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Schulz von Thun: Die Trainer- Rolle- weg von der armseligen Purzelente

Am Samstagmorgen war Schulz von Thun der Keynote Speaker zum Thema:
"Die Trainer- Rolle: Zwischen Professionalität und Menschlichkeit.
Ein Rückblick auf die Bewusstseinsentwicklung des Trainers Friedemann Schulz von Thun
."

Wie schon durch seine kurze Rede am Freitagabend erwartet, war auch dieser Vortrag ein Genuss. In mehrfacher Hinsicht.
Diese Kombination aus interessanten Informationen, verständlicher und lockerer Darstellung, einem ungheuren Witz und dazu noch eine absolut sympathische und menschliche Ausstrahlung- die trifft man wirklich selten!

Und inhaltlich war es für mich (die ich ja nun auch schon 29 Jahre Trainerdasein hinter mir habe) ein innerer Vorbeimarsch. Sentimentale Erinnerungen keimten auf, Ertapptsein, neue Glühbirnen und jede Menge Anregungen, was ich nun damit mache.

Seine Ausgangsthese war:
Die Trainer- Aufgabe besteht darin, Wissen in Können zu verwandeln.

Doch der "strahlende Phoenix" voller Gelehrsamkeit wandelte sich schnell in eine "armselige Purzelente" mit Praxisschock, wenn er das erste mal vor leibhaftigen Menschen stand (Trainer vor Teilnehmern, Lehrer vor Schülern).

Die inneren Anteile der Trainer- Rolle

Friedemann Schulz von Thun ging auch sehr offen auch mit Fehlern um, die sie anfangs in ihrer ersten Trainer- Euphorie als "flotter Turnschuh, locker vom Hocker" begangen hatten.
Hehre Ziele gepaart mit einfachen Erklärungsmodellen: Das ist falsch und das ist richtig. Auf köstliche Art dargeboten. Garniert mit Fotos aus alten Zeiten.

Zuerst war da nur der Dozent, der das Wissen vermittelt und der Übungsleiter, der das "richtige" Verhalten trainiert.

Sein damaliger Lehrer war Reinhard Tausch. Die Erkenntnis, die sie vermitteln wollten: Auch zwischenmenschliches Verhalten ist trainierbar. Ziel war die „innere Demokratisierung“, das Erlernen eines partnerschaftlichen Miteinanders zwischen verschiedenen Interaktionspartnern.

Erweitert hat er sein Modell dann unter anderem durch seine Begegnung mit Ruth Cohn und dadurch gelernt: Auch die Gruppenprozesse sind wichtig.

Sehr schön beschrieb er:
Trainer sind oft eine Mischung von genervt und hilflos. Sie haben die Hoffnung, dass die Teilnehmer nett sind und alles toll finden. Wenn das dann nicht so war, versuchte er zwei Dinge:
1. mit Engelszungen reden "Wir sollten doch hier..." oder
2. mit einem Vortrag!
Nun ging es darum zu lernen, wie gehe ich mit einer Gruppe um, deren Teil ich bin?

So kam auch noch der Gruppenleiter und Prozessmoderator zur Trainer- Rolle hinzu.

Ein weiterer Aspekt: du als Trainer bist selber auch wichtig. So kreierte er den Spruch: "Willst du ein guter Trainer (Führungskraft etc.) sein, dann schau auch in dich selbst hinein!"
Die Verbindung zu den Ansätzen der Humanistischen Psychologie führte weg von antrainiertem Idealverhalten.

So wurde der Klärungshelfer geboren, der - wie immer wenn etwas neu ist - den Selbsterfahrungsaspekt erst einmal überbetonte.

Doch einen weiteren Aspekt hatten sie noch übersehen. Im ursprünglichen Konzept gab es die Skala Gut- Böse, wobei nicht berücksichtigt wurde, dass das menschliche Verhalten dialektisch ist. So entstanden die "Paarlinge im Wertehimmel", die Erkenntnis, dass auch im Guten eine Gefahr lauert und das Schlechte etwas Gutes in sich trägt, das man bewahren sollte.

Dazu kam auch die Erkenntnis: "Wir dürfen gar nicht allen dasselbe beibringen, weil sie Unterschiedliches brauchen!"

Durch die Integration der Gegensätze kann eine dritte Qualität entstehen, die Regenbogen- Qualität.

Als weitere Rolle kam der Systemberater hinzu, der Systembewusstsein mit Selbst- Bewusstsein verbindet.

Und ganz zuletzt ("so ab ca. 60 Jahren") vervollständigt dann der Lebensphilosoph die Trainer- Rolle. Der um einiges im Leben weiß, sich nicht zum Erfüllungsgehilfen macht, Ziele auch mal in Frage stellt, der nicht nur klug, sondern auch weise ist.

Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun hat ganz sicher das erreicht, was er propagiert: die Verbindung von Menschlichkeit und Professionalität.

Sein persönliches inneres Dream-Team enthält den forschenden Wissenschaftler, den Praktiker, den immer weiter suchenden Lebenslehrling (der selbst von allen erarbeiteten Themen betroffen war ) und- den Spaßvogel!

Ein wunderbares Vorbild!

1 Antwort “Schulz von Thun: Die Trainer- Rolle- weg von der armseligen Purzelente”

  1. Dagmar von Consolati schrieb:

    Liebe Zamyat,
    ein wunderbarer Beitrag. Ich selbst habe seine Bücher verschlungen und viel aus den Inhalten umgesetzt. Den Vortrag kann ich mir richtig gut vorstellen. Du hast den Entwicklungsprozess für Deine Leser/innen so schön dargestellt. Danke!

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