Sind wir schlechte Suggestopäden?- Workshop mit Albert Glossner
Dieser Workshop mit Albert Glossner bildete für mich den Abschluss des Kongresses. Nachdem ich mir vorher reines Vergnügen gegönnt hatte im Workshop von Louis Sterck „Google Earth für Suggestopäden“ (siehe Extra- Beitrag), war ich nun bereit, mich noch einmal ernsthaft einzulassen.
Der Referent hatte wohl mehr mit Teilnehmern gerechnet, die noch relativ neu suggestopädisch arbeiten und von diversen Zweifeln heimgesucht werden, ob sie denn alles richtig machen und der „reinen Lehre“ folgen.
Statt dessen fand ich mich in einem erlauchten Kreis von Alt- Suggestopäden wieder (mit wenigen Ausnahmen). So bekam denn der Workshop auch eine etwas andere Richtung.
Nach drei Tagen Kongress (und vorherigem Trainertreffen) war ich wohl doch schon etwas müde, so dass ich gar nicht protestierte, als ich als erstes in der Mitte das Schild sah.
Zumal ich es wohl als provokativen Scherz ansah.
Allerdings fiel mir dann erst nach dem Workshop auf: wir hatten tatsächlich nicht gespielt! Keine Aktivierung! Nur reden und denken. Na so was! Dass ich sogar mal zu müde zum spielen bin.
Zumindest für meine Person kann ich sagen:
Ich fühle mich als Leib- und Magen- Suggestopädin. Die Suggestopädie ist für mich die Grundlage all meiner Seminare, was sich vor allem auf eine bestimmte Grundhaltung bezieht, aber auch konkrete Elemente enthält, die mir inzwischen einfach so selbstverständlich sind, dass ich nicht mehr drüber nachdenke. Sie auch nicht bewusst plane. Sie gehören einfach dazu.
Das betrifft beispielsweise die Rhythmisierung und den Aufbau eines Seminars (wobei ich mich da nicht sklavisch an einen suggestopädischen Kreislauf halte), das konsequente multisensorische Bearbeiten aller Themen, immer wieder eingestreute Aktivierungen oder Energieaufbauübungen. Es betrifft eine bestimmte Atmosphäre und Raumgestaltung, den Einsatz von Musik.
All das kommt immer vor.
Aber ob ich ein Lernkonzert mache oder als Einstieg eine Lernlandschaft nehme- das richtet sich nach Thema und Zielgruppe. Und nie kam mir in den Sinn, dass ich keine „richtige“ oder „gute“ Suggestopädin sei, wenn ich mal kein Lernkonzert mache, sondern andere Formen von Input einsetze.
Für mich ist die Suggestopädie auch etwas sehr lebendiges, das sich ständig weiter entwickelt.
Als ich an meinem 1. Suggestopädie- Seminar 1984 bei Charles Schmidt teilnahm, habe ich sie noch in „Reinkultur“ erlebt und einen klassischen Kreislauf zum Sprachlernen durchlaufen.
Bei meiner viel späteren Suggestopädie- Ausbildung bei SKILL hatte sich schon einiges gewandelt, es tauchten alle möglichen Varianten auf. Die Grundlagenliteratur aus den USA war auch schon reichlich alt – und auch dort wurden Entwicklungen und Veränderungen aufgezeigt.
Deshalb gibt es da für mich auch keine starren Regeln. Und im Grunde ist es mir auch Schnupps ob das Kind nun Suggestopädie oder anders heißt.
Wichtig ist für mich, Seminare so zu gestalten und entsprechende Methoden auszuwählen oder zu kreieren, die meinen Teilnehmern helfen, ihr Lern- Ziel und ihr Seminar-Ziel zu erreichen – auf möglichst leichte Weise, die auch Spaß machen darf!
Denn davon hat mich die Suggestopädie von Anfang an überzeugt: Lernen mit Spaß ist sehr viel effektiver als mühevolles Pauken, wie ich es selbst in meiner Schulzeit und während des Studiums leider erlebt habe.
Gottlob bin ich später dann anderen Ansätzen begegnet, so dass ich auch für mich noch die Freude des Lernens entdecken konnte, auf meine Weise, die von Schullernen sehr weit entfernt ist.
Doch nun bin ich regelrecht lernsüchtig, mache ständig irgendwelche Fortbildungen und finde lernen eines der spannendsten Dinge, die es so gibt. Das hätten sich meine Lehrer nie träumen lassen!
Ein großer Dank an die Suggestopädie!
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