Beduinen- Networking
Wochenend-Serie: Geschichten aus der Sahara
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Ich als Kamelführer
Was bei uns in den letzten Jahren als neuer Trend publiziert und gepriesen wird, ist bei den Beduinen schon lange üblich. Networking vom feinsten.
Beduinen- Networking
Wenn du irgendetwas brauchst, es gibt immer einen, der einen kennt, der mit einem verwandt ist, der das hat, was du brauchst.
Das kann ausgesprochen praktisch und hilfreich sein. Davon berichte ich weiter unten.
Doch manchmal treibt es seltsame Blüten. Seit Jahren "organisierte" ich die Karawane mit Lamine, einem Beduinen, der bei meiner allerersten Tour dabei war. So gehörte es auch zum Ritual, dass wir ihn vor der Karawane zu Hause besuchten, seine Frau und Töchter für uns kochten und uns bewirteten und meine Teilnehmer einmal bei "richtigen Beduinen" zu Gast waren.
Burnus kaufen
Wir wollten aber auch nach Douz, Burnusse kaufen.
Ein Burnus ist ein dicker gewebter Wollumhang mit Kapuze, den man sich umhängt.
Er ist in der Wüste unverzichtbar.
Nachts schlafe ich darunter (und er ist so schwer, dass keine Tiere drunter krabbeln können), bei Sandsturm kann ich ihn auch über das Gesicht legen und bekomme trotzdem noch Luft. In der Hitze kann man ihn über einen Strauch legen und er spendet Schatten. Bei Sandsturm wickelt man sich darin ein. Bei Regen hält er auch ziemlich dicht. Und früh morgens und abends schützt er vor der Kälte und man kann sich bei der Meditation feste darin einmuckeln.
Daher empfahl ich immer allen Teilnehmern, bevor die Karawane losging, einen Burnus zu kaufen. In Douz gibt es einen kleinen Bazar, da konnte man sie vereinzelt kaufen. Es war aber immer Glückssache, wie viele gerade da waren und welche Farben und Größen sie hatten. Oben sehen Sie mich in einem knallroten Burnus, was eine absolut ungewöhnliche Farbe war. Normalerweise sind sie braun oder naturfarben.
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Wir wollten also los nach Douz, da meinte Lamine, er kenne einen Mann, der habe Burnusse. Sehr gute - und natürlich viel preiswerter als auf dem Bazar.
Nun ja, warum nicht?
Er führte uns also durch alle möglichen Gassen und Sträßchen, bis wir dann in einen Hinterhof kamen. Der Mann war auch schnell zu Stelle - und wie so üblich, wurden wir hinein gebeten zum Tee trinken und rumsitzen.
Wir hatten aber nur noch diesen einen Tag vor der Karawane und nicht so viel Zeit. Daher fragte ich nachdrücklich, ob wir denn nicht schon mal die Burnusse sehen könnten.
Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich diesmal sogar die Burnusse brieflich vorbestellt, da es lange dauert, sie herzustellen. Die Teilnehmer hatten sogar Farbwünsche geäußert- ich kann nur noch darüber lachen!
Nach langem hin und her wurden wir dann in einen Raum geführt, wo Burnus- Stoffe herumlagen- aber nicht ein einziger war fertig. Ja, was wir denn damit sollen?
Ja- wenn wir vom Retreat in 10 Tagen zurück kämen wären sie fertig!
Hä??? Wir brauchen sie aber jetzt, in der Wüste und beim Retreat und nicht nachher.
So zogen wir also wieder leicht verwirrt von dannen, den händeringenden Mann hinter uns lassend und auf den Bazar. Dort wurden wir dann auch fündig, wenn auch nicht mit jedermanns Lieblingsfarbe. Hauptsache warm.
Ähnliches haben wir auch erlebt mit Geld wechseln. Auch da hatte Lamine den heißen Tipp und wir kletterten irgendeine Stiege zu einem obskuren Hinterzimmerchen hoch. Angeblich war der Kurs hier etwas besser - was ich bis heute nicht beurteilen kann.
Fakt war aber, dass der Mensch überhaupt nicht so viel Geld hatte, wie wir als ganze Gruppe tauschen wollten. Also auch hier wieder zurück zum Bazar und in die Bank.
Da stellt man sich die Frage: Warum macht er das?
Warum schleppt er uns zu Menschen, die gar nicht das haben, was wir wollen?
Ist das alles nur ein Missverständnis, hat er es nicht kapiert? (Mein Arabisch ist ja ausgesprochen rudimentär, aber mit Lamine hatte ich über Jahre eine eigene Sprache inklusive Pantomime entwickelt, die uns durchaus eine Kommunikation ermöglichte. Zumal er auch schnell etwas Deutsch lernte.)
Meine Interpretation:
er wollte sowohl uns als auch seinen Freunden oder Verwandeten einen Gefallen tun.
Wir brauchten was und er kannte jemanden, der das "im Prinzip" hatte. Gerade bei Lamine glaube ich nicht mal, dass er irgendwelche Prozente bekam (wie viele andere Schlepper), dafür war er zu naiv und zu gutherzig. Er meinte es wirklich gut - realisierte aber manchmal nicht, dass die gute Absicht nicht ausreichte.
Positives Networking
Wie ich zu Beginn schrieb, kann dieses Networking aber auch sehr hilfreich sein.
So beispielsweise als mir im "Hotel" nach der Karawane mitgeteilt wurde, dass es keine freien Jeeps mehr gäbe, um uns zurück nach Djerba zum Flughafen zu bringen. Osterferien, viele Touristen, alle Agenturen waren ausgebucht. Na prima!
Da ich aber schon gelernt hatte, dass immer etwas geht, fuhr ich mit der Louage (eine Art Sammeltaxi) nach Douz, der nächst größeren Oase und ging dort auf den Bazar. Dort war ich schon teilweise bekannt und fragte daher einen, ob er nicht wüsste, wie wir noch an ein Auto kämen. Und in der Tat, er lief los und kam nach einer Weile mit einem positiven Bescheid wieder. Er hatte einen gefunden, der unseren Rücktransport managte. Der dann sogar auch tatsächlich und pünktlich kam!
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