Über das Planen von Seminaren, Teil 4: Mit einer Software planen
Gestern habe ich noch einmal eine Einführung in die Software „SeminarDesigner“ von 2 ½ Stunden erhalten. Und dabei nur einen Bruchteil der Möglichkeiten kennen gelernt, die sich darin verbergen.
Anfangs, als ich den SeminarDesigner kennen lernte, war ich sehr skeptisch.
Die Seminarplanung war auch nie ein Problem für mich. Ich plane mit Mind Maps an meinen Seminarphasen entlang, die Methoden sammele ich in einer Datei und die dazu gehörigen Arbeitsblätter etc. liegen auch irgendwo auf meinem PC. Ich habe Mind Maps zu Packlisten, Seminarmaterial, Flipcharts etc.
Nur ist das schon alles recht kunterbunt verstreut. Einiges ist bei den konkreten Seminaren zugeordnet, anderes unter „Methoden“. Vieles ist dadurch mehrfach abgelegt.
Was hat das mit dem Seminardesigner zu tun?
Dazu komme ich später.
Was für mich auf jeden Fall ein Zugewinn ist, ist die Abteilung „Seminarrahmen“, wo ich für mich diverse Fragen zu meiner Trainer- Aufgabe, Situation und – Rolle, zu dem Auftraggeber und den Teilnehmern finde. So detaillierte Gedanken habe ich mir vor einem Seminar selten gemacht.
Mein Erlebnis damit war, dass ich so noch auf interessante Aspekte gestoßen bin. Die Auswirkungen auf meine weitere Planung und Vorbereitung haben- und auch dazu führen können, dass man noch einmal Kontakt mit dem Auftraggeber aufnimmt, um bestimmte Fragen zu klären. Beispielsweise über den Hintergrund der Teilnehmer oder auch die Frage, ob und wie die Teilnehmer nach dem Seminar bei der Umsetzung unterstützt werden.
Hier finden sich unter der Abteilung Trainer Fragen nach dem persönlichen Trainings-Ziel, nach der Übereinstimmung mit meiner Lebensmetapher, das meint, meinen Werten und Zielen, aber auch die Frage: was ist das Schlimmste, das passieren könnte oder das ich vielleicht befürchte und was ist dann meine Reaktion darauf? Hier schon vorbereitend zu überlegen und zu planen ist sicher nicht verkehrt. Denn in einer Stress- Situation im Seminar selber fällt einem nicht immer gerade was Tolles ein.
Oder sich auch bewusst zu machen: Wie geht es mir eigentlich mit dem Kunden, dem Thema und den Teilnehmern? Wenn ich dann hier merke, ojeoje, kann ich auch noch überlegen, was ich denn im Vorfeld unternehmen kann, damit ich mit einem besseren Gefühl dort hin fahre. Oder den Auftrag womöglich gar nicht annehme.
Beim Grobdesign lege ich den groben Rahmen an Zeiten fest. Hier gebe ich Informationen ein, die bei der späteren Feinplanung dann automatisch übernommen werden. Gerade die Zeitplanung ist hier genial, denn wenn ich später konkret meine Methoden und Übungen einfüge, rechnet er sofort aus, ob das zeitlich überhaupt so hinhaut oder ich da was weglassen oder kürzen muss.
Unter Ziele und Nutzen kann ich mir dann zu den einzelnen Modulen die Lernziele noch einmal konkret anschauen bzw. eintragen. Welches Lehrziel verfolge ich mit dem Modul im Seminar, welches für die Zeit nach dem Seminar. Was ist der Teilnehmer-Nutzen, den sie bewusst erleben und welcher wirkt unbewusst.
Und wie Herr Smetana bei der Einführung so nett sagte: Ich muss nicht zu jedem der Module alle vier Punkte ausfüllen. Aber wenn ich keinen einzigen ausfüllen kann, dann sollte ich das Modul rauswerfen. Denn dann erfüllt es offensichtlich keinerlei Zweck.
Auch hier muss ich gestehen: so akribisch habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Im Hinterkopf ist mir natürlich vieles klar, einfach durch die 30jährige Trainer- Erfahrung. Aber gerade bei einem neuen Thema, das ich damit beispielhaft plane, ist das höchst interessant, das so genau durchzugehen.
Dem Seminar und den Teilnehmern wird eine solche Vorbereitung sicher nicht schaden.
Jetzt kommen wir zur Präsentation.
Hier kann ich jetzt zu den einzelnen Modulen ganz konkret eingeben, welche Methoden und Übungen ich wann mache. Welche Arbeitsblätter oder anderen Hilfsmittel ich dazu brauche. Und zu meiner großen Freude: hier kann ich auch eingeben, welche Lerntypen durch die jeweilige Methode angesprochen werden.
Am Ende dieser Planung kann ich dann den „Designkompass“ einschalten- und der zeigt mir dann, wie die Gesamtverteilung der Lerntypen über das Seminar ist, wie viel % jeder Lerntyp einnimmt. Das finde ich schon genial.
Die Methoden und Übungen kann ich in einer Datenbank sammeln- und damit bin ich bei dem oben angesprochenen Punkt. Dann muss ich zukünftig nicht mehr in diversen Seminar- Ordnern kramen, wo ich welche Methode abgelegt habe, sondern kann sie ein für alle mal hier einordnen. Und bei jeder Seminarplanung darauf zurückgreifen.
In der Datenbank sind auch schon andere Spiele und Methoden (Ressourcen)vorhanden, so beispielsweise eine Spiele- Sammlung von mir und von anderen Kollegen, Geschichten und Aphorismen, die man passend zum Thema einsetzen kann.
Hierbei hilft die Suchfunktion, bei der ich ein Stichwort eingeben kann.
Das sind erst einmal die gröbsten Funktionen, es verbirgt sich noch unendlich viel mehr dahinter, das ich aber erst einmal selbst erkunden muss.
Was ich noch nicht erwähnt habe:
Alle diese Planungen, Gedanken und Sammlungen kann ich in diversen Berichten oder Trainerleitfäden ausdrucken.
Das Grobdesign reicht als Information für das Hotel (Seminar- und Pausenzeiten), detaillierte Berichte sind hilfreich, wenn man im Team arbeitet und so der andere sofort sehen kann: hier ist mein Part.
Ebenso kann ein Assistent anhand der Liste sehen, was man an Material braucht usw.
Sehr gut ist die Hilfe- Funktion. Hier ist mit Bildern und Screenshots sehr genau jeder Bereich und jede Funktion erklärt, so dass ich mich mit dieser Anleitung selbst weiter einarbeiten kann.
Denn ich als Kinästhetin lerne am besten durch selber tun- und so plane ich hiermit ein Seminar, das ich Ende August habe.
Es macht mir schon auch Spaß, mit dieser neuen Software rumzutüfteln, und bin immer wieder entzückt, was es so alles gibt und was alles möglich ist.
Über meine Erfahrungen werde ich dann später noch ausführlicher berichten.
Donnerstag, 25-06-09 09:53
Hallo Frau Klein,
vielen Dank für den tollen Testbericht. Gerade von Ihnen ehren mich diese Worte ganz besonders, weil ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, wie skeptisch Sie bei unserem ersten Gespräch waren.
Ich freue mich nun über Ihre Begeisterung und Ihre Neugierde und kann Ihnen in einem Punkt ganz besonders recht geben: Sie werden in den nächsten Monaten noch viele ideen und Möglichkeiten des SeminarDesigners entdecken.
Ich freue mich schon auf weitere Rückmeldungen ...
mfG
Michael Smetana
Donnerstag, 25-06-09 13:28
Hallo Zamyat,
was Du schreibst hört sich ja sehr spannend an. Ich habe mir mal den Preis angeschaut, wenn ich das richtig gesehen habe, liegt der bei 900 Euro netto. Hast du dir mal ausgerechnet, wie viele Seminare Du halten mußt, bist du die Kosten für die Software und die Zeit für die Einarbeitung wieder hereingeholt hast?
Gruß Mario
Donnerstag, 25-06-09 18:55
Hallo Mario,
ja, in der Tat, es ist nicht "billig". Wenn man aber nicht nur zwei Seminare im Jahr macht, sondern jahrelang ständig Seminare vorbereiten und planen muss, wird sich das sicher schnell amortisieren. Hängt natürlich auch von deinem Stundensatz ab :-).
Ich möchte aber möglichst wenig Zeit mit Verwaltung und Organisatorischem zubringen, drum habe ich mir ja auch dieses Kontaktmanagement- System für alle meine Adressen, Mails, Rechnungen, Etiketten etc. zugelegt. Und das war erheblich teuerer mit Einrichtung als der Seminardesigner.
Hier konnte ich heute nach der gestrigen Einführung gleich loslegen- und wenn zwischendurch Fragen aufkamen, schnell mit Herrn Smetana geskypt, der mir mit Engelsgeduld dann noch dieses und jenes Detail erklärt hat.
Da die Einarbeitung einhergeht mit der konkreten Planung, ist es für mich nicht so ein großer Zeitverlust. Wenn ich dann dafür die nächsten Seminare zapp zupp parat habe, dann freue ich mich:-).
Wie ich von Kollegen im BDVT hörte, nutzen sie es auch, um als Team gemeinsam an Konzepten zu arbeiten.
Ich glaube einfach, dass sich hier noch viele Möglichkeiten verbergen, die ich selbst noch gar nicht kenne und mir nach und nach erschließen muss.