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Über das Schreiben von Fachbüchern - 2

Vorweg möchte ich noch einmal schreiben, dass ich hier keine allgemeingültigen und wissenschaftlich abgesicherten Ergebnisse veröffentliche (was auch immer das sein mag), sondern von meinen Erfahrungen berichte. Von denen andere vielleicht auch etwas lernen können.

In diesem Beitrag geht es weiterhin um den Prozess des Schreibens. Über das Veröffentlichen werde ich später auch einen Beitrag schreiben.

Viele Trainer fragen mich, wie ich das denn mache. Sie würden auch gerne ein Buch schreiben, hätten auch ein tolles Thema und den Stoff komplett, aber das Schreiben! Entweder kommt das Argument: „Dafür habe ich keine Zeit“ oder auch „Dazu fehlt mir die Disziplin“.

„Wie schaffst du das, regelmäßig zu schreiben? Und wie lange braucht man für ein Buch?“, sind häufig gestellte Fragen.

Darauf gehe ich in diesem Beitrag ein:

Wie teile ich mir die Zeit ein?
Wie lange braucht man für ein Buch?
Ist es nicht schwer, dran zu bleiben? 
Wie gliedere ich ein Buch?
Wie behalte ich den Überblick?

Wie lange braucht man für ein Buch?

Pauschal lässt sich der erste Aspekt kaum beantworten. Das hängt von vielen Faktoren ab. Wie viel Sie schon über das Thema wissen, ob Sie schon vorher Literatur dazu gelesen haben, ob Sie über etwas berichten, was Sie ohnehin tagtäglich machen oder ob Sie ein Thema völlig neu aufarbeiten.

Dann liegt es natürlich auch daran, wie schnell Sie schreiben und wie leicht es Ihnen fällt. Hämmern Sie einfach fröhlich in die Tasten oder knobeln und feilen Sie an jedem Satz herum? Macht es Ihnen Freude oder quälen Sie sich?

Im letzteren Fall würde ich Ihnen eher davon abraten ein Buch zu schreiben. Oder zumindest sehr genau Ihre Motivation prüfen, warum Sie ein Buch schreiben wollen. Ist Ihre Motivation stark genug, dass Sie sich regelmäßig einer Arbeit unterziehen, die Ihnen keinen Spaß macht?

Mein 1. Buch „Ganzheitliches Lehren und Lernen“ habe ich in ca. 2 Wochen geschrieben. Aber ich habe dort ein Seminar beschrieben, das ich schon oft gemacht habe und wo alle Unterlagen vorlagen, wo ich die Literatur schon früher gelesen hatte.

Bei späteren Büchern hat es sich über ein Jahr hingezogen. Wobei ich nicht das ganze Jahr täglich daran geschrieben habe.

Wie teile ich mir die Zeit ein?

Zeiteinteilung für das ganze Buch

Bei Büchern wie den „Kreativen Geistern wecken“ oder meinem aktuellen über Suggestopädie schreibe ich gerne längere Zeit an einem Stück, um mich nicht immer wieder neu hineindenken zu müssen und den roten Faden zu behalten.

Dazu blockiere ich dann in der Jahresplanung Zeiten, in denen erfahrungsgemäß nicht so viele Seminare stattfinden. Das war überhaupt der Grund, weshalb ich auf die Idee kam, Bücher zu schreiben. Um die seminarschwachen Monate sinnvoll zu nutzen.

Das ist Dezember – Januar und dann wieder im Sommer.

Mir macht es mehr Spaß, wenn ich wenigstens drei Wochen am Stück jeden Tag einige Stunden an dem Buch schreiben kann. Dann  bin ich im Fluss, es entwickeln sich noch neue Ideen und Seitenstränge, ich kann schwelgen und schreiben.

So kam es auch, dass ich nun schon zweimal auch in der Türkei geschrieben habe und das mit einem Urlaub verbunden habe. Da werde ich durch keine alltägliche Büroarbeit abgelenkt, kein Telefon, kein E-Mail (na ja, inzwischen doch), ich kann mich komplett einige Stunden auf das Buch konzentrieren- mit Blick auf das Meer und unter Palmen. Das erhöht den Spaß natürlich noch enorm.

Dann gibt es Bücher, da kann ich auch häppchenweise über das Jahr verteilt schreiben. Wie jetzt aktuell für die CD- Roms zu „Kreativen Seminarmethoden“.

Da fasse ich Methoden zu den verschiedenen Seminarphasen zusammen- und es reicht, wenn ich eine Methode am Tag schreibe. Ich muss mich da nicht langfristig konzentrieren, da jede Methode in sich abgeschlossen ist. Da kann dann auch mal eine Woche Pause sein, weil ich im Training bin, und anschließend kann ich ohne Probleme daran weiter schreiben. Oder unterwegs im Zug.

Zeiteinteilung am Tag

Da ich mir aber nicht immer drei Wochen am Stück nehmen kann, schreibe ich auch in Zeiten, wo ich zumindest länger im Büro arbeite. Dafür reservier ich mir dann meine „Prime Time“, die Zeit des Tages, an der ich mich am besten konzentrieren kann und ungestört von Telefon und E-Mail bin.Das ist für mich der frühe Morgen, also von 7 oder 7:30 – 10:30 oder 11:00 Uhr. Erst danach erledige ich die Telefonate, Mails, Blogs, Twitter usw. So die hehre Planung. Es gelingt mir noch nicht immer, aber an den Tagen, wo ich es so durchziehe, bin ich jedes Mal beglückt über das Ergebnis. Denn dann schaffe ich nicht nur mengenmäßig viel (das Schreiben geht ohnehin meist „von selbst“), sondern es fallen mir noch tolle Sachen ein oder brillante Formulierungen, an denen ich mich selbst erfreue.

Dann kann ich mich ganz befriedigt den anderen Dingen zuwenden und bewerte sie dann auch nicht mehr als „Störenfriede“, die mich von meiner „eigentlichen“ Arbeit abhalten, sondern sie haben auch ihre Berechtigung und ihren Wert.

Ist es nicht schwer, dran zu bleiben?

Während der längeren Schreibblöcke von 3 Wochen fällt es mir nicht schwer. Da freue ich mich jeden Tag darauf, loslegen zu können.Im normalen Berufsalltag brauche ich schon mehr Disziplin, weil natürlich immer ganz viel anders anliegt, das schreit: „Ich bin auch wichtig! Das ist jetzt ganz dringend! An dem Buch kannst du auch morgen weiter schreiben! Usw.

Da hilft wie bei allen anderen Dingen auch, eine Gewohnheit und Routine einzurichten. So wie ich morgens erst mal auf die Yogamatte gehe und meine Übungen mache, verbiete ich mir Outlook zu öffnen, sondern gehe nur an den Ordner „Veröffentlichungen 2009“. Denn wenn ich erst einmal angefangen habe, ist es nicht mehr schwer. Im Gegenteil, dann macht es sofort wieder Spaß.

Es ist ja bei vielen Motivationsthemen so: wenn man den ersten Schritt getan hat, läuft es von selbst.

Daher kann man hier mit dem Trick der „Mini-Handlung“ arbeiten.
Nehmen Sie sich nur einen ganz winzig kleinen ersten Schritt vor- nicht mehr- und seien Sie stolz und zufrieden, wenn Sie ihn erledigt haben. Danach „dürfen“ Sie dann wieder etwas anderes tun. Das machen Sie eine Woche lang jeden Tag und in der nächsten Woche kommt der zweite kleine Mini- Schritt hinzu.
Die Mini-Handlung muss so klein und harmlos sein, dass Sie überhaupt keinen Misserfolg haben können, da es Sie nur eine Minute kostet. Und vor allem der innere Schweinehund sie überhaupt nicht bemerkt und daher auch nicht aktiv wird.

Was Ihnen schlimmstenfalls passieren kann: Sie machen mehr als nur diese Mini-Handlung, weil der Stein eben ins Rollen gekommen ist.

Wie gliedere ich ein Buch? Wie behalte ich den Überblick?

Als wir bei Schulaufsätzen zuerst eine Gliederung schreiben sollten, hatte ich damit immer große Mühe. Denn ich wusste vorher nie so genau, was ich schrieb. Meine Gedanken entwickeln sich beim Schreiben.So habe ich mir mit einem Trick geholfen, zwei Seiten frei gelassen, den Aufsatz geschrieben, geschaut, was ich geschrieben habe und danach die Gliederung eingefügt.

Das hat sich schlagartig geändert, als ich Mind Map® kennen lernte.Plötzlich kann ich vorher gliedern und mir einen Überblick verschaffen. Sogar beim Bücher schreiben, was ja etwas umfassender ist als ein Schulaufsatz.

(Das bestätigt mir wieder die These, dass das Denken bei einem Mind Map® anders verläuft als bei linearem Schreiben).

In den Haupt- Ästen lege ich die Kapitel an, daran kommen die Unterzweige mit weiteren Stichworten. Ein Mind Map® ermöglicht es mir auch, nicht nur inhaltliche Stichworte festzuhalten, sondern auch alles andere, das mir gerade so als Idee durch den Kopf schießt. Seien es konkrete Beispiele oder Fotos oder dass ich einen Kollegen dazu etwas fragen möchte. Das kann ich mit Farben kennzeichnen und erkenne so mit einem Blick, wo ich noch etwas nachsehen oder einfügen möchte.

Natürlich passiert es trotzdem, dass ich beim Schreiben auch noch andere Gedanken und Schwerpunkte entwickle. Die kann ich dann ja problemlos auch wieder ins Mind Map® einbauen.

Aber ich weiß zumindest im Groben, wohin die Schreib- Reise geht.Was ja auch notwendig ist, um einem Verlag ein Expose anbieten zu können. Dazu lesen Sie mehr im nächsten Beitrag.

9 Antworten “Über das Schreiben von Fachbüchern - 2”

  1. Angelika King schrieb:

    Liebe Zamyat,

    vielen Dank für dieses Thema - da bekomme ich doch gleich die eine oder andere Anregung. Zum Beispiel die, das Schreiben mit einem kleinen Urlaub zu verbinden :)

    Und die Idee mit der Mini-Handlung finde ich auch richtig gut.

    Liebe Grüße,

    Angelika King

  2. Zamyat M. Klein schrieb:

    Liebe Angelika,

    das freut mich!
    Die Mini- Handlung ist auch dem Buch von Mary LoVerde: Wege aus der Stressfalle (oder so ähnlich).

  3. Ingrid Meyer-Legrand schrieb:

    Liebe Zamyat, da hole ich doch gleich meine Unterlagen wieder aus der Schublade!!! Es ist sehr inspirierend, was Du schreibst. Insbesondere die Mini-Handlungen regen sofort an, los zu legen! Hier zeigt sich mal wieder, dass die kleinen Erfolge die entscheidenden Erfolge sind: Den Mount Everest kann man eben auch nur besteigen, wenn man einen Fuß vor den anderen setzt und jeden dieser kleinen Schritte als Fortschritt würdigt. Danke für diese Anregung! Herzliche Grüße, Ingrid

  4. Zamyat M. Klein schrieb:

    Liebe Ingrid,

    schön, dass ich dir auch einen Schupps geben konnte. Ich habe ohnehin noch eine Literaturempfehlung(zu deinem Projekt)für dich aus der Türkei mitgebracht- traf dort eine Therapeutin aus Berlin (zu deinem Projekt), schicke ich dir per Mail.

    Liebe Grüße
    Zamyat

  5. Ingrid Meyer-Legrand schrieb:

    Da bin ich ja jetzt gespannt.
    Danke, Zamyat!
    Einen schönen Tag wünsche ich Dir!
    Ingrid

  6. Dagmar von Consolati schrieb:

    Liebe Zamyat,
    toll, auf diese Weise beim Schreiben dabei zu sein, na ja: fast...
    Danke für diesen und die folgenden ( auch die vorigen( sehr informativen Artikel von Dir. Ich habe ja schon viele Deiner Bücher genossen und auch umgesetzt. Aber eines über das Schreiben fehlt noch... wer weiß?!
    Wünsche Dir einen schönen Abend! :-)

  7. Zamyat M. Klein schrieb:

    Liebe Dagmar,

    da pflanzt du ja wieder eine Idee..., habe auch schon eine entsprechende Mail bekommen. Aber zu dem Thema fühle ich mich (noch) nicht berufen. Außerdem lauert da ja noch der Roman oder Krimi im Hintergrund, vorher noch einige konkrete Methoden- CD- ROMs, wenn das Suggestopädie-Buch fertig ist. Es wächst und gedeiht und ich habe den Eindruck, dass es dazu vielleicht noch einen zweiten Band geben könnte mit Praxisbeispielen auch anderer Kollegen... wer weiß.

  8. Marie-Thérèse Walz schrieb:

    Liebe Zamyat,
    vielen Dank für die Tipps.
    Durch das Schreiben von Lernkonzerten für den Suggestopädie-Unterricht (Fach Französisch)habe ich Lust bekommen mehr zu schreiben.Mal sehen !
    Marie-Thérèse

  9. Zamyat M. Klein schrieb:

    @ Marie-Therese
    Dann viel Erfolg und Freude beim Schreiben!

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