Aus dem Tagebuch einer Trainerin: Anreise und Aufbau
Sonntag 29.06.08
Es gibt ja auch Tage, wo alles gut geht! Und ein perfektes Timing noch dazu.
Normalerweise reise ich am Vortag an, oft schon nachmittags, damit ich in Ruhe den Seminarraum vorbereiten kann (was das bedeutet, erkläre ich etwas später) und abends noch Zeit habe, mich zu entspannen.
In diesem konkreten Fall allerdings wollte ich zum ersten Mal in meinem Leben Fußball schauen, das EM- Endspiel (hätte ich mir aber durchaus sparen können :-).
Ich hatte auch in alter Gewohnheit einige Tage vorher beim Hotel angerufen, um zu klären, ab wann ich in den Raum kann. Alles kein Problem.
Bis ich einen Tag vor Abreise eine Mail erhielt: leider könnte ich erst am Montagmorgen in den Seminarraum, da er bis abends belegt sei und das Personal dann erst abends die Tische und Stühle stellen könnte. Alle Räume seien von einer Prüfung kurzfristig belegt worden.
Die werden doch nicht abends während der EM noch eine Prüfung machen?!
Anfahrt
So fuhr ich erst nach dem Mittagessen los, selbst ein kleines Mittagsschläfchen war noch drin (was ich mir sonst sicher nicht gegönnt hätte). Bis kurz vor dem Hotel klappte auch alles wunderbar. Mein neues Navi leitete mich sicher, die Autobahnen waren frei, nur zwei Baustellen auf dem Weg – was will man mehr.
Dann aber: ich sehe noch aus den Augenwinkeln das Hotelschild nach rechts weisend, während ich schon über die Kreuzung geradeaus brettere. So schnell kann ich keine Hausnummern lesen. Denn das Fatale: ich bin im Zentrum von Mannheim und da gibt es keine Straßennamen, sondern Quadrate. Das Hotel liegt in F 7, aber der ganze Block (eben das Quadrat) heißt F 7. Und natürlich sind es alles Einbahnstraßen. Einmal vorbei – dann muss man um alles wieder rum fahren.
Ich umrunde also sehr weitläufig das Gebiet, immer noch hoffend, dass mein Navi sich wieder einkriegt und normal anzeigt – und vor allem mal etwas sagt. Aber nein, er scheint genauso ratlos rum zu irren wie ich. Ein roter Pfeil (der anders aussieht als sonst) taumelt haltlos übers Display ohne erkennbare Orientierung.
So halte ich also an und frage: wieder zwei Meter zu weit gefahren, er empfiehlt mir, wieder ein Quadrat zu umkreisen. Das ist mir zu blöd – beherzt will ich rückwärts fahren, da höre ich ihn rufen: „Achtung, da ist ein Auto hinter Ihnen.“ Puh! Das hätte beinahe gekracht!
Also fahre ich rechts ran, warte bis es vorbei ist und fahre dann doch rückwärts. Keine Lust mich immer weiter von meinem Ziel zu entfernen.
Und kurz später rolle ich dann beruhigt in die Tiefgarage des Hotels.
Materialtransport und Aufbau
Die ist gähnend leer, sonntags abends ist hier nichts los. So kann ich auf dem Frauenparkplatz direkt neben dem Aufzug parken. Dort steht sogar ein Wägelchen, mit dem ich mein ganzes Seminargepäck nach oben transportieren kann.
Für meine Verhältnisse habe ich diesmal wenig Gepäck, was für das beunruhigende Gefühl sorgt, ich könnte etwas vergessen haben.
Mit nur einer Fuhre komme ich aus - wobei ich noch eine riesige Tasche mit Deko und Spielzeug etc. über die Schulter gehängt habe, ebenso den gewebten Beduinen-Beutel mit Kamelgebiss und Sahara- Sand.
Falls Sie sich fragen, was ich damit auf einem Seminar mache? Suggestopädische Methoden einsetzen wie beispielsweise eine „Lernlandschaft“. Ein Beispiel dazu können Sie auf meiner Webseite sehen.
Im Raum angekommen, sind die Mitarbeiter des Hotels gerade dabei, die Tische umzustellen. Ich erkläre, wie viele Tische ich wo stehen haben möchte und suche erst einmal etwas zu essen. Seit ich Magenprobleme habe, kann ich abends nur eine Kleinigkeit essen, am liebsten nur ein Käsebrötchen.
Essen und Trinken
Woher ein Käsebrötchen Sonntagabends bekommen? Das Hotel- Restaurant hat ebenfalls zu – ein Süppchen täte es nämlich auch.
Meine „Betreuerin“ erklärt mir umständlich, wo ich evtl. eine Art Kiosk finde. Als ich aus dem Hotel komme, stolpere ich allerdings direkt über ein Cafe, die Toast Hawai haben. Ist doch alles prima.
So sitze ich in der Abendsonne, esse und trinke und laufe dann noch etwas durch die Quadrate. Unter anderem möchte ich ein kleines Kino aufspüren, wo leider niemand an das Telefon geht. Dort soll laut Internet- Auskunft ein Film laufen, den ich in Köln verpasst habe. „Trip to Asia“, ein Dokumentarfilm über die Berliner Philharmoniker in China. Vom gleichen Regisseur, der den phantastischen Film „Rhythm is it!“ gedreht hat.
Zuerst dachte ich noch, was interessieren mich die Berliner Philharmoniker in China? Aber als ich den Trailer anschaute, hatte es mich schon wieder gepackt. Solche Perlen aus dem Mund nicht nur von Sir Simon Rattle, sondern auch seiner Mitmusiker. In Szenen gesetzt und mit Musik begleitet, dass mir sofort wieder die Schauern über den Rücken liefen. Den muss ich sehen!
Quadrate Mannheims
Also mache ich mich auf den Weg durch die Quadrate Mannheims. Und bekomme schlagartig Urlaubsgefühle. Und einen Kiosk hätte ich auch nicht suchen müssen. Ein türkischer Laden neben dem nächsten – und trotz Sonntag viele geöffnet. Überall stehen Gruppen von Menschen, die sich unterhalten – herrlich. Die türkische Sprache umweht meine Ohren, ab und zu türkische Musik. Leider muss ich noch bis Oktober warten, bis ich wieder dort bin...
Endlich stehe ich vor dem Kino und muss enttäuscht feststellen, der Film lief nur Sonntagmorgen um 11 Uhr. Nun denn!
Seminar- Raumgestaltung
Zurück zum Hotel, ist der Raum inzwischen soweit vorbereitet, dass ich alles einrichten kann. Das bedeutet, vorne Pannesamt- Tischdecken über die Tische legen und dort mein Material hinlegen. Alle Karten und anderes in schöne bunte Schachteln verpackt, schließlich schauen die Teilnehmer die ganze Zeit dort hin. Unter den Tischen kann ich dann die Taschen und Koffer verstauen, die durch die Tischdecke verborgen werden.
Dann die Poster und Flipcharts im Raum aufgehängt, an Pinwände und an eine große Holzwand. Wunderbar geeignet für so genannte Randstimuli. Das sind bunte Plakate mit einem großen Bild und einem dazu passenden Spruch. Er kann mit dem Seminarthema zu tun haben oder allgemein anregend oder erfreulich sein. Eine Dekoration, die eine positive Arbeits- und Lernatmosphäre erzeugen soll. (Auch eine suggestopädische Grundlage).
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