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Inspirierende Irritation mit Tiefgang

Der Inhalt

 Im 1. Set „Das Gehirn“ hat der Autor eine Menge aktueller Literatur über unser Gehirn, seine Denk- und Verarbeitungsmuster, die Funktion der Intuition, Besonderheiten der Wahrnehmung und des Erinnerns zusammen getragen und mit eigenen Gedanken ergänzt. (Die entsprechende Literaturliste liefert er auch mit).

Das ist natürlich eines der spannendsten Themen überhaupt und lässt sicher die meisten Suggestopäden Neuland betreten. Unser beliebtes und ausgelutschtes Hemisphären-Modell wird nicht einmal erwähnt. Es hat wie alle Modelle sicher brauchbare Dienste geleistet in der Annäherung an ein Verstehen, sowie es in der Geschichte immer wieder revolutionäre Gedankenmodelle gab, die die Menschen einen Schritt weiter brachten. Und die trotzdem eines Tages überholt sind oder dringender Ergänzungen bedürfen.

Hier sind nun viele neue differenzierte (und ebenso wenig end-gültige) Erkenntnisse und Denkmodelle zu finden. Da könnte man noch sagen: „Fleißarbeit“, die uns viel Arbeit abnimmt.

Doch Ralf Besser geht darüber hinaus. Er fragt sich nämlich: „Was haben diese Erkenntnisse denn für Auswirkungen auf unser Lehren und Lernen? Wie kann ich es in Trainings und Seminaren erfahrbar und nutzbar machen?

Dazu hat er das 2. Set „Neuro-Didaktik“, in dem er zu jedem Thema aus Set 1 eine oder mehrere Interventionen und Methoden entwickelt hat.

Konkrete Beispiele

Damit Sie als Leser eine Vorstellung von den Karten bekommen, hier drei konkrete Beispiele:

 * In Set 1 gibt es eine Karte Nr.2, Konsistenzregulation (Überprüfung auf Stimmigkeit), auf der erläutert wird, dass Informationen oder Eindrücke immer und eher unbewusst auf persönliche Übereinstimmung hin überprüft werden. Hierzu gibt es in Set 2 vier Karten mit konkreten Interventionsangeboten: „Einwandbehandlung“, „Konsistenz-Check“, „Pendel-Check“ und „Die 100 % Frage“.

* Die Karte Nr. 6 Betrifft die Emotionen, auf der erläutert wird, dass Wissen immer mit erlebten Gefühlen zusammen abgespeichert werden.Hierzu gibt es in Set 2 wieder vier Karten mit konkreten Interventionsangeboten: „Brettspiel“, „Lernspiele“, „Wirbelgeschenk“ und „Umfeldgestaltung“.

Alles Punkte, die uns Suggestopäden wohl vertraut sind- und die hier noch einmal eine theoretische Begründung erfahren.Persönlich würde ich hier noch als Beispiel das mentale Training ergänzen (Positives Denken, NLP usw). das ja auch damit arbeitet, dass Gedanken und innere Bilder immer auch mit Gefühlen verbunden sind- die von unserem Gehirn so erlebt werden, als seien sie jetzt real.

* Die Karte Nr. 7, Vigilanz, behandelt die Wachheit über die Zeit und die selektive Aufmerksamkeit. Dazu gibt es in Set 2 eine Intervention: „Überraschungen“, die mir spontan besonders gefiel. Hierbei wird die Aufmerksamkeit der Teilnehmer durch ungewohnte Sprachmuster des Trainers während einer Präsentation aktiviert. Beispiele solcher Trainer- Fragen: „Wenn die Antwort zu dem Thema JA ist, wie muss dann eine Frage lauten?“ - „Wenn Ihr Lebenspartner die ganze Zeit zugehört hätte, welche Frage würde er jetzt stellen?“ Oder: „Ich überlege mir gerade...Pause....: Nein, ich sage es lieber nicht.“

Damit haben Sie ganz sicher die Aufmerksamkeit Ihrer Teilnehmer!

Einen besonderen Schwerpunkt legt der Autor auch auf Interventionen zum Thema „Lernen mit dem Unbewussten“ und „Haltungen gegenüber dem Lernstoff“.

Meine persönliche Annäherung an die Kartensets: Von der Erst- Irritation zur Begeisterung

Als ich die zwei Karten- Sets neu in der Hand hielt, war ich erst einmal irritiert. Und wie ich Ralf Besser kenne, findet er das per se gut. Denn er möchte Menschen aufrütteln, zum Nachdenken bewegen, an Gewohnheiten kratzen – um wirkliche Veränderung zu ermöglichen. Er ist also gerne unbequem.

Die 1. Verwirrung rührte bei mir daher, dass ich mit „Kartenset“ automatisch „Kartenspiele“ assoziierte, zumal ich ja in meinen Seminaren gerne spielerisch arbeite. Doch weit gefehlt. (Wobei mich natürlich sofort der Ehrgeiz packt, ob ich es nicht doch schaffe, auch hieraus ein Spiel zu entwickeln :-)).

In dem Zusammenhang springt mich auch mein allseits präsentes Lerntypenmodell an. Hier prallen die Unterschiede krass und deutlich aufeinander. Obwohl ich auch in vielen Punkten visuell bin, taucht hier erst einmal mein Kinästheten- Teil lautstark auf. Und der stößt an vielen Ecken an. Hier sein Kommentar:

„Kein Spiel- okay! Warum denn dann in Kartenform?“ Für Kinästheten im Stress die Herausforderung schlechthin. Denn dann werfen sie leicht etwas runter, die Karten sind auch sehr flutschig – und das würde erst einmal Chaos verursachen. Zwar sind die Karten innerhalb eines Kapitels durchnumeriert.

Aber die Kapitelübersicht befindet sich eben auch auf einer Karte, die irgendwo verschwinden kann und sie haben keine eigene Nummerierung. Erst später entdecke ich unten auf der Rückseite der Karten die jeweilige Kapitelüberschrift. Tipp: Hier auch durchnumerieren!
Würde ich so schnell die richtige Logik erkennen, um die Karten wieder richtig zu ordnen?

Warum also Karten?
Gerade beim 1. Set, wo es nur um geballte Informationen geht, wäre eine Buchform genau so sinnvoll – und mir persönlich auch lieber und praktischer. Das kann ich leichter im Zug einstecken, lesen, rumblättern, markieren...

Da merke ich nämlich bei dem Karten- Set eine große Scheu. Ich habe Hemmungen, hier meine Textmarker zum Einsatz zu bringen. Sie sehen so edel aus.

Hier möchte ich erwähnen, dass Ralf Besser die Karten komplett selbst hergestellt hat. Auch sämtliche Zeichnungen auf der Vorderseite einer jeden Karte, die ein wenig an japanische oder chinesische Tuschezeichnungen erinnern und mit wenigen Strichen das Wesentliche darstellen- eine Kunst für sich!

Methodische Fundgrube

Ich als absoluter Methoden- Freak stürze mich natürlich freudig auf die Fundgrube von Methoden im zweiten Set. Nur – für mich als Kinästhetin sind manche zu allgemein. Kinästheten brauchen immer konkrete Beispiele, um abstrakte und theoretische Erläuterungen zu begreifen. So erzähle ich es immer in meiner „Lerntypen- Einheit“ im Seminar – und erlebe es hier wieder am eigenen Leibe.

Kommentar des Autors: „Dafür war auf den Karten kein Platz!“ Ich: „Warum dann nicht in Buchform?“ – R.B.: „Weil ich fast nur noch mit Karten arbeite und sie für mich sinnlicher sind.“ – Aha!)

Dennoch finde ich hier reichlich Ausbeute. Denn als leidenschaftliche Methoden- Erfinderin entdecke ich meist auch Ansätze in Methoden, die ich vielleicht nicht ganz verstehe. Dann ändere ich sie eben um. Da bin ich nach 29 Jahren Trainerpraxis ja ganz unerschrocken. Es sind ja alles Angebote. Und wie bei Kreativitätstechniken üblich, entstehen aus den Impulsen A und B neue Ideen C und D.

Bei intensiverer Auseinandersetzung mit dem Thema aus Set 1 und den Methoden aus Set 2 kapiere ich auch durchaus viele Interventionen. Es bleibt der gleiche Effekt: Sofort fallen mir noch andere Zusammenhänge ein, wo ich sie so oder verändert einsetzen könnte. Das allein macht ein Buch für mich immer schon lohnenswert: wenn es mich zu eigenen Ideen anregt.

Eigene Arbeit an und mit den Karten

Das führt zu einem weiteren Punkt, den der Autor im Gespräch auch erwähnte: Diese Kartensets sind sicher nicht so geeignet für Einsteiger, die noch wenig methodische Erfahrung haben. Zumindest haben sie noch mehr daran zu kauen. Aber schadet das?

Wir lernen ja oft in der Auseinandersetzung und Klärung am meisten. Das bleibt dann auch wirklich hängen, was ich mir so „mühselig“ erarbeitet und erschlossen habe. Tüftler und Forscher, visuelle Neugierige werden sicher großen Gewinn aus diesen Karten ziehen.

Und schon fällt mir auch eine Variante für auditive Trainer ein (Auditive Lerner müssen vor allem selber sprechen, um Dinge verstehen und lernen zu können!)

Sie können sich 1 Thema vornehmen und sich darüber austauschen. Was haben sie verstanden? Was ist die Kernaussage? Wo sind noch Fragen? Was bedeutet das für ihre Arbeit, ihr konkretes nächstes Seminar usw.

Anschließend können sie es dann den Kinästheten erklären oder mit ihnen konkrete Interventionen durchführen, die sich in der Zwischenzeit die Bilder angeschaut haben und die Karten abgetastet haben. (*Scherz*)

Noch ein kleiner Tipp für den Autor:
Bedauerlich finde ich, dass mir im 1. Set sofort Fachbegriffe ins Auge springen, die nicht erklärt sind. Anregung: Da auf den Karten kein Platz ist, diese mit kleinen Nummern versehen, die hinten in einem Glossar zu Gehirn- Fachvokabular erklärt werden.

So keimen unentwegt weitere Einsatz-Ideen für diese Sets in mir auf.Als visuelle Trainerin kann ich durch eine solche Intervention den Kinästheten die Inhalte von hinten herum nahe bringen. Denn Kinästheten wollen erst selbst tun, dann erst die Erklärung.

So wird das viereckige Karten- Set doch zu einer runden Sache, wenn ich mich von der Erst-Irritation nicht abschrecken lasse, sondern es als Herausforderung sehe. Kinästheten sind ja risikofreudig und lieben ja auch Neues und Aufregendes– und mein visueller Teil hatte den Ehrgeiz, das auch in der Tiefe zu erschließen.

Selten so viel gelernt...

Zusammenfassung

  • Insgesamt sehr schöne und edel gestaltete Karten.

  • Eine immense Fülle von tief-greifenden und tief-schürfenden Anregungen.

  • Für jeden etwas: für Theorie- Interessierte reichlich Futter, für Praktiker viele methodische Anregungen, die man sofort durch eigene Ideen ergänzen, anreichern oder verwandeln kann.

  • Man kann es als eigenes kontinuierliches Fortbildungsprogramm nutzen!

    Zu bestellen bei www.besser-wie-gut.de

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