Beduinische Tee- Zermonie
Tee trinken ist für die Beduinen eindeutig wichtiger als essen! Die Teezubereitung, gemeinsam am Feuer sitzen, Tee schlürfen und Geschichten erzählen, das ist ein wichtiger und beliebter Bestandteil des Alltags.
Ob in der Oase oder in der Wüste: Gäste werden als erstes mit Tee bewirtet.
Allerdings dauert das! Es ist nichts für ungeduldige westliche Menschen, die auf die Uhr schauen und überlegen, ob sie ihren nächsten Termin noch schaffen.
So gab es dann auch erst einmal zahlreiche Missverständnisse.
Als ich einmal alleine mit einem Beduinen in der Sahara unterwegs war, trafen wir manchmal auch auf andere Beduinen, zu denen sich mein Begleiter setzte, sie schwatzten und bereiteten Tee zu.
Auf meine Bemerkung hin, dass wir bald weiter ziehen sollten, meinte M. ja, gleich, er wolle erst noch einen Tee trinken.
Na klar, so wartete ich brav, wir tranken unser Gläschen Tee - und ich wollte aufspringen. Verdutzte Gesichter. Ja, aber nun hatte er doch seinen Tee getrunken, worauf noch warten?
Später erfuhr ich dann, dass immer 3 Runden getrunken werden müssen- alles andere ist unhöflich. Oder man lehnt von vorneherein die Einladung zum Tee ab.
Von einer Bekannten, die bei den Tuareg gewesen war, hörte ich von dem schönen Spruch:
Die 1. Runde bitter wie die Wahrheit,
die 2. Runde süß wie die Liebe
die 3. Runde leicht wie der Tod.
Die 1. Runde ist in der Tat eher bitter, dann wird noch etwas Zucker dazu geschüttet und etwas Wasser und prötschelt dann wieder eine Weile- bis die zweite Runde verteilt wird und schließlich kommt noch mal Wasser drauf für die 3. Runde, die daher "leichter" ist.
Dann fielen mir mit der Zeit noch andere "Regeln" auf:
Zuerst bekamen immer die Gäste den Tee (wie ich schon schrieb, gab es nie genug Gläschen, dass alle gleichzeitig hätten trinken können), und zwar wohl nach Rang oder auch nach "neu".
Die Beduinen tranken ganz zuletzt, vor allem der Tee- Meister ganz zum Schluss.
Mit der Zeit (ich habe ja acht mal dort Gruppen geleitet und kannte einige der Beduinen schon seit Jahren) wurde ich wohl mehr zur Beduinen- Crew gezählt. So bekamen erst meine Teilnehmer den Tee, dann ich.
Zuerst war ich verärgert: Mensch, ich will Tee!! Bis ich zu dieser Interpretation kam und ganz stolz war. So was nennt man im NLP Reframing :-).
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Die Tragödie
Bei einer meiner ersten Karawanen geschah nun das Unvorstellbare.
Wir waren einen Tag unterwegs gewesen und bauten das Lager für die nächtliche Rast auf. Zu dem abendlichen Ritual gehörte auch, dass ein Beduine sofort loszog, um Holz zu suchen, damit gleich ein Feuer gemacht werden konnte. Für Tee und für das Fladen- Brot, das in der Asche und Glut gebacken wird.
Plötzlich große Unruhe. Und ehe wir uns versahen, verschwand Abdallah eiligen Schritts in der Wüste, wieder Richtung Oase, von wo aus wir gestartet waren.
Was war los?
Sie hatten die Tee- Gläschen vergessen!!!
Das war die Oberkatastrophe. Zwei Wochen in der Sahara ohne Tee-Gläschen. Da halfen auch unsere Trinkbecher nicht.
Ich weiß nicht mehr, wann Abdallah zurück kam, ob noch in der Nacht oder am nächsten Morgen. Er war natürlich völlig fertig und rollte sich erst einmal in eine Decke und legte sich unter einen Strauch schlafen.
Während wir alle begeistert endlich unseren Tee trinken konnten...
Samstag, 07-03-09 21:51
Mir imponiert und gefällt die Gelassenheit der Beduinen. Ganz in Ruhe 3 Runden Tee trinken. Diese Gelassenheit geht uns völlig ab, dabei würde sie uns nur gut tun. Wer durch das Leben hetzt, eilt nur dem Tod entgegen.
Montag, 09-03-09 06:40
Hallo Herr Lalk,
ja, das ist auch noch ein zusätzlicher Aspekt- dieser andere Umgang mit der Zeit. Überhaupt mit "Planung" und "Zeitmanagment". Da könnte ich ganze Bücher drüber schreiben. Was ich von den Beduinen lernen konnte (oder könnte :-).
Das finde ich überhaupt das Lehr-reiche an der Begegnung mit anderen Kulturen:
wie plötzlich selbstverständliche Dinge in Frage gestellt werden und man erleben kann, wie andere Menschen genau das Gegenteil denken, tun, meinen, werten... Das bringt einen zumindest dazu, das eigene mal zu reflektieren.
Kleines Beispiel: was in anderen Kulturen höflich und unhöflich ist. Das kann das genaue Gegenteil sein wie bei uns. Und da sieht man: das sind keine ehernen Gesetze, sondern sie sind entstanden und gemacht aus der jeweiligen Kultur.
Und wenn man die Unterschiede eben "kennt", dann hilft das bei vielen Missverständnissen. Ein uraltes Thema:
Toleranz gegenüber "Anderem" können wir nur erlangen, wenn wir uns damit auseinander setzen und verstehen lernen. Dann könnten verschiedene Konflikte verhindert werden - nicht nur interkulturelle.
Intoleranz entsteht wohl immer aus Angst vor dem Unbekannten.