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Wie effektiv sind Gruppen- Brainstormings?

In dem gestern erwähnten Zeitungsartikel werden nun folgende Behauptungen aufgestellt:

„Kreativitätstechniken wie Gruppen- Brainstormings sind wenig effektiv“ 

1- Als Beweis wird hierzu ein Experiment angeführt, bei dem die Gruppe weniger Ideen produzierte als diejenigen, die einzeln darüber nachdachten.

2 - Außerdem wird der Verdacht geäußert, dass gerade in Unternehmen mit strengen Hierarchien die Mitarbeiter Hemmungen haben, sich wirklich offen zu äußern. Aus Angst vor Konkurrenz oder dem Chef gegenüber.

3 - Weiteres Argument: Die Wartepausen, in denen man den anderen zuhört, seien verschwendete Zeit.

zu 1 – Bei dem Experiment wurden ökologische oder soziale Probleme vorgegeben – und es ist nicht klar, woher die Probanden kamen. Die Untersuchung wurde an einer niederländischen Universität durchgeführt, daher weiß ich nicht, ob sie mit Studenten durchgeführt wurde oder gemischten Teilnehmern. Aber sie bekamen ein Thema vorgegeben, das nicht unbedingt ihr eigenes brennendes Interesse war.

In Kreativ- Teams, wie ich sie kenne, sei es in einem Unternehmen oder in einer Seminargruppe – werden Themen bearbeitet, die für die Beteiligten von echtem Interesse sind.
Sie entwickeln Ideen für ihre berufliche Zukunft oder ein konkretes Projekt. In einem solchen Zusammenhang bin ich sicher anders kreativ als bei einem x-beliebigen Thema, das mich persönlich gerade nicht besonders berührt. Es ist nicht eine bloße Fingerübung, sondern ich habe ein echtes Interesse.

Das ist ja auch beim Lernen so, dass ich dann qualitative Sprünge mache: lerne ich eine Sprache, weil ich am Land oder einem Menschen sehr interessiert bin oder als bloßes Gehirntraining?

zu 2 – Sicher ist es richtig, dass das Arbeitsklima im Team, das miteinander kreativ sein will, eine Rolle spielt. Doch gerade die Zusammenarbeit eines realen Arbeitsteams habe ich in meinen Seminaren als äußerst produktiv erlebt. Da es eben um ein reales Thema ging, das alle gemeinsam betraf und an deren Umsetzung sie nach dem Seminar gemeinsam weiter arbeiten konnten.

Und es gibt durchaus Unternehmen, in denen die Mitarbeiter kollegial und offen miteinander umgehen – und sich nicht die guten Ideen neiden! Die sogar freundschaftlich miteinander verbunden sind.

zu 3 – Da hat einer offensichtlich genau den „Trick“ und den Wert des Brainstormings nicht erkannt. Es ist keine „tote Zeit“, wenn ich den Ideen der anderen lausche. Sondern diese sind ja gerade die Auslöser, die bei mir wieder neue Ideen anstoßen. Und sei es, dass ich denke: “Nee, so nicht, aber....“ – und es fällt mir was anderes ein.
Was mir aber nicht eingefallen wäre, wenn ich die Idee vom Kollegen Schmitz vorher nicht gehört hätte.

Grundsätzlich möchte ich aber zu diesen Methoden sagen:

Es gibt Brainstormings, die man laut in der gesamten Gruppe praktiziert (das „klassische“ Brainstorming, das wohl gemeint ist) und es gibt viele Varianten. Beispielsweise beim „Gruppen Mind Map®“, wo alle gleichzeitig ihre Ideen notieren und das auch noch schweigend. Da kommen beide Effekte zusammen: ich kann erst einmal ungestört und unbeeinflusst von den anderen meine Ideen notieren, werde aber gleichzeitig durch die Ideen der anderen weiter angeregt.

Es gibt die Möglichkeit, die auch im Artikel empfohlen wird, dass erst jeder einzeln für sich Ideen sammelt und sie erst anschließend in der Gruppe zusammen getragen werden.

Nicht zuletzt gibt es das wunderbare „Brainstorming for one“, das ich schon oft erwähnt habe (von Vera F. Birkenbihl), wo ich den Effekt des Gruppen- Brainstormings erzeuge, obwohl ich gerade keine Gruppe zu Verfügung habe. Auch die Osborn- Technik (mit einer Liste) und viele andere Kreativtechniken beinhalten verschiedene Formen des Brainstormings.

Welche Variante die effektivere ist, lässt sich sicher nicht so generell und pauschal beurteilen. Es hängt von der Situation und vom Thema ab. Und – eins meiner Lieblingsthemen- auch vom Lerntyp.

Auditive Menschen erzeugen Ideen am besten im Austausch und Gespräch mit anderen. Visuelle machen wahrscheinlich lieber erst einmal für sich alleine ein Mind Map® oder eine Liste. Kinästheten probieren praktisch aus oder gehen spielerisch an das Ganze heran.

Lesen Sie morgen die Fortsetzung zur nächsten Überschrift des Artikels:

Ist Kreativität messbar?

 

3 Antworten “Wie effektiv sind Gruppen- Brainstormings?”

  1. Doc Sarah schrieb:

    ist kreativität vielleicht messbar am erfolg?! ;-)

  2. Henry schrieb:

    Daß Hierarchien die freie Ideenäußerung hemmen kann ich mir leicht vorstellen.
    Ein Ausweg zur Umgehung von 2. und 3. wäre doch eines der Angebote von Onöine-Brainstorming. Durch die Nickname-Anonymität stören Hierarchien nicht und Online können Teilnehmer auch zeitversetzt alte Anregungen aufgreifen und ihre "5 Minuten Ideensprudel" koswerden.

  3. Zamyat M. Klein schrieb:

    Das finde ich interessant: heute Morgen im Bett kam mir nämlich die Idee, wie ich bei einem Online- Seminar über Kreativität trotzdem ein Gruppen Mind Map durchführen könnte (bei dem sonst alle schweigend um einen Tisch herum sitzen). Und nun finde ich eine ähnliche Idee hier im Kommentar. Danke schön!

    @Sarah - die "Antwort" findest du im nächsten Beitrag :-)

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