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Fortbildungs- Droge

Offensichtlich bin ich ein Fortbildungs-Junkie!

Seit ich die quälende Erfahrung von Schule und Uni hinter mir gelassen habe und entdeckte, wie mir Lernen doch auch Spaß machen kann, bin ich fortbildungssüchtig geworden.

Wie viele hunderte Fortbildungen ich schon besucht habe (zusätzlich zu meinen mehrjährigen Ausbildungen), kann ich kaum noch zählen.
Und gestern wurde mir das Ausmaß noch einmal sinnlich konkret vor Augen geführt- das brauchen wir Kinästheten ja, um etwas wirklich zu "begreifen".

Ich suchte nämlich für mein neues Buch, an dem ich gerde schreibe, Unterlagen zu einer Fortbildung, die ich mal bei Robert Dilts gemacht hatte.

Normalerweise finde ich Dinge schnell mit dem hervorragenden Classei- System. Nur merkte ich, dass ich beim Thema "Fortbildungen" noch nicht das Ordungs- Prinzip "Gleiches zu Gleichem" umgesetzt habe. Da fand ich hier eine Orga- Box, im anderen Regal eine weitere- und kam so die Idee, sie alle herauszunehmen und hintereinander auf einen Tisch zu stellen.

Und da traf mich der Schlag! Das, was Sie auf dem Foto sehen, sind lediglich Fortbildungen der letzten Jahre!

Kritische Gedanken

Seit einigen Jahren versuche ich mich da etwas am Riemen zu reißen- oder mir zumindest bewusst zu machen und bewusst zu wählen: "Brauche" ich das jetzt wirklich? Oder gönne ich es mir nur als Freizeit-Hobby?

Denn es ist ja durchaus okay, mir eine Fortbildung zu gönnen, wo andere kegeln gehen oder Golf spielen. Aber es ist eben ein zusätzlicher Luxus, den ich bewusst wählen sollte - und nicht mit dem Gefühl: "Das brauche ich jetzt unbedingt, um mich weiter zu qualifizieren."
Gerade bei Frauen steckt da oft auch so ein Gefühl dahinter: "Ich bin noch nicht gut genug!"
Oder bei mir oft so ein Gedanke: "Wenn ich diese Fortbildung noch mache, dann habe ich den Stein des Weisen gefunden." Dann bin ich erfolgreich, glücklich oder was auch immer gerade das Ziel ist.

Es scheint natürlich ein wenig verrückt, dass ich hier kritische Fragen zu Fortbildungen stelle, wo ich selbst damit meine Brötchen verdiene, andere weiter zu bilden. Natürlich geht es mir nicht darum zu sagen, dass Sie keine Fortbildungen mehr besuchen sollen.

Aber vielleicht lohnt es sich, sich seine Erwartungen und Motive etwas klarer zu machen.

Zu den Erwartungen
Den Stein des Weisen habe ich noch in keiner Fortbildung gefunden. Es waren einzelne Elemente, die ich herausnahm und angewendet habe, die mir neue Schritte ermöglicht haben, meinen Alltag oder meinen Beruf angereichert haben. Damit war ich auch meist zufrieden.

Ich gehöre immerhin zu den Menschen, die Erkenntnisse aus Seminaren und Büchern auch umsetzen. Ich schreibe alles akribisch mit, male tausend Mind Maps voll und bearbeite es anschließend sofort und picke mir die Rosinen heraus. Und setze es dann auch um.

So integriere ich Gelerntes sehr schnell.
Doch es ist nur ein Bruchteil dessen, was ich da gelernt habe.

Wenn ich all das umsetzen wollte, was sich beispielsweise in den Boxen auf dem Foto befindet, hätte ich die nächsten Jahrzehnte noch genug zu tun.

Daher besteht also keine Notwendigkeit zu weiteren Fortbildungen mit weiteren Anregungen und Inputs. Das sollte ich mir ehrlicherweise klar machen.

Wenn ich es mir bewusst als nette Freizeitbeschäftigung wähle, ist es okay. Aber wenn ich es so bewerte, dann schaue ich vielleicht doch etwas genauer hin. Habe ich jetzt die Zeit dazu? Lässt es mein Budget zu?

Online- Fortbildungen

Vor allem liebe ich ja in den letzten Jahren Online- Fortbildungen oder Kombinationen von Telefonseminaren mit Online- Foren.

Da kann ich jederzeit in meinem Rhythmus arbeiten, wann und wo ich will. Ich habe gleichzeitig sehr nette und bereichernde Kontakte mit anderen Teilnehmern bekommen.

Das ist zum Teil eins meiner Hauptmotive. Als Trainerin hat man ja oft einen einsamen Job. In solchen Foren konnte ich mich dann regelmäßig mit Kollegen über die aktuellen Themen austauschen, wir haben uns gegenseitig unterstützt. Es war oft ein kollegiales Coaching, das ich sehr schätzen gelernt habe.
So beispielsweise bei dem neunmonatigen Projekt von Monika Birkner, das Business Re-Birthing.
Das war schon schmerzhaft, als die Zeit vorbei war und damit die regelmäßige Begleitung, der Austausch und die vielen Anregungen.
Es hat mir enormen Spaß gemacht - und mich auch deutliche Schritte weiter gebracht.

Das eigene nach außen bringen

Trotzdem bin ich offensichtlich gerade an einem Punkt, wo ich mal etwas selbstkritischer mit mir umgehe.
Ich weiß, dass ich nicht nur durch die hunderte von Fortbildungen, sondern auch aus mir selber noch unendlich viele Ideen, Projekte und Themen in mir habe. Ich brauche im Moment nicht noch mehr Input und weitere Anregungen.

Wenn ich auch nur einen Bruchteil von dem umsetze, was da schon in mir simmert, dann reicht das für den Rest meines Lebens.

Angebote an Online- Seminaren

Von einigen Online- Fortbildungen war ich auch enttäuscht: sie waren sehr technisch und die Trainer waren zwar fachlich sicher fit, konnten es aber nicht unbedingt methodisch gut nahe bringen. Die Ergebnisse liegen nun ungenutzt in den Classei-Mappen.
Da hätte ich genau so gut ein Buch lesen und mich da durch wurschteln können.

Mein Einstieg in die Welt der Online- Seminare war der "Nasenfaktor" von Heide Liebmann. Das hat mir einen solchen Spaß gemacht, dass ich gleich selbst als Trainerin in die damalige Workshopwelt eingestiegen bin.
Da stimmte einfach alles: Die Inhalte der Lektionen, die Betreuung durch die Trainerin und der Austausch in der Gruppe, die einfach super war. Das hat sozusagen Maßstäbe gesetzt, die selten wieder eingeholt wurden.

Die Fortbildungen bei Frau Birkner (ich habe mehrere gemacht) hatten alle eine tiefe inhaltliche Qualität. Das Forum ist von der Form und den technischen Möglichkeiten her leider absoluter Minimalstatus- verglichen eben mit den anderen Foren, die ich so kenne.

Ich selber richte zurzeit auch ein Forum ein, wo ich spätestens ab Sommer auch wieder Online- Seminare anbieten möchte. Ich habe schon öfter über die Besonderheiten und Qualitäten von Online- Seminaren geschrieben- und werde es dann auch wieder tun. Denn leider haben viele Menschen - und gerade Trainer- da sehr viele Vorurteile. Und wie das oft so ist, entstammen diese Vorurteile reiner Unkenntnis.

Ich als die suggestopädische Präsenztrainerin schlechthin konnte mir das vor meiner ersten eigenen Erfahrung auch nicht vorstellen. Und bin dann blitzartig umgeschwenkt. Sicher haben Online- Seminare gegenüber Präsenzseminaren einige Einschränkungen. Sie haben aber auch jede Menge Vorteile, die Sie hier nachlesen können:

Präsenzseminare kontra Online- Seminare?
Vor- und Nachteile von Online- Seminaren
Wie kann ich die Nachteile von Online- Seminaren kompensieren?
Wie sehen Online- Seminare konkret aus?

2 Antworten “Fortbildungs- Droge”

  1. Annja Weinberger schrieb:

    Liebe Zamyat,

    scheint mir ja eher eine harmlose "Sucht", von der obendrein auch noch deine Kund/innen profitieren. Aber ich verstehe deine Bedenken - es kommt ja in der Tat immer auf die Motive an, die Glaubenssätze, die wir mit etwas verbinden. Also, vielleicht ist jetzt mal eine Zeitlang Fortbildungs-Diät bei dir angesagt. Aber so wie wir uns immer mal ein neues Buch kaufen oder ein hübsches Kleidungsstück (ohne gleich einkaufssüchtig zu sein), können wir uns ja auch Fortbildungen gönnen. Als Inspiration, zum Austausch mit anderen. Ist sicher auch eine Frage des Timings. Bei dir hört es sich so an, als stehe jetzt erst mal 'besinnen auf die eigenen inneren Schätze' an. Beides hat was.

    Herzlichst,
    Annja

  2. Zamyat M. Klein schrieb:

    Liebe Annja,

    ja, das ist ein schöner Vergleich mit dem neuen Buch oder schönen Kleid. Und in der Tat ist es nicht so, als ob ich es mir jetzt komplett verbieten wollte. Ich möchte nur etwas bewusster damit umgehen und nicht diesem Sog erliegen. :-)

    "Besinnen" hat mich erst mal an besinnlich erinnert- das ist sicher nicht meine aktuelle Phase. Sondern einfach meine ganze Energie auf das richten, was ich von mir geben will und in die Welt setzen. So schreibe ich ja aktuell wie wild an einem Buch (und zwei weitere Methoden- CDs stehen für dieses Jahr noch auf dem Programm) und eben das Online- Forum etc.

    Gerade beim Schreiben merke ich ganz deutlich, wie viel ich schon gesammelt oder selbst entwickelt habe. Ich schreibe und schreibe, ohne dass ich oft irgendwo was nachschlagen oder lesen muss.
    Da ist noch locker Stoff für 5 weitere Bücher :-), aber wie sagte schon Frau Dr. Eberlein:"Eins nach dem anderen".

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