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Seminar-Karussell

Kennen Sie das auch?

Jahr um Jahr nehme ich mir vor, dass zwischen den einzelnen Trainings eine Mindestzahl an Tagen liegen muss, damit ich Zeit habe, aus- und wieder einzupacken und mich zu regenerieren.

Denn egal wie gut ein Seminar läuft und wie sehr es mir selbst Spaß macht - es hat eine andere Intensitität als meine andere Arbeit. Ich bin ständig unter Strom, sozusagen auf 150% - und wenn das Training dann zu Ende ist entweicht die Energie wie Luft aus einem Luftballon.

Daher weiß ich, dass ich Zeit brauche zwischen den Seminaren, mindestens auch einen freien Tag, da das Wochenende oft involviert ist, mindestens mit Anfahrtzeiten.

Doch die Realität sieht gerade mal wieder anders aus. Jetzt habe ich gerade drei Trainings dicht hintereinander. Zwei habe ich erfolgreich hinter mir. bin jetzt einen Tag zu Hause und morgen geht es dann wieder auf die Piste.

Auftrag verweigern?

Natürlich hätte ich einfach sagen können: "Nein, der Zeitpunkt passt mir nicht, suchen Sie sich einen anderen Trainer." Und es gibt durchaus Anfragen, bei denen ich es mache, weil ich beispielsweise absehen kann, dass ich dann kein gutes Training mehr leisten kann. Und die Bedingungen auch nicht sehr verlockend sind und absehbar ist, dass es großen Stress gibt.

Aber wie oft sagen Sie ein Training ab, das zu dicht auf das andere folgt?
Welche anderen Möglichkeiten sehen Sie?

Viele meiner Termine werden sehr langfristig festgelegt. Da lässt sich dann auch nichts mehr ändern. Die Kataloge sind gedruckt, die Anmeldungen liegen vor. Oder die Trainer- Ausbildung: auch hier sind die Termine schon über ein Jahr im voraus fest.
Und dann kommt eben noch so eine dritte Anfrage, die haarscharf dazwischen passt. Der Termin lässt sich nicht verschieben, weil es ein jährliches Firmenevent ist. Ein Sommerseminar, zu dem sich die Mitarbeiter Seminarthemen wünschen dürfen.

Ein neuer Kunde, eins meiner Themen wird angefragt, die Bedingungen sind alle rundherum ideal - bis auf den Termin.

Strategien zum Energiehaushalt

Wenn es nicht ständig so ist, denke ich für mich, dass es auch mal ok ist. Und ich muss dann Strategien entwickeln, wie ich in der Zeit dann trotzdem für mich sorgen kann und mit meinem Kräften haushalten.

So bin ich zum letzten Training am Sonntag früh losgefahren, weil das Hotel über eine große Therme und Saunaanlage verfügt.
Nach dem ich den Seminarraum vorbereitet habe, habe ich dort dann einige Stunden verbracht. Das Wetter spielte mit, so dass ich sogar zwischen den einzelnen Saunagängen in der Sonne liegen konnte. Danach bin ich früh ins Bett gegangen.
Am zweiten Abend dann nach dem Seminar habe ich einen Spaziergang gemacht, statt mich vor die Glotze zu hängen, und auch danach früh und lange geschlafen.

Mittags (wie ich in einem früheren Beitrag schrieb), brauche ich ja ein kurzes Power-Napping. Auch das habe ich organisiert: in der Firma gab es einen Ruheraum für die Mitarbeiter (falls mal jemand einen Kreislaufkollaps bekommt oder ähnliches), da konnte ich mich dann kurz ablegen.

Und wieder mal ein kleiner Schwank über die Deutsche Bundesbahn

Da die Entfernung sehr groß war, bin ich noch mal mit dem Zug gefahren. Und oh Wunder: diesmal bekam ich alle Anschlüsse, sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt. Die Ruhe in der 1. Klasse nutzte ich für meine Erholung, Krimis lesend und ab und zu dösend, die Erinnerungen verdauend. Dann taucht auch ab und zu noch eine gute Idee auf: "Ach, das könnte ich das nächste Mal so machen," die ich gleich notiere.

So komme ich gestern Abend entspannt in Köln an, kann gemütlich zu Gleis 10 gehen, um dort in aller Ruhe den Anschluss der Regionalbahn ins Bergische zu bekommen. Auch das klappt alles wunderbar- bis Rösrath. Da heißt es dann wegen Bauarbeiten aussteigen und umsteigen in einen Bus.
Da alle anderen Mitfahrenden ziemlich schnell losrennen, fühle ich mich auch gehetzt- mit dem ganzen schweren Gepäck und Koffer. Natürlich gibt es auf so einem Winzbahnhof keine Rolltreppe, sondern nur drei steile Treppen rauf und runter. Schon haue ich mir den Koffer an meinen ohnehin verstauchten Zeh und könnte schreien.  Ein Mann erbarmt sich immerhin und trägt mir den Koffer eine Treppe rauf.

Es stehen zwei Busse da. Alle Leute laufen in den ersten Bus, ich also blöd hinterher, zu erschöpft um irgend was zu denken oder zu fragen. Sinke auf den Sitz und los geht es. Da sehe ich auf meiner Seite an der Fensterscheibe ein Schild. Mühsam entziffere ich spiegelverkehrt was da steht: Dieser Bus hält nicht am Bahnhof Honrath!

Nein, das kann nicht sein! Da muss ich hin, da steht mein Auto.
Das Schild "Nicht mit dem Fahrer sprechen!" ignorierend frage ich den Fahrer ungläubig: "Sie fahren nicht nach Honrath?" "Nein!" "Ja, und wie komme ich da hin?" "Sie sind im falschen Bus, Sie hätten den anderen nehmen müssen."

Das hat bei der Durchsage aber kein Mensch gesagt. Ein kleiner Hinweis wäre ja nett gewesen... "Ja, und was mache ich jetzt?" "Steigen Sie die nächste Station aus, und warten auf den anderen Bus." "Und wann kommt der?" "Weiß ich nicht!" So charmant und höflich und hilfsbereit - dieser Fahrer!!! Ich bin todmüde von der langen Fahrt und dem vierten Umsteigen, ich will nur noch in mein Bett.
Schließlich entdeckt er doch seine großzügige Seite (vielleicht befürchtet er, dass ich gleich in Tränen ausbreche) und teilt mir mit: "Der Bus ist direkt hinter uns."
Also falle ich an der nächsten Station aus dem Bus und winke den nächsten heran. Ich hätte mich auch davor geworfen, wenn er nicht von selbst angehalten hätte. Aber er blinkt und liest mich auf.

So lerne ich noch in der Sonntagnacht Dörfer und Straßen meiner Umgebung kennen, die mir bislang fremd waren. Für eine Strecke, die mit dem Zug 4 Minuten dauert, sind wir mindestens 15 Minuten unterwegs. Denn auch die Bahnüberführung ist gesperrt, so dass der Bus riesige Umwege fahren muss - bis er schließlich in Honrath hält.

Als ich neben dem Bus stehe und zum Parkplatz schaue, ein letzter intensiver Schock. Mein Auto ist weg! (Was mir tatsächlich einmal passiert ist, als ich von  einem Training aus Berlin zurück kam. Es war weg! Wie sich später rausstellte von der Polizei abgeschleppt, da einige Randalierer mehrere Autoscheiben eingeschlagen hatten und sie das Auto nicht so offen da stehen lassen wollten).

Dann aber sehe ich es an einer anderen Stelle. Da wo ich zuerst geschaut hatte, hatte ich bei dem vorletzten Training geparkt. Das kann man schon mal durcheinander werfen, wenn es so schnell hintereinander ist.

Danach habe ich erst mal 8 Stunden geschlafen- herrlich!

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