Dazu habe ich (jetzt) keine Zeit
November 02, 2012Dazu habe ich (jetzt) keine Zeit!
Wie oft hören oder sagen Sie selbst diesen Satz? Zu anderen oder zu sich selbst?
Und in welchen Situationen sagen Sie es? Wozu haben Sie keine Zeit?
Wenn Sie das einmal näher untersuchen, kann Ihnen das höchst interessante Informationen liefern. Die Sie sogar zu sehr grundlegenden Themen führen kann. Dass Sie anfangen, über Ihre Prioritäten nachzudenken. Diese wiederum können Sie zu Ihren Werten führen, zu dem Sinn Ihres Lebens… Hach! Sie sehen schon, so simpel ist diese Frage nicht.
Ich kam neulich durch eine konkrete Situation dazu, mir über dieses Satz Gedanken zu machen und möchte Sie einladen, das auch einmal für sich zu tun.
Dazu schlage ich eine ganz konkrete Übung vor. Nicht das übliche Zeitprotokoll, das in Zeitmanagement-Seminaren angeregt wird. (Und das auch sinnvoll ist, allerdings nur, WENN man es nachher auch auswertet :)).
Achtsamkeits-Übung- ein „Ich habe keine Zeit“- Protokoll
Dazu bedarf es ein wenig Achtsamkeit, also gleichzeitig eine wunderbare Achtsamkeitsübung, wie sie im Buddhismus praktiziert werden.
Sie machen sich eine Notiz (und wenn Sie ganz wenig Zeit haben- Haha- dann erst einmal nur eine Strichliste). Dort notieren Sie, wann Sie diesen oder einen ähnlichen Satz zu anderen sagen, wo Sie etwas absagen, nicht einplanen etc., weil Sie eben keine Zeit dazu haben.
Sie können in der erweiterten Fassung auch dazu schreiben, weshalb Sie keine Zeit haben. Also was Sie stattdessen in dieser Zeit machen.
Sie notieren ebenfalls, wann Sie sich selbst innerlich diesen Satz sagen. Und auch hier: was verkneifen Sie sich, was tun Sie deshalb nicht- und was tun Sie stattdessen.
Noch ein Zusätzelchen: notieren Sie ebenfalls, wie viel Zeit es genau beansprucht hätte.
Sie finden hier ein Formular, das Sie dafür benutzen können, Sie können sich natürlich auch selbst eins basteln.
Beispiele
* Sie sind mitten in der Arbeit, da bekommen Sie einen privaten Anruf von einer Bekannten. Sie sagen relativ schnell: „Du, ich habe jetzt keine Zeit, ich bin mitten in der Arbeit. Ist es etwas wichtiges?“
* Sie bekommen eine Mail von Freunden, die nachmittags ins Kino gehen. Ob Sie mitgehen wollen. Ihre Antwort:“Nachmittags? Da arbeite ich. Ich gehe nur abends oder am Wochenende aus.“
* Sie steigen aus dem Auto und sehen einige Nachbarn vor der Haustüre stehen und sich unterhalten. (Ich wohne in einem kleinen Dorf, da spielt sich viel vor der Haustür ab). Stellen Sie sich nun ein paar Minuten dazu und pflegen Smalltalk? Oder gehen sogar zur älteren Nachbarin ans Fenster und quatschen mit ihr, obwohl Sie wissen, dass die immer vom Hölzchen aufs Stöcksken kommt und Sie sich da so schnell nicht loseisen können? Oder sagen Sie sich innerlich: Dafür habe ich jetzt keine Zeit- und stürzen an den Schreibtisch?
* Sie haben sich vorgenommen, jeden Mittag zu walken. Als der Wecker an Ihrem PC klingelt, ignorieren Sie ihn einfach. JETZT geht es gerade nicht, ich muss noch schnell…
Sie merken schon, das sind alles Beispiele aus meinem Leben.
Ich könnte Ihnen aber noch viel kleinere geben.
Jeden Morgen mache ich Yoga (das habe ich Gottlob mit der „Mini-Handlung“ geschafft), in der Türkei natürlich am Strand. Da erlebe ich dann auch wunderbare Sonnenauf- und untergänge.
Hier im Bergischen Land gibt es ebenfalls wunderbare Sonnenaufgänge. Je nach Jahreszeit bin ich dann gerade in der Küche, bereite mein Frühstück und setze mich an den Tisch. Wo ich wegen der Dachschräge dann den Sonnenaufgang nicht mehr sehen kann.
Ich könnte mir auch einfach 5 Minuten Zeit nehmen, mich ans offene Fenster stellen oder sogar auf den Balkon- und einfach nur den Sonnenaufgang schauen und genießen.
Das sind so die kleinen Momente, wo man sicher sehr viel Kraft tanken kann. Vor allem geht es mir aber mit diesem Beitrag darum, längerfristig eine andere innere Haltung anzunehmen. Achtsamer zu sein, solche Momente zu würdigen und mir die Zeit dazu zu nehmen, sie überhaupt wahrzunehmen.
Mir Zeit zu nehmen, einfach mal durchzuatmen, zu schauen…NICHTS zu tun.
Das ist für mich sicher eine der schwersten Übungen :), ich weiß aber aus langjähriger Erfahrung, es ist auch eine der wert-vollsten „Übungen“. Es ist im übrigen schon verrückt, das „Übung“ zu nennen, was eigentlich selbstverständlich ist.
Kinder können es noch, manche alten Menschen lernen es wieder. Es wäre aber das ganze Leben über eine sinnvolle Bereicherung, die das Leben noch ein bisschen lebens-werter macht.
Wie sehen Sie das?
Schon lange arbeite ich nur mit Laptops, auch in meinem Home-Office. Es nimmt weniger Platz weg und ursprünglich war mein Plan, dass ich es dann eben überall mit hinnehmen kann.
Werden Sie auch manchmal scheinbar von Erwartungen erschlagen? Von eigenen oder von anderen?
„Das Seminarthema interessiert mich sehr und ich könnte es auch gut gebrauchen. Aber leider habe ich keine Zeit zu dem Termin. Bieten Sie es dieses Jahr noch einmal an?“