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Workshop in Kellergruft- Horror-Szenarien als Chance nutzen

Gerade habe ich ein Buch über das Thema „Improvisation im Training“ zu lesen begonnen.  (Darüber werde ich  auch später eine Rezension schreiben).

Dort wird betont, wie oft man als Trainer doch improvisieren muss, weil man zum Teil andere Bedingungen als erwartet vorfindet. Und dass Improvisation doch auch eine Chance ist, dass die Arbeit nie langweilig wird, die Kreativität und Wachstum fördert.

„So kann man das also auch sehen“, kam mir in den Sinn mit gleichzeitiger Erinnerung an ein Erlebnis, dass mich damals fast umgehauen hatte.

Da es das Extremste war, was ich in meiner Trainerkarriere an Unwägbarkeiten und Unmöglichkeiten erlebt habe, möchte ich es Ihnen mit-teilen.

Hätte ich damals schon diese Sicht zum Thema improvisieren gehabt, hätte es mich vielleicht nicht ganz so aufgeregt. 

Vor vielen Jahren war ich wieder einmal als Referentin zu einer Fachtagung eingeladen zum Thema „Lernen“. Vor der Veranstaltung teilte ich mit, dass ich einen großen Raum brauche, da ich immer etwas mit Bewegung und Spielen einbaue, ein Flipchart, Pinwände und einen CD-Player. Das ist mein übliches Equipment.

Ich kam sehr spät mittags dort an, da die Fahrt über 7 Stunden dauerte, die Zeit reichte nicht mal mehr für ein Mittagessen. Ich musste ja noch den Seminarraum vorbereiten, meine Flipcharts und Poster aufhängen, sehen, ob der georderte Stuhlkreis da war usw.

Von meiner Betreuerin R. wurde ich an großen hellen Seminarräumen vorbei geführt, wo ich Stuhlreihen und Rednerpulte erspähte. Hier würde offensichtlich nicht getanzt werden.

Bis wir schließlich in meinen „Workshop-Raum“ kamen. R. hatte mir schon mitgeteilt, dass der Raum im Keller sei- und das war er tatsächlich. Vielleicht ein alter Weinkeller? Ein Kellergewölbe, ein Verlies, in dem man gut einen mittelalterlichen Film hätte drehen können. Keine Fenster, dafür ein Scheinwerfer in einer Ecke. Die Wände aus dicken hubbeligen Steinquadern, an die man beim besten Willen nichts befestigen konnte.

Weit und breit keine Pinwände.

In der Mitte große schwere Holztische mit hohen schweren Holzstühlen drumherum.
Also mussten wir erst einmal die Tische zur Seite schieben. Einige Stühle stellten wir dann auf die Tische, dazwischen spannte R. eine Schnur, die sie organisiert hatte. Mit meinem immer vorhandenen Tesakrepp klebte ich die Poster an die Schnur. Diese hing natürlich durch, so dass die Poster später hinter den Teilnehmern eher nicht zu sehen waren.

Das Ganze war einfach so unglaublich, dass ich nach anfänglichem Schock einfach losgelegt habe.

Die Teilnehmer ließen sich zum Glück auch nicht groß beeindrucken. Es waren ziemlich viele Leute, der Raum war viel zu klein, aber ich legte einen der fetzigsten Workshops hin, die ich je gehalten habe. Wir haben sogar den „Specknerinnen- Tanz“ gemacht. Eben improvisiert.

Das Ergebnis:
Die Teilnehmer waren sehr begeistert, hatten Spaß und haben viel mitgenommen. Noch Jahre später begegnete ich Trainern, die einiges aus diesem Workshop inzwischen in ihr Programm aufgenommen hatten. Es ergaben sich für mich auch einige Folgeaufträge.

Also- improvisieren kann sich lohnen.

2 Antworten “Workshop in Kellergruft- Horror-Szenarien als Chance nutzen”

  1. Ulrike Hippler schrieb:

    Improvisation! Ist nicht das ganze Leben zum größten Teil aus Improvisationen? Wenn ich schaue, wie ich mit dem Leben fließe, dann sind gerade diese Momente, die spontansten und nachhaltigsten in meinem Leben. Das heißt für mich, dass ich aus den Mitteln, die ich zur Verfügung habe, das Beste mache! Wenn ich täglich das Beste gebe, dann kann ich doch am Ende auf ein sehr erfülltes Leben zurückblicken. Wenn ich dann noch sagen kann, dass ich alles zum größten Teil wieder so machen würde.... dann bin ich reich! Danke für Ihre Anregung, es einmal von der anderen Seite betrachten zu dürfen!
    Liebe Grüße
    Ulrike Hippler

  2. Zamyat M. Klein schrieb:

    Liebe Frau Hippler,

    Danke für Ihre Gedanken dazu- ich habe das Improvisieren vor allem auch in Extrem-Situationen gelernt.

    Als Beispiel fallen mir da auch noch meine Sahara- Reisen ein, wo ich die Beduinen bewundert haben, wie die ständig aus Nichts etwas machen konnten.
    Also eine Kombination von Alltags- Kreativität und Improvisation.

    Dort musste und "durfte" ich lernen, dass Pläne schön und gut sind, es aber doch meist völlig anders kam. Für mich eine sehr große Herausforderung :-.

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