Wörter verschenken - Abschlussübung für Seminare
Zur Methode
Diese Methode eignet sich sehr gut als Abschluss eines Seminars, vor allem wenn die Teilnehmer etwas enger in Kontakt gekommen sind oder es um persönliche Themen ging.
Einführung
Sie können die Teilnehmer (TN) mit folgenden Worten an die Übung heranführen:
„Setz dich einen Moment lang bequem hin und schließe die Augen... Es gibt Wörter, die für uns eine ganz besondere Bedeutung haben... Lass einfach einmal Wörter auftauchen, die für dich im Moment besonders wichtig sind und einen schönen Klang haben... Such dir dann ein Wort aus... Wenn du ein Wort ausgewählt hast, machst du die Augen wieder auf und schreibe es auf eins der kleinen Zettel...“
Material
In der Mitte liegen kleine Zettelstreifen und Filzstifte. Jeder TN nimmt sich 7 Zettel und schreibt auf einen Zettel sein Wort.
Anschließend stehen alle auf und gehen durch den Raum. Das Ritual läuft dann wie folgt ab:
Verlauf
Jeder sucht sich nacheinander bis zu sechs anderen TN, von denen er ein Wort geschenkt haben möchte. Er geht zu dem ersten hin und sagt: „Bitte schenke mir ein Wort.“
Der andere besinnt sich einen Moment und wartet ab, welches Wort in ihm aufsteigt, das er dem anderen schenken möchte. Das kann etwas Positives sein, das er im anderen sieht oder etwas, das er dem anderen wünscht (weil er z.B. weiß, dass er das gerne hätte). Er schreibt dieses Wort dann auf einen Zettel und reicht es dem Fragenden. Dieser liest es, bedankt sich „Danke schön!“ und läuft weiter.
Es ist wichtig, dass nicht weiter gesprochen wird, also keine Fragen oder Erklärungen (das kann eventuell später stattfinden, ist aber eigentlich nicht nötig).
Sobald jeder von 6 TN ein Wort geschenkt bekommen hat, setzen sich alle wieder hin.
Nun erst erläutern Sie, wie es weiter geht.
Die Aufgabe besteht nun darin, aus den geschenkten Worten (auch dem eigenen) ein „Gedicht“ zu schreiben, in dem diese Begriffe vorkommen. Es geht nicht darum, dass sich das Gedicht reimt oder bestimmte Jamben vorkommen. Lassen Sie die TN einfach drauf los schreiben...
Diese Gedichte können die TN anschließend mit bunten Stiften auf einen großen Zeichenblock schreiben und ein Bild dazu malen. Die geschenkten Worte sollten besonders markiert werden.
Zum Abschluss werden alle Produkte an eine Pinwand gehängt zu einer Ausstellung, die sich alle anschauen können. Das ist meist sehr eindrucksvoll und bewegend.
Bemerkung
Die Erfahrung ist ganz unterschiedlich. Manche schreiben kurze witzige Gedichte, andere öffnen sich sehr und schreiben über sehr persönliche Dinge.
Es ist vor allem auch schon sehr spannend, welche Worte man geschenkt bekommt (und welche TN man anspricht, von denen man ein Wort haben möchte).
Es kann auch Sinn machen, vorher festzulegen, welche Art von Worten es sein sollen:
nur positive Dinge, die man im anderen sieht oder was man ihm wünscht. Letzteres kann nämlich auch als Mangel interpretiert werden: „Die denkt, das brauche ich.“
Die Geschenke sollten eindeutig als positiv bewertet werden!
Freitag, 16-07-10 10:30
Hallo, liebe Zamyat,
vielen Dank für diese wunderbare Übung. Ich glaube, dass diese sehr schön auch im Fremdsprachenunterricht ist: Stellt Dir mal vor, jeder bekommt und verschenkt ein Wort auf italienisch! Man könnte sogar fragen, ob die TN zu dem eigenen Text sich auch eine Melodie (etwas bekanntes) zu dem eigenen Text singen oder summen könnten. Was hälst Du davon?
Liebe Grüße
Marisa