Über das Planen von Seminaren, Teil 3: Seminar-Phasen
In dem gestrigen Beitrag habe ich ja schon die Seminarphasen erwähnt, an denen ich mich orientiere. Es gibt da viele verschiedene Modelle, die man zur Grundlage nehmen kann.
Hier als kleiner Überblick die Stichpunkte von drei Modellen und „meiner Phasen- Einteilung“, es sind teilweise nur graduelle Unterschiede.
Mein Modell
* Einstieg
* Hinführung/ Einführung
* Input
* Erbarbeitung
* Übung und Wiederholung
* Transfer und Abschluss
Suggestopädischer Kreislauf
Hierzu gibt es in der Literatur mehrere Varianten mit verschiedenen Bezeichnungen. Ich habe hier die Variante ausgewählt, die ich in meiner allerersten Fortbildung zur Suggestopädie von Prof. Dr. Charles Schmid 1986 kennen gelernt habe.
1. Vorbereitung
(Körperliche, geistige und psychische Entspannung)
2. Präludium
(Überblick geben und Interesse wecken)
3. Aktives Lernkonzert
(Input- Text)
4. Passives Lernkonzert
(Wiederholung- Text vom 1. Lernkonzert)
5. 1. Aktivierung= Wiederholung
6. 2. Aktivierung= Anwendung und Übertragung
Bandura- Modell
1 Einstiegsphase
2 Informationsphase
3 Aktivierungsphase
4 Kontrollphase
5 Abschlussphase
Gruppen- Modell
Forming
Storming
Norming
Performing
Transforming
Welches Modell Sie auch immer nehmen, es ist gut, so ein Gerüst zu haben, an dem Sie sich entlang hangeln können.
Gesamtchoreographie
Sie haben die Themenschwerpunkte gesammelt, eine Reihenfolge ergibt sich oft schon aus dem Inhalt, da manches aufeinander aufbaut.
Sie haben verschiedene Methoden ausgewählt, mit denen Sie diese Inhalte vermitteln und bearbeiten wollen und diese verteilt unter Berücksichtigung der Rhythmisierung.
Jetzt verteilen Sie das alles- sei es in einem Mind Map® oder in einer Tabelle- auf die einzelnen Seminarphasen. Wie starten Sie das Seminar oder den 2. Tag? Eher ruhig, dann kann anschließend etwas Lebhafteres kommen- oder umgekehrt?
Was können Sie als kleine Hinführung bieten, sozusagen als Vorspeise, um den Appetit auf das Thema zu wecken? Gestern war es eine Geschichte, heute vielleicht eine Requisite oder gar ein Sketch, bei dem Sie sich verkleiden?
Nach dem Einstieg ins Thema kommt die Erarbeitung. Gestern war schon viel Gruppenarbeit, heute daher eher mal eine Partnerarbeit oder auch Einzelarbeit.
Was können Sie zur Aktivierung zwischendurch einbauen? Ein Spiel oder eine Bewegungsübung. Vielleicht sogar rausgehen?
Vergessen Sie auch die Pausen nicht!
Und schließlich checken Sie die Zeiten.
Das mache ich erst einmal mit Bleistift, falls ich meine Planungs- Mind Maps® mit der Hand geschrieben habe und nicht auf dem PC. Denn da gibt es dann manchmal Überraschungen.
Lesen Sie morgen weiter über „Zeitliche Planung“.
Nach welchem Gerüst oder Modell planen Sie Ihre Seminare?
Mittwoch, 17-06-09 21:04
Hallo Frau Klein,
da ich Lehrtrainerin für AL bin und meine Ausbildung bei Claudia Monnet gemacht habe, plane ich meine Seminare nach dem MASTER-Modell. Ich habe das mal in meinem Blog zusammengefasst: http://www.apprenti-podblog.de/2009/05/noch-ein-bisschen-theorie-was-heist-denn-uberhaupt-master-haf[..] ein Riesenlink, an diesem Thema muss ich noch arbeiten...)
Für mich ist es wichtig, einen Leitfaden zu haben, sonst hätte ich alle zwei Minuten eine neue Idee zu irgendeiner neuen Vorgehensweise im Seminar. Das wäre ganz schön blöd für die Teilnehmer und die Auftraggeber fänden das sicher auch nicht gut. :-)
Wenn ich die Abläufe vergleiche, dann entdecke ich sehr viele Gemeinsamkeiten. Ich finde es gut, es nicht so dogmatisch zu betrachten, wenn es auch leicht so wirkt. Der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier! Mir ist der MASTER zur Gewohnheit geworden. ;-)
Das Wichtigste ist jedoch, dass wir unbedingt alle an dieser aktivierenden Sache dranbleiben. Das Schrecklichste ist, dass es immer noch viel zu viele Menschen gibt, die Lernen mit Angst verbinden oder, die keinen Spaß am Lernen haben. Schade!
Liebe Grüße
Sandra Dirks
Mittwoch, 17-06-09 21:30
Liebe Sandra Dirks,
das ist natürlich das A und O, dass Lernen erfolgreicher ist, wenn es Spaß macht und leicht geht, voller Interesse und Neugier.
Ich persönlich bin mit dem Master- Modell nicht so klar gekommen, fand es vom Aufbau her nicht so logisch. Aber im Kern habe ich natürlich viele Gemeinsamkeiten mit der Suggestopädie entdeckt. Viele Methoden und Übungen sind gleich, multisensorisch und eben aktivierend.
Mein Eindruck ist allerdings immer noch, dass die Suggestopädie etwas mehr Pfiff hat, spielerischer und "verrückter" ist - aber das hängt sicher wiederum von jedem Trainer persönlich ab, wie er was umsetzt.
Ich habe sicher vieles von TEP "geklaut" und umgekehrt- und das ist ja auch gut so, sich zu bereichern.
Und bei Ihren Beiträgen habe ich den Eindruck, dass Sie die gleiche Spielfreude und Experimentierfreude gepackt hat- und dann ist es letztendlich schnurz, wie das Kind heißt. :-)
Donnerstag, 18-06-09 07:30
Liebe Frau Klein,
jawoll, mich hat die Spielfreude gepackt! :-)
Ich habe auch einige suggestopädische Methodenbücher, aus denen ich mich großzügig bediene. Ich schrecke vor fast gar nichts zurück. Naja, zumindest nicht vor Theater, Comedy und Karaoke. Wenn Sie in einem Seminarraum in einem Hotel in Ruhe arbeiten wollen und Sie hören im Nebenraum Radau, dann schauen Sie mal vorbei: irgendwo dort finden Sie mich. Ich liebe das. Wenn ich mit einer Gruppe derart aktiv werde, dann vergesse ich alles drumherum. Vor zwei Jahren hatte man im Nebenraum zu meinem Seminar eine Trauergesellschaft untergebracht. Erst habe ich gedacht: "Man könnte, sollte jetzt vielleicht ruhiger...ach nein, nicht mein Problem. Meine Teilnehmer leben ja noch und sie sollen viel lernen, denn sie haben dafür bezahlt." - Egoistisch? Nö! Alles für meine Teilnehmer. Das Hotel hat's dann mit der Trauergesellschaft geregelt. Na, also! ;-)
In Bezug auf das Tanzen und auf Fantasiereisen bin ich gar nicht mutig. In Ihren Büchern lese ich immer, dass Sie beides oft einsetzen. Wie ist das mit den Teilnehmern? Ich habe sehr "handfeste" Teilnehmer. Wie nehmen Ihre Teilnehmer diese Methoden an? Vielleicht sind meine Nutzenargumente diesbezüglich auch noch nicht so ausgereift.
Freitag, 19-06-09 09:07
Hallo Frau Dirks,
ja, das erinnert mich auch an eine episode, wo UNTER uns noch ein Seminarraum war. Als wir dann den Indianer- Tanz stampften, kam dann doch einer rauf, weil sie Angst hatten, die Lampen kämen herunter.
Was den Einsatz von Tänzen, Fantasiereisen und allem anderen angeht:
Ich habe durchaus "handfeste" Teilnehmer, lange Jahre Ausbilder aus allen Bereichen (Bau, Elektro, Metall, Holz), nun Mitarbeiter aus Firmen aller Art (Kabelhersteller, Telekommunikation, Verlage- was auch immer) - und die haben sich ALLE vorher nicht träumen lassen, in einem Seminar zu tanzen und dazu auch noch selber zu singen.
Wie ich in all meinen Büchern auch schreibe- und was Sie ja selbst offensichtlich auch bei Karaoke und Spielen erleben: wenn Sie selbst absolut davon überzeugt sind, dass das Ihren Teilnehmern nützt, leichter und besser zu lernen- und es Ihnen selbst total Spaß macht, dann können Sie ALLES machen. Das ist meine feste Überzeugung und auch meine Erfahrung aus 30 Jahre Training.
Dazu gehört durchaus auch die Wahrnehmung: nein, jetzt mit dieser Gruppe oder in dieser Situation passt es nicht. Da werfe ich dann meine Planung auch um und setze etwas adäquateres ein.
Wobei ich gerade diese Elemente (="Energieaufbauübungen" als suggestopädischer Fachausdruck) selten vorher plane, sondern immer im Moment schaue, ist jetzt was lebhaftes dran, was lustiges oder eher was zur Konzentration? Wobei sich auch alles drei kombinieren lässt, beispielsweise beim "Besuch im Zoo".
Fröhliches Weiter- Spielen! Und: es muss nicht immer laut sein (wenn beispielsweise nebenan eine Trauerfeier ist) und kann trotzdem lustig sein:-)