Die Karawane zieht weiter
Januar 10, 2009Kamelparkplatz und Touristen- Kurz- Karawanen
Fortsetzung der Wochenend-Beilage: Erlebnisse in der Sahara
s. 1. Beitrag: Wo ist Georg?
Bevor die zweitägige Karawane losging, blieben wir erst einmal zwei Tage in einer Oase in einem kleinen scheußlichen Ein - bis Zwei Sterne- Hotel. Es ist das einzige Hotelchen in der Oase - und sein großer Vorteil ist: man geht nur über die Straße und ist in der Wüste!
Wir lernten uns kennen, besuchten Beduinen zu Hause, gingen einige Schritte in die Wüste, um uns einzustimmen und auf die Karawane und das Retreat vorzubereiten. Diese Zeit war notwendig, um vom Arbeistalltag umzuschalten und sich auf das Neue und Fremde einzulassen.
Dem Hotel gegenüber war der von mir so benannte Kamel- Parkplatz. Dort saßen und standen den ganzen Tag Beduinen und Kamele und warteten auf Touristenbusse.
Sprechblase Tourist/in auf Kamel: "Kreisch!"
Morgens und Abends fielen diese Horden wie Heuschrecken ein, wurden serienweise kreischend auf die Kamele verfrachtet und eine Stunde herumgeführt zum Sonnenauf- oder - untergang.
Es war eine ziemliche Verarschung, denn die "Karawane" schleppte sich nur einige Dünen weiter, dann war schon Pause, einige Jungs verkauften Cola für einen Dinar - und in einer kleinen Kurve ging es wieder zurück.
Vorher wurden die Touris in alberne gestreifte Läppchen gepackt (den Djellebas nachempfunden, sahen aber eher wie Sträflingskleidung aus) und bekamen einen Chech (Turban) umgewickelt, damit sie sich so richtig echt vorkamen. Die meisten sahen damit aber aus, als ob sie Zahnschmerzen hätten.
Mir machte es immer riesigen Spaß, diesen Aufstieg auf die Kamele zu beobachten. Der Bruder des Hotelbestitzers Ahmed managte das Ganze.
Beduinen- Manager
Dazu hatte er in einem Heft mit Kuli eine Liste geschrieben mit allen Beduinen und ihren Kamelen. So wurde gewährleistet, dass es ein routierendes System gab, nach dem alle nacheinander dran kamen.
Leider war Salem ein sehr unsympathischer Typ, aber die Nummer fand ich trotzdem zum Schreien. In meine Tagebuch schrieb ich leicht ironisch:
"Er scheint einen Zeitmanagement- Kurs besucht zu haben - so wie er die Touristen fließbandmäßig auf die Kamele hievt."
Dazu wurden die Kamele in eine Reihe gestellt, in die Knie gezwungen, damit sie sich hinlegen, was immer mit großem Gebrüll (der Kamele) verbunden war. Dann werden die Touris nach Größe und Gewicht den Kamelen zugeordnet, damit nicht ein fetter Mann auf einem kleinen zarten Kamel sitzt. Und zack, zack, zack - rauf auf die Kamele und los.
Das geht so:
Der dazu gehörige Beduine tritt dann auf eins der zusammen gebundenen Vorderbeine des Kamels, damit es nicht aufspringt, so wie ein Tourist versucht, darauf zu klettern.
Mit gemeinsamem Schieben und Zerren sitzt er oder sie dann schließlich oben und das Kamel springt auf: dabei klappt es erst einmal die Hinterbeine auf und der Mensch fliegt nach vorne, dann die Vorderbeine auf - und der Mensch fliegt nach hinten. Schließlich richtet es sich ganz auf und der "Reiter" fliegt wieder nach vorne. Das alles von lautem Kreischen begleitet.
Nächstes Wochenende Forts.:
Ich als Kamelführer