nur Rotstift und schlechte Noten, blaue Briefe und Ärger mit Eltern.Es wurde kritisiert, was man nicht gut machte, selten gelobt.Den Rest habe ich dann schon selbst übernommen: wir Deutschen sind ja so selbstkritisch.
Bis ich merkte, nee, das tut mir nicht gut- und bringt mich vor allem nicht weiter! Bestätigung fand ich in dem Buch von Dale Carnegie: „Wie man Freunde gewinnt“ (und auch Geschäftspartner). 1. Regel: Keine Kritik. 2. Regel: Anerkennung.
Zuerst fand ich das sehr krass- bis ich einmal genauer in meiner Biographie und im folgenden Alltag untersucht habe: Was bringt mich weiter? Was beflügelt mich zu außerordentlichen Leistungen? Wann bin ich besser?
Eindeutig dann, wenn eine gute Leistung anerkannt und bestärkt wurde!
Der 1. Schritt: sich selbst Anerkennung geben- und sich sagen: Das war ein klasse Seminar! Hier hast du ein tolles Buch geschrieben! usw.
Der 2. Schritt: wenn ich wie neulich unheimlich reinklotze, um einen völlig unrealistischen Abgabe- Wunschtermin für ein Manuskript einzuhalten und dann auch noch mein Werk wirklich gut finde, dann will ich dafür Anerkennung haben, LOB!
Wenn dann erst mal keine Resonanz kommt (nicht mal: Manuskript ist rechtzeitig eingetroffen) und schon gar keine Begeisterungsschreie, dann bin ich inzwischen so mutig, dass ich sofort eine E-Mail schicke: Ich will ein Feedback! Und LOB!
So was kann man ja auch humorvoll machen, aber deutlich. Denn wir werden noch Jahre zusammen arbeiten, da soll er das mal lernen.
Welche Methoden kennen Sie? Wie verschaffen Sie sich selbst Anerkennung?
Ich freue mich auf Ihre Beispiele, die für andere sicher auch interessant und hilfreich sind.
Freitag, 04-09-09 16:08
Hallo Zamyat,
schöner Artikel - ich habe eben in unserem Blog darauf verwiesen.
Und herzlichen Dank fürs Erwähnen.
Schöne Wochenende
Gitte
Donnerstag, 26-08-10 11:17
thanks