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Meditation in der Sahara

April 25, 2009

 

Meditation in der Sahara

Nun ging also endlich das eigentliche Retreat los...

Jeder suchte sich nicht nur einen individuellen Schlafplatz- weit von den anderen entfernt, sondern auch einen Meditationsplatz.

Bei manchen war das identisch, andere wollten tagsüber weiter hinaus, aber alle suchten einen Platz, wo zumindest ein kleiner Strauch in der Nähe war. Denn den ganzen Tag in der prallen Sonne zu sitzen, hätte die Erleuchtung nicht unbedingt näher gebracht.

Da das Retreat im Schweigen verlief, sollten die Teilnehmer auch keinen Kontakt miteinander haben. Sie trafen sich nur gemeinsam zu den Mahlzeiten, die die Beduinen an eine vereinbarte Stelle brachten und dort von den Teilnehmern abgeholt wurden:

Ansonsten führte jeder aber individuell seine Übungen durch, möglichst ohne Sicht- und Hörkontakt mit den anderen, da manche Übungen gesprochen oder getönt werden.

Tagesablauf

Wir begannen morgens um 6:30 Uhr mit einer gemeinsamen Frühmeditation im Stile des ZaZen, das heißt, dass wir schweigend in einer Reihe auf einer Düne saßen bei Sonnenaufgang.
Dann war es noch sehr kalt und wir waren alle froh über unsere Burnusse, in die wir eingewickelt waren.

Anschließend  schweigendes Frühstück und dann zog jeder an seinen Meditationsplatz.

Zum Mittagessen und Abendessen war ebenso gemeinsames Treffen vor unserem Zelt (so konnte man mittags im Schatten essen).

Abends gab es dann wieder eine gemeinsame Meditation, den traditionellen Sufi- Dhikr unterm Sternenhimmel.

Einzel- Retreat

Als Retreatguide traf ich mich jeden Tag mit jedem Teilnehmer zu einer fest vereinbarten Zeit. Dort setzten wir uns gegenüber und meditierten gemeinsam zur Einstimmung.
Dies war die einzige Situation, in der die Teilnehmer sprechen "durften", manche verkehrten auch mit mir nur per Zettelnotizen:

Ich fragte, wie sie mit den Übungen des Vortages klar gekommen sind und gab ihnen (nach der Meditation) die nächsten Übungen.

Das ist der Teil, der etwas geheimnisvoll ist. Die Übungen werden individuell gegeben nach dem, was bei dieser Face to Face Meditation in mir an Themen und Übungen auftaucht. Ich hatte selbst lange Mühe, dieser Art von "Intuition" zu trauen, auch wenn ich eine jahrelange Ausbildung gemacht hatte.
Einzig die Erfahrung zeigte mir, dass es offensichtlich passend war.

Zumal sich mit der Zeit mein eigener Stil herausbildete. Ich gab nicht nur klassische Sufi-Meditationsübungen (Wazifa), sondern es stiegen Verse, Texte, Gedichte, Gebete in mir auf, die ich notierte und den Retreatants mitgab.
Und oft kam dann die Rückmeldung, dass ich ins Schwarze getroffen habe und genau ein Thema angesprochen habe, mit denen sie sich gerade herumschlugen.

Denn so ein Retreat ist kein Pappenstil. Die Retreatants durchlaufen zum Teil sehr tiefe Reinigungs- und Klärungsprozesse. Durch die weite und fremde Umgebung und das Schweigen wurde das natürlich enorm verstärkt. Aber auch sehr erleichtert. Mitten im Alltagsgetümmel kann man sich solchen Prozessen nicht hingeben und ausliefern.

Ich habe selber einige Retreats gemacht. Es kann dabei sehr schmerzhafte Phasen geben und sehr beglückende. Oft war es einfach anstrengend bis langweilig. Mein Gott, was saß ich da rum? Ich bekam einen unbändigen Drang, etwas zu tun, und sei es mein Haus zu putzen, was sonst nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehörte.

Doch hier in der Wüste- was sollte man tun?

Ablenkung gab es dennoch genug. Mal war es zu warm, dann war es zu kalt. Der Wind wehte einem den Sand ins Gesicht, ins Essen, in die Kleidung. Die Fliegen nervten, die Skorpione ängstigten. Die anderen Teilnehmer stürzen sich zu gierig aufs Essen oder meditieren zu laut. Sie sind zu nah oder zu weit.
Das Essen schmeckt nicht oder ist zu wenig und immer das gleiche.
Die Retreat- Guide ist blöd, die hat es gut, die kann mit den Beduinen quatschen und essen, in der Sonne sitzen...

Die ganze Projektionsleinwand ist erst einmal rappelvoll.
Bis sich unser Geist zur Ruhe begibt, das dauert etwas. Der Motor muss erst einmal langsam herunter fahren.
Und plötzlich nimmt man den Zauber wahr.
Dieser klare Morgen, die Luft noch kalt, die Sonne langsam wärmend. Der Wüstenvogel, der wie ein Flötekessel klingt, das Gurgeln der Kamele.

Und zwischendurch Momente einfacher Stille, einfachen Seins. Nur sitzen, mit dem Hintern im warmen weichen Sand. Der Blick endlos, keine Häuserwand, der den Blick stoppt. Keine Geräusche von Verkehrslärm. Sonne und Wind auf der Haut spüren, Atem wahrnehmen...
Dann beginnen, das Wazifa zu tönen oder zu sprechen... Eine Mala lang ... und dann wieder ins Schweigen sinken, tiefer die Bedeutung des Klanges wirken lassen...

"Ich glaube, ich habe Durst und koche mir jetzt einen Tee" - und zack, ist man wieder raus aus diesem seltenen Moment. Also Holz sammeln, mit den Streichhölzern kämpfen, die der Wind immer wieder ausbläst und schließlich ein Feuerchen in Gang setzen. Wie ein Beduinenprofi die Teeblätter mit der hohlen Hand abmessen, Zucker und Wasser rein und das Kännchen aufs Feuer stellen.

Dem Prötscheln lauschen und den süßen Geruch wahrnehmen. Das ist doch auch schon fast wie Meditation- oder?
Ein paar schöne Steine fallen ins Auge - ach, und da ist wieder dieser lustige Käfer, der so ähnlich klingt wie "Rumfass"...
Ob es schon bald Mittag ist, dann kann ich ja wieder zum Lager zurück... Was, erst 10 Uhr?
Also noch ne Runde....

"Ich könnte ja die Erlebnisse erst mal in mein Tagebuch schreiben, das gehört ja auch dazu. Und das war doch eben schon ein tolles Erlebnis, so richtig die Stille wahrzunehmen..."

"So, nun muss ich aber wirklich meine Übungen weiter machen..."

Ab heute wird geschwiegen...

März 28, 2009

Reatreat im Schweigen

 
Nach der zweitägigen Karawane und der Ankunft am Brunnen gab es noch einen freien Tag, wo sich die Teilnehmer zum einen etwas erholen konnten und zum anderen am Retreat-Platz orientieren und "einrichten" konnten.

Dazu gehörte, dass sich jeder einen Schlafplatz sucht und aufbaut und ebenso einen Meditationsplatz. Das konnte am gleichen Platz sein, manche gingen zur Meditation aber lieber etwas weiter hinaus oder unter einen Strauch.

Während des eigentlichen Retreats von 7 Tagen verbrachte jeder den Tag alleine und im Schweigen- was eigentlich bei einem Meditations-Retreat selbstverständlich ist. Denn Meditieren und Sprechen ist gleichzeitig schlecht möglich.

Die Teilnehmer wussten das natürlich schon vor der Reise und hatten sich ja auch deshalb angemeldet. Trotzdem hatten etliche erst einmal "Angst" davor, zumindest die, die das noch nie erlebt hatten. Außerdem war alles so neu und aufregend, da war das quatschen miteinander auch erleichternd.

Am Abend vor dem Retreat gab es dann eine gemeinsame Einstimmung, wo zum einen der organisatorische Ablauf erläutert wurde (Trennung von den Beduinen, Essplatz, wo sich alle im Schweigen zum Essen trafen, gemeinsame Morgen- und Abend-Meditation) und dann das Schweigen offiziell eröffnet wurde.

Die zwiespältigen Gefühle, die die Teilnehmer dabei wohl empfanden, hat Christiane in ihrer Zeichnung festgehalten. Die Figur links soll natürlich ich sein :-). Wir sind alle in unsere Burnusse eingewickelt, da es abends ziemlich kühl war.

"Insekten- Retreat"

März 21, 2009

Bei

Bei dieser Karawane hatten alle Teilnehmer (außer mir) Brillen als Schutz gegen Sandsturm mitgebracht: Gletscherbrillen, Arbeitsschutzbrillen und ähnliche Ungetüme.
Schon beim ersten Karawanentag, als ein kleiner Sandwind auftrat, packten alle ihre Brillen aus.
Das sah in meinen Augen so verrückt aus, dass ich ein Foto machte und meinte, sie sähen alle aus wie futuristische Insekten.

In der Sahara weht sehr oft Wind, der natürlich den leichten feinen Sand aufwirbelt und mitträgt. Das hat allerdings bei weitem nichts mit einem Sandsturm zu tun. :-).

Ankunft am Brunnen

März 15, 2009

 

Nach der zweitägigen Karawane erreichen wir schließlich unseren "Retreat- Platz". Es ist natürlich nicht wirklich ein Platz, für die Ankommenden unterscheidet er sich sicher nicht von anderen Stellen in der Wüste.

Aber- und das ist das Entscheidende für unseren längeren Aufenthalt- hier ist ein Brunnen. Denn wir brauchen in den 14 Tagen natürlich viel Wasser zum Tee und Essen kochen.
Das Waschen ist in der Regel sehr reduziert, denn je nach Lage der Dinge, müssen wir mit dem Wasser sparsam umgehen. Wenn es lange nicht regnet, kann der Brunnen nach einiger Zeit leer sein. Vor allem wenn viele andere Karawanen und Ziegenherden vorbei kommen.

Doch nun sind wir erst einmal angekommen. Nach zwei Tagen Karawane verschwitzt, dreckig und erschöpft.
Da werden dann (fast) alle Hemmungen erst einmal beiseite geschoben und die Gruppe startet ein wonnevolles Duschen.

Da der Platz ja öffentlich ist und unsere Beduinen auch in der Nähe das Lager für unsere Versorgung aufschlagen, werden mit vorgehaltenen Decken provisorische Duschen gestaltet.

Das Wasser muss mit einem Eimer aus dem Brunnen gezogen werden. Der Eimer hängt an einem Seil, sonst gibt es da keine Vorrichtung.
Auch das bedarf erst mal der Übung, den Eimer so geschickt und mit Schwung in den Brunnen zu schmeißen, dass er umkippt und Wasser hineinlaufen kann.

Das Gekreische und Gejubel ist wahrscheinlich meilenweit zu hören, denn in der Wüste werden Geräusche und Klänge sehr weit getragen. 

Beduinische Tee- Zermonie

März 07, 2009

Tee trinken ist für die Beduinen eindeutig wichtiger als essen! Die Teezubereitung, gemeinsam am Feuer sitzen, Tee schlürfen und Geschichten erzählen, das ist ein wichtiger und beliebter Bestandteil des Alltags.

Ob in der Oase oder in der Wüste: Gäste werden als erstes mit Tee bewirtet.

Allerdings dauert das! Es ist nichts für ungeduldige westliche Menschen, die auf die Uhr schauen und überlegen, ob sie ihren nächsten Termin noch schaffen.

So gab es dann auch erst einmal zahlreiche Missverständnisse.

Als ich einmal alleine mit einem Beduinen in der Sahara unterwegs war, trafen wir manchmal auch auf andere Beduinen, zu denen sich mein Begleiter setzte, sie schwatzten und bereiteten Tee zu.
Auf meine Bemerkung hin, dass wir bald weiter ziehen sollten, meinte M. ja, gleich, er wolle erst noch einen Tee trinken.

Na klar, so wartete ich brav, wir tranken unser Gläschen Tee - und ich wollte aufspringen. Verdutzte Gesichter. Ja, aber nun hatte er doch seinen Tee getrunken, worauf noch warten?

Später erfuhr ich dann, dass immer 3 Runden getrunken werden müssen- alles andere ist unhöflich. Oder man lehnt von vorneherein die Einladung zum Tee ab.

Von einer Bekannten, die bei den Tuareg gewesen war, hörte ich von dem schönen Spruch:

Die 1. Runde bitter wie die Wahrheit,
die 2. Runde süß wie die Liebe
die 3. Runde leicht wie der Tod.

Die 1. Runde ist in der Tat eher bitter, dann wird noch etwas Zucker dazu geschüttet und etwas Wasser und prötschelt dann wieder eine Weile- bis die zweite Runde verteilt wird und schließlich kommt noch mal Wasser drauf für die 3. Runde, die daher "leichter" ist.

Dann fielen mir mit der Zeit noch andere "Regeln" auf:

Zuerst bekamen immer die Gäste den Tee (wie ich schon schrieb, gab es nie genug Gläschen, dass alle gleichzeitig hätten trinken können), und zwar wohl nach Rang oder auch nach "neu".

 

Die Beduinen tranken ganz zuletzt, vor allem der Tee- Meister ganz zum Schluss.

Mit der Zeit (ich habe ja acht mal dort Gruppen geleitet und kannte einige der Beduinen schon seit Jahren) wurde ich wohl mehr zur Beduinen- Crew gezählt. So bekamen erst meine Teilnehmer den Tee, dann ich.

Zuerst war ich verärgert: Mensch, ich will Tee!! Bis ich zu dieser Interpretation kam und ganz stolz war. So was nennt man im NLP Reframing :-).

Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter: Die Tragödie...

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