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Meditation in der Sahara

 

Meditation in der Sahara

Nun ging also endlich das eigentliche Retreat los...

Jeder suchte sich nicht nur einen individuellen Schlafplatz- weit von den anderen entfernt, sondern auch einen Meditationsplatz.

Bei manchen war das identisch, andere wollten tagsüber weiter hinaus, aber alle suchten einen Platz, wo zumindest ein kleiner Strauch in der Nähe war. Denn den ganzen Tag in der prallen Sonne zu sitzen, hätte die Erleuchtung nicht unbedingt näher gebracht.

Da das Retreat im Schweigen verlief, sollten die Teilnehmer auch keinen Kontakt miteinander haben. Sie trafen sich nur gemeinsam zu den Mahlzeiten, die die Beduinen an eine vereinbarte Stelle brachten und dort von den Teilnehmern abgeholt wurden:

Ansonsten führte jeder aber individuell seine Übungen durch, möglichst ohne Sicht- und Hörkontakt mit den anderen, da manche Übungen gesprochen oder getönt werden.

Tagesablauf

Wir begannen morgens um 6:30 Uhr mit einer gemeinsamen Frühmeditation im Stile des ZaZen, das heißt, dass wir schweigend in einer Reihe auf einer Düne saßen bei Sonnenaufgang.
Dann war es noch sehr kalt und wir waren alle froh über unsere Burnusse, in die wir eingewickelt waren.

Anschließend  schweigendes Frühstück und dann zog jeder an seinen Meditationsplatz.

Zum Mittagessen und Abendessen war ebenso gemeinsames Treffen vor unserem Zelt (so konnte man mittags im Schatten essen).

Abends gab es dann wieder eine gemeinsame Meditation, den traditionellen Sufi- Dhikr unterm Sternenhimmel.

Einzel- Retreat

Als Retreatguide traf ich mich jeden Tag mit jedem Teilnehmer zu einer fest vereinbarten Zeit. Dort setzten wir uns gegenüber und meditierten gemeinsam zur Einstimmung.
Dies war die einzige Situation, in der die Teilnehmer sprechen "durften", manche verkehrten auch mit mir nur per Zettelnotizen:

Ich fragte, wie sie mit den Übungen des Vortages klar gekommen sind und gab ihnen (nach der Meditation) die nächsten Übungen.

Das ist der Teil, der etwas geheimnisvoll ist. Die Übungen werden individuell gegeben nach dem, was bei dieser Face to Face Meditation in mir an Themen und Übungen auftaucht. Ich hatte selbst lange Mühe, dieser Art von "Intuition" zu trauen, auch wenn ich eine jahrelange Ausbildung gemacht hatte.
Einzig die Erfahrung zeigte mir, dass es offensichtlich passend war.

Zumal sich mit der Zeit mein eigener Stil herausbildete. Ich gab nicht nur klassische Sufi-Meditationsübungen (Wazifa), sondern es stiegen Verse, Texte, Gedichte, Gebete in mir auf, die ich notierte und den Retreatants mitgab.
Und oft kam dann die Rückmeldung, dass ich ins Schwarze getroffen habe und genau ein Thema angesprochen habe, mit denen sie sich gerade herumschlugen.

Denn so ein Retreat ist kein Pappenstil. Die Retreatants durchlaufen zum Teil sehr tiefe Reinigungs- und Klärungsprozesse. Durch die weite und fremde Umgebung und das Schweigen wurde das natürlich enorm verstärkt. Aber auch sehr erleichtert. Mitten im Alltagsgetümmel kann man sich solchen Prozessen nicht hingeben und ausliefern.

Ich habe selber einige Retreats gemacht. Es kann dabei sehr schmerzhafte Phasen geben und sehr beglückende. Oft war es einfach anstrengend bis langweilig. Mein Gott, was saß ich da rum? Ich bekam einen unbändigen Drang, etwas zu tun, und sei es mein Haus zu putzen, was sonst nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehörte.

Doch hier in der Wüste- was sollte man tun?

Ablenkung gab es dennoch genug. Mal war es zu warm, dann war es zu kalt. Der Wind wehte einem den Sand ins Gesicht, ins Essen, in die Kleidung. Die Fliegen nervten, die Skorpione ängstigten. Die anderen Teilnehmer stürzen sich zu gierig aufs Essen oder meditieren zu laut. Sie sind zu nah oder zu weit.
Das Essen schmeckt nicht oder ist zu wenig und immer das gleiche.
Die Retreat- Guide ist blöd, die hat es gut, die kann mit den Beduinen quatschen und essen, in der Sonne sitzen...

Die ganze Projektionsleinwand ist erst einmal rappelvoll.
Bis sich unser Geist zur Ruhe begibt, das dauert etwas. Der Motor muss erst einmal langsam herunter fahren.
Und plötzlich nimmt man den Zauber wahr.
Dieser klare Morgen, die Luft noch kalt, die Sonne langsam wärmend. Der Wüstenvogel, der wie ein Flötekessel klingt, das Gurgeln der Kamele.

Und zwischendurch Momente einfacher Stille, einfachen Seins. Nur sitzen, mit dem Hintern im warmen weichen Sand. Der Blick endlos, keine Häuserwand, der den Blick stoppt. Keine Geräusche von Verkehrslärm. Sonne und Wind auf der Haut spüren, Atem wahrnehmen...
Dann beginnen, das Wazifa zu tönen oder zu sprechen... Eine Mala lang ... und dann wieder ins Schweigen sinken, tiefer die Bedeutung des Klanges wirken lassen...

"Ich glaube, ich habe Durst und koche mir jetzt einen Tee" - und zack, ist man wieder raus aus diesem seltenen Moment. Also Holz sammeln, mit den Streichhölzern kämpfen, die der Wind immer wieder ausbläst und schließlich ein Feuerchen in Gang setzen. Wie ein Beduinenprofi die Teeblätter mit der hohlen Hand abmessen, Zucker und Wasser rein und das Kännchen aufs Feuer stellen.

Dem Prötscheln lauschen und den süßen Geruch wahrnehmen. Das ist doch auch schon fast wie Meditation- oder?
Ein paar schöne Steine fallen ins Auge - ach, und da ist wieder dieser lustige Käfer, der so ähnlich klingt wie "Rumfass"...
Ob es schon bald Mittag ist, dann kann ich ja wieder zum Lager zurück... Was, erst 10 Uhr?
Also noch ne Runde....

"Ich könnte ja die Erlebnisse erst mal in mein Tagebuch schreiben, das gehört ja auch dazu. Und das war doch eben schon ein tolles Erlebnis, so richtig die Stille wahrzunehmen..."

"So, nun muss ich aber wirklich meine Übungen weiter machen..."

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