Ist Kreativität harte Arbeit?
Vor einiger Zeit gab mir eine Freundin einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 16.01.2009. Überschrift: "Kreativität ist harte Arbeit".
Als ich den Artikel las, tauchte unentwegt Widerspruch in mir auf. Ich kann zwar nicht auf eine „wissenschaftliche“ Untersuchung zurückgreifen (die für mich auch wenig Beweisungs-Wert hat), aber auf viele Jahre Erfahrung mit Kreativitätstrainings und meiner eigenen Kreativität.
Das Fatale an solchen Beiträgen ist ja oft, dass sie nicht völlig falsch sind. Und sicher gehört das überspitzte Polarisieren dazu, um Leserschaft zu fesseln.
Aber ich mag es nicht, wenn Menschen entmutigt werden. Schon gar nicht dabei, ihre Kreativität zu entdecken, zu fördern und zu leben. Denn darin sehe ich sozusagen meine Lebensaufgabe- das klingt jetzt vielleicht etwas hochtrabend.
Es ist genau das, was mir meine Arbeit so wertvoll macht. Zu erleben, wie Menschen plötzlich entdecken, dass sie doch kreativ sein können. Zu sehen, welche Freude es macht, in so einen „Kreativrausch“ zu versinken und erfrischt daraus hervorzukommen, voller neuer Ideen.
Und ihnen den Mut mitzugeben, auch in ihrem beruflichen und privaten Alltag diese Kreativität weiter zu nutzen und zu fördern.
Natürlich ist auch die Frage, was wir unter „Kreativität“ verstehen. Ich denke nicht, dass jeder die Anlage hat ein Picasso oder Beethoven zu werden. Aber die Fähigkeit, kreativ Ideen entwickeln zu können, Probleme auf kreative Art zu lösen – die sind zu entwickeln.
Bei den Beduinen in der Sahara habe ich eine unglaubliche „Alltagskreativität“ entdeckt und bewundert – und in meinem Buch „Kreative Geister wecken“ einige Beispiele geschildert. Wie sie aus Nichts etwas zaubern können. Einfach weil sie lernen mussten, mit sehr wenig auszukommen und aus den unglaublichsten Dingen etwas zu machen. (Beispielsweise mit Hilfe von Kamelkötteln ein Schattendach befestigen). Einfach auch den Blick dafür zu haben, was so im Sand liegt, das später einmal nützlich sein könnte – und es im richtigen Moment einzusetzen. Völlig wesensfremd, aber genial.
Das ist ja auch ein Prinzip vieler Kreativtechniken: Dinge aus ihrem normalen Zusammenhang bringen und mit etwas völlig anderem in Verbindung bringen, gedanklich oder real.
Meine Grundthese ist es nämlich:
In jedem Menschen steckt Kreativität – und daher kann sie auch jeder trainieren- mit der richtigen Anleitung und den richtigen Werkzeugen. Kreativität ist eines der vielen Geschenke, die wir mitbekommen. Die Sufis sagen, es sind göttliche Qualitäten, die wir durch Übung entfalten können und sollen – denn das ist der Sinn unseres Daseins.
Wie sehen Sie das?
Lesen Sie morgen weiter über einzelne Punkte des Artikels.
Mittwoch, 28-01-09 21:02
die sufis haben recht, finde ich... ja, jeder mensch ist kreativ (oder gar ein künstler, das joseph beuys sche postulat) - gut, daß du das deinen kunden / klienten ver,ittelst, liebe zamyat!
Montag, 02-02-09 21:39
Liebe Frau Klein,
sicher gehört zu einem kreativen Prozess auch streckenweise Konzentration und vielleicht sogar eine gewisse Anstrengung. Doch aus vielerlei Beispielen ist bekannt, dass Lösungen sich quasi aus dem Nichts ergeben, wenn man nämlich zu einem bestimmten zeitpunkt losgelassen hat.
Kreativität als göttliche Qualität - da kann ich nur zustimmen. Wir sind Schöpfer - auf vielen Ebenen.Kreativität hat für mich auch etwas mit Schöpferkraft zu tun, nicht nur damit, Ideen zu entwickeln. Ideen sind für mich so etwas wie Bausteine. Kreativität im Sinne von Schöpferkraft ist das, was man daraus macht.